Tipps vom Schongauer Fastenprediger

Besser "take the Radl"

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Seit fünf Jahren übernimmt Michi Marchner die Rolle des Bruders Michael und läutet mit seiner Predigt die Fastenzeit ein.

Schongau – Eine halbe Dekade hat Michi Marchner nun voll, fünf Jahre, in denen der gebürtige Münchner als Bruder Michael die Schongauer mit seiner Predigt in die Fastenzeit schickt und hofft, dass der eine oder andere Ratschlag doch ein bisschen fruchten möge. Zum Jubiläum konnte der Frater nicht nur lokale Prominenz begrüßen, auch der frühere Landtagsabgeordnete Dr. Thomas Goppel und Denklingens Bürgermeister Andreas Braunegger amüsierten sich bei den Betrachtungen Marchners. Gekonnt hatte der Schongauer Bürgermeister zuvor das Fass Starkbier mit zwei Schlägen angezapft.

Er werde den Gau heuer nicht schonen, prophezeite Bruder Michael den Schongauerinnen und Schongauern, oder schon und wieder Gauern, oder vielleicht den Schongenderinnen und Schongendern. Auf jeden Fall aber, so Michi Marchner, sei „schon Time for Fastenpredigt“. Und kündigte an, dass er kommendes Jahr auf jeden Fall wieder antreten werde, der „Tobi ja nimmer“. Der versuche sich ja, so der Fastenprediger, in der Selbstständigkeit mit einem Escape Room. Sei aber bereit, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, 2026 wieder anzutreten als Rathauschef. Kinder, so der Bruder, die noch gar nicht geboren sind, sollten in nur sechs Jahren aus dem Gröbsten raus sein? Aber wahrscheinlich sei es ohnehin so, dass Tobias Kalbitzer so um das Jahr 2032 das Rathaus als seinen eigenen Escape Room auf der Flucht vor seinen Kids nutzen werde.

Viel Freude hatte dem Fastenprediger aber auch heuer wieder der erste Bürgermeister gemacht. Es waren vor allem die kleine Imagebroschüre über die Stadt und die Imagefilme, die sich Marchner angesehen hatte. Und die in etwa unter dem Motto „Da stinkts, da rauchts, da muss i hin“ firmieren. Mit ein paar Seitenhieben in Richtung Krankenhaus, an die Funk(y) Konnie und zur CSU kam Marchner aber zu dem Ergebnis: Es ist jedes Jahr das gleiche, es gibt keine Themen!

Außer vielleicht das Thema Verkehr, das von der Altstadt bis in den Westen hinaus die Schongauer umtreibt. Das geht in der Wüstenei der Altstadt los, wo man mit dem Stadtstrand nun auch noch den Sand hinkarren will für die perfekte Geisterstadt. Und wie anders wäre es zu erklären, dass man sich vehement gegen ein Boardinghouse wehrt in der Altstadt. Denn es könnte ja laufen, so der Marchner kritisch. „Und dann gibt’s nichts mehr zum Schimpfen!“. Auch das Thema Bahnhof konnte der Bruder nicht aussparen. Immerhin war der Sluyterman doch zum Dobrindt „hincanossert“ für Hilfe bei dem Thema. Aber zumindest gebe es ja nun einen Straßenstrich in Schongau. Oder was sollte man sonst unter „Kiss and Ride“ verstehen? Da müssen fünf Bäume gefällt werden für Ultrakurzparkplätze, wo 500 Helikopterkinder von ihren SUV-lenkenden Piloten abgesetzt werden können. Wobei der Fastenprediger hier auf den Punkt kam: Könnte man nicht das Areal, für das die Bäume weichen mussten, als Aufmarschfläche für Klimademonstrationen des Nachwuchses verwenden? Oder aber die klimabewussten Kinder machen es old-school-mäßig: Damals, also, als der Bruder Michael noch zur Schule ging, gab es so ein Ding, genannt Schulbus. Auch meinte Marchner zu den coolen Kids: „Take the Radl. Oder geht doch gleich mal wieder zu Fuß!“.

Eingerahmt war die Fastenpredigt natürlich wieder von Musik und einem Werbe­block. Für erstere sorgten die BRazzBoys der Stadtkapelle, für letzteren die Kinder des Brauhauses, besser gesagt der Familie Albrecht.

Denn die haben den Geschäftssinn der Eltern geerbt, die Tochter macht gerade Abitur und wird wohl nächstes Jahr den Laden schmeißen während ihr Bruder verantwortlich zeichnet für das Starkbier. Mit Unterstützung des Braumeister Michael Chance-Graves hatte er den süffigen Gerstensaft gebraut und erstmals heuer auch in Flaschen abgefüllt, die man nun sogar für den Außer-Brauhaus-Gebrauch käuflich erwerben kann.

Vor sieben Jahren, so Stephan Albrecht, habe er Blut oder vielmehr „Bier geleckt“, damals mitgeholfen beim Brauen und in das Metier reingeschnuppert, „aber kein Bier getrunken“. Seit drei Jahren allerdings bereitet sich der junge Mann auf die Profession des Brauers vor. Sogar seine Berufsschullehrer waren nach Schongau gekommen, um selbst vom dunklen Bier zu kosten. Und neben ihnen noch gut 120 Gäste, die probieren und die Predigt hören wollten.

Insgesamt hat der Marchner ja doch das ein oder andere Thema gefunden, das es wert war, in einer Fastenpredigt vorzukommen. Und er habe sich ja einen Stand hier erarbeitet, weshalb er auch gar nicht mit dem Nockherberg tauschen wolle, so der Münchner, der nun den Schongauern wieder ein Jahr Zeit gegeben hat, doch noch Unsinn anzustellen, der in der nächsten Fastenpredigt vorkommen könnte. Und bis dahin, „Take the Bike. Oder geht’s mal wieder zu Fuß“!

gau

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