Starkbieranstich im Schongauer Brauhaus

Vom Falk-Double bis zum Personalkörper

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Fastenprediger Michi Marchner las den Schongauer Lokalpolitikern die Leviten.

Schongau – Zur Fastenzeit gehört ein ordentliches Starkbier einfach dazu. Und früher war es außerdem Usus, dass die Wirte und Brauer ihren Gästen beim Stammtisch Mal die Zähne zeigen, sie also ihre Gäste, in aller Freundschaft, „derblecken“ und den Spiegel vorhielten. Daran erinnerte Marion Albrecht, die Geschäftsführerin des Schongauer Brauhauses, wo auch ein Fastinator gebraut wird. Und für das Derblecken konnte die Familie Albrecht auch heuer wieder mit Bruder Michael professionelle Hilfe gewinnen.  Und der hielt den Anwesenden, vor allem Lokalpolitikern, nur zu gerne den Spiegel vor.

Alles läuft in Schongau. Zu dem Schluss jedenfalls kam Bruder Michael, als er sich auf die Suche nach Themen für seine Starkbierrede gemacht hatte. „Das ist nicht das Schongau, des Ich kenn‘“, konfrontierte der Kirchenmann die Anwesenden und zeigte wenig Verständnis dafür, dass man ihn fast schon der Arbeit beraube.

Es mache sich so etwas wie vorsichtiger Optimismus breit in der Stadt, zeigte sich Michi Marchner entsetzt. Vorsichtiger Optimismus! Das sei doch für Schongau, was für Rio der Karneval ist. „Das ist die Ekstase des Schwaben!“ Wobei sich der Gottesmann, und übrigens alleinerziehender Vater, sich die Anwesenden vorknöpfte – wenn es schon an Themen für die Fastenpredigt mangelte.

Dabei fiel sein Blick auf den "Sluyterer", von dem ja nix mehr übrig sei. „Alles herunterkasteit“, unkte Marchner mit Blick auf den Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman, kein Wunder, stehe ja bald die Eröffnung der neuen Sauna im Plantsch bevor. Und mit einem Falk-Double werde es diesmal nicht gehen, müsse er doch seinen Titel als zweiterotischster Bürgermeister von Oberbayern verteidigen. Die Nummer eins? Mathias Neuner aus Landsberg.

Bürgermeister Falk Sluyterman beim Starkbieranstich.

Apropos Bürgermeister: Das Schongauer Stadtoberhaupt hatte auch dieses Jahr wieder nicht geübt, wie man den Wechsel richtig und sauber ins Fass treibt, damit der süffige Gerstensaft fließen kann. Zwei plus X Schläge brauchte Sluyterman, ehe er mit Braumeister und Wirt anstoßen konnte.

Doch zurück zum vorsichtigen Optimismus, den Bruder Michael ausgemacht haben wollte. Es gehe ja voran mit der Fußgängerzone. Die, so kann der geneigte Beobachter feststellen, wohl auch belebt sein dürfte, zumindest nutzen die in Schongau untergebrachten Flüchtlinge das Areal, um kostenlos online zu gehen. Es gebe auch eine gewisse Aufenthaltsqualität, stellte Marchner fest. Die Kaufkraft könnte diese Gruppe mitbringen, doch, „was soll man da kaufen?“ Eine rhetorische Frage, die ihm viel Applaus einbrachte.

Auch zum Schongauer Bahnhof hatte der Fastenprediger eine klare Meinung. Ist dieser doch ein Thema, mit dem noch jeder Bürgermeister zergerbelt wurde, wie Marchner aufgefallen war. Und aktuell gehe es um den Dreisatz, Bahnhof-Besitzer, Stadt und Bahn. Die Causa sei sogar so arg, dass sich die Verwaltung Alexander Dobrindt als Verbündeten gesucht habe. Da müsse man schon sehr vorsichtigen Optimismus an den Tag legen, lästerte Marchner, wenn man sich den Verkehrsminister als Partner ins Boot hole.

Und erst das Videoreisezentrum! Bis nach Franken sei Sluyterman gepilgert, um das selbst zu testen, vor allem, wie die Bahn dafür einen größeren Personalkörper vorhalte – O-Ton Sluyterman. Und habe dort mit einer Frau namens Kahla Main geflirtet. Wie ein Sluyterman flirte? „Schöne Frau, würden Sie Ihren Personalkörper vorhalten?“ Da bekomme der Begriff "Tatschscreen" eine völlig neue Bedeutung.

Im Übrigen hatte Marchner noch das eine oder andere Stichwort aufgeschnappt und sich eigenen Gedanken dazu gemacht. Etwa der Name des Schongauer Spaßbades, toll ausgestattet aber ein blöder Name. Auch das Hickhack um das Ikek war dem Padre aufgestoßen. Aber wie hatte er erkannt: mit Fördertöpfen lockt man Schwaben. Auf eine Diskussion um Zahlen sollte man sich aber bei einem Bürgermeister nicht einlassen, musste Marchner feststellen, kurz bevor er das Mikro weiterreichte an die Ziacheiner. Die bestritten nämlich dann den Rest des Abends.

Oliver Sommer

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