Stadtrat ringt um die richtige Entscheidung – Was wird aus der Schongauer Schiessanlage an der Dießener Strasse?

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ANTON JUNGWIRTH; Schongau – Das heikle und komplexe Thema „Schießanlage“ beschäftigt den Stadtrat seit ein paar Monaten, denn die Anlage genügt nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Aber eine Sanierung kostet sehr viel Geld. Doch selbst dann ist unklar, ob eine moderne Anlage den erforderlichen Lärmschutzwerten entspricht. Die Besichtigung einer modernen Schießanlage bei Schrobenhausen und ein Lärmgutachten sollen Licht ins Dunkel bringen. Seit 1969 betreibt der Jagd- und Naturschutzverein Schongau und Umgebung e.V. auf dem Gelände der Königlich Privilegierten Feuerschützengesellschaft Schongau einen Schießstand. Vier mal einhundert Meter Kugelbahnen, eine Kipphasenanlage, einen so genannten laufenden Keiler und einen Wurfscheibenstand (Trap). Doch der Trapstand entspricht seit 1995 auf Grund des Bodenemissionsgesetzes nicht mehr den erforderlichen Bedingungen. „Dies gilt für fast alle Wurfscheibenstände in Bayern“, stellte der Vorstand des Jagd- und Naturschutzvereins Schongau und Umgebung, Martin Kästl, dem das ausdrückliche Rederecht im Gremium erteilt worden war, klar und verwies auf eine mögliche Lösung. Am „runden Tisch“ hatten zuständige Ämter und beteiligte Verbände 20 Schießstände, die über ganz Bayern verteilt liegen, ausgesucht, die als so genannte „Schwerpunktanlagen“ ausgebaut werden sollen. „Auch unser Schießstand befindet sich unter diesen bevorzugten Anlagen“, verdeutlichte Kästl, wies aber auf die Hürde hin, die der Stadtrat zu nehmen hätte. Denn nach Ansicht von Kästl wäre die Stadt im Falle der Pleite des Vereins für die ordnungsgemäße Entsorgung der blei- und PAK-haltigen Wurfscheibenreste verantwortlich. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 400000 Euro wusste der Vorstand zu berichten. Doch würde die Anlage in erforderlicher Weise saniert werden, würden diese Kosten in die Fördergelder fallen, so Kästl. „Mit dem Umbau könnte das bisherige Gelände gleichzeitig sehr kostengünstig entsorgt werden und die neue Anlage würde so gebaut, dass künftig alle anfallenden Schrot- und Wurfscheibenreste beseitigt werden, so dass keine neue Altlasten mehr entstünden“, berichtete Kästl. Allerdings müsste für einen modernen Schießstand auch die zweite Hürde genommen werden. „Wir bräuchten, da für einen solchen Ausbau die Schießrichtung geändert werden muss, das bisher von der Stadt Schongau als Sicherheitszone angepachtete Gelände“, argumentierte der Jagdvorstand. „Bei den Lärmemissionen liegen wir mit dem Schießbetrieb an der Grenze. Die Erhöhung des Lärmpegels ist ausgeschlossen“, sagte dieser und gab an, er gehe davon aus, dass durch eine geänderte Schussrichtung, verbunden mit hohen Wällen rund um das Areal, eine deutliche Lärmreduzierung zu erwarten sei. Die Räte zeigten sich skeptisch. „Das Ganze ist nicht unproblematisch und macht mir Kopfschmerzen“, gestand Stadtoberhaupt Karlheinz Gerbl. Stadtbaumeister Ulrich Knecht, der sich mit der Thematik eingehend befasst hatte, zeigte tiefe Stirnfalten: „Wir brauchen hier eine schalltechnische Untersuchung“, sagte dieser und verwies gleichzeitig auf die Wälle, die weit über zehn Meter haben müssen, damit sie ihren Sinn erfüllen. „Das mach ich nicht mit und ich werde mich vehement dagegen aussprechen“, wetterte Roland Heger von der UWV. Auch andere Räte äußerten Zweifel, erklärten sich aber für eine Ortsbesichtigung an einem modernen Schießstand bereit. „Die Ortsbesichtigung sollte zweierlei klären; zum einen den normalen Höreindruck und zum anderen den optischen Eindruck“, erklärte der zuständige Umweltingenieur der Stadt Schongau, Walter Frömmrich. Parallel hierzu führte das Ingenieurbüro Stainer aus Dießen am Ammersee eine Lärmmessung durch. „Wir erwarten die Ergebnisse in den nächsten Tagen“, sagte Frömmrich hierzu. Jetzt liegt es an der Stadt, ob sie ihr Grundstück dem Jagdverein für den Aus- und Umbau der jetzigen Schießanlage in eine Schwerpunktanlage zur Verfügung stellt oder ob die Schießanlage endgültig geschlossen werden wird – falls entweder das Geld nicht reicht oder die Schallwerte dennoch nicht eingehalten werden können. Allerdings muss geklärt werden, wer in diesem Fall die Entsorgungskosten zu tragen hat. Die Stadt Schongau jedenfalls sieht sich hier nicht in der Pflicht.

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