"Störender" Wahlkampf

Starkbieranstich 2020 im Schongauer Brauhaus mit Marchners Fastenpredigt

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Fastenprediger Michi Marchner war bereits zum sechsten Mal beim Starkbieranstich im Schongauer Brauhaus.

Schongau – Wo dauert die Sanierung eines Bahnhofs länger als der Neubau des Berliner Flughafens BER? Im selben Ort, wo auch ein Brückenneubau am Fluss darunter scheitert. Das eine oder andere Thema aus den vergangenen zwölf Monaten hatte es schon in die Fastenpredigt von Bruder Michael geschafft. Aber sieht man mal vom Wahlkampf ab, habe sich nicht sonderlich viel ereignet in Schongau, oder die Politiker haben sich keine Mühe gegeben. Das tat dafür die Schachermuih, die mit einem furiosen Auftritt im Brauhaus quasi das Singspiel beim Starkbieranstich ersetzte.

Seit sechs Jahren hatte sich Bruder Michael auf diesen Wahlkampf gefreut, eigenem Bekunden nach. Doch haben Sie auch das Erdbeben gespürt, dessen Epizentrum in einer Gruft in Rott am Inn lag? Es werde ja kolportiert, dass dort jemand ins Rotieren geraten sein soll, angesichts der Zustände in Schongau. Nicht nur, dass der Fastenprediger kaum noch Arbeit habe nach dem singspiel­gleichen Auftritt einer Wirtshaus-Musik.

Nein, dort, wo Bayern am bayerischsten ist, dort, wo Er die CSU einst gründete, haben die Wähler mittlerweile die Wahl zwischen zwei Muschelschubsern von der Waterkant. Der eine mit niederländischen Vorfahren und der andere aus dem südlichsten dänischen Bundesland Schleswig-Holstein.

Und tatsächlich waren auch fast alle Verantwortlichen, also alle, die sich Hoffnung machen auf ein Amt, an diesem Abend ins Brauhaus gekommen, freute sich der Bruder. Sogar die CSU-Kandidaten. Freilich stellt sich im Nachhinein schon die Frage, ob sie wissen konnten, dass der Schockerberg vor der Wahl nicht mehr stattfinden würde oder ob sie doch das bessere, weil in Schongau gebraute, Bier im Brauhaus verkosten wollten.

Bürgermeister Falk Sluyterman (Eselsbrücke für Michi Marchner: Sluyter wie Euter) jedenfalls hatte in gekonnter Manier das erste Fass des von Stephan Albrecht eingebrauten Doppelbocks, den Fastinator, angezapft und dabei den Schlegel schon recht nah an seinem Herausforderer Hans Rehbehn vorbei geschwungen.

Der Boandlkramer-Rap

Albrecht selbst brachte seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass man seitens der Union beim Schockerberg nicht das hier gebraute Bier genieße. Immerhin aber erging ein Friedensangebot an Hans Rehbehn, doch im Brauhaus auch einmal zum Essen zu gehen. Während Albrechts Schwester Sophia, die mittlerweile für das kulturelle Programm verantwortlich zeichnet, einen Hirtenbrief des Ministerpräsidenten verlas, der explizit auf die bayerische Wirtshauskultur Bezug nahm.

Ganz in dieser Tradition steht denn auch die Schachermuih, deren Namen Sophia Albrecht so schwer über die Lippen kommt. Ein Quartett aus der Nähe von Fürstenfeldbruck, das im Sinne der Fastenzeit davon sang, dass ab morgen die Wampen weg muss und mit einem unaussprechlichen Refrain die Zuhörer schwindeln ließ. Und mit ihrem Boandlkramer-Rap auch die eine oder andere Pointe des folgenden Fastenpredigers vorweg nahm.

Lieber Verwalten

Und so begrüßte der Frater aller Fastenprediger die Brüderinnen und Brüder oder besser das „schongegarte Stimmvieh“ und gab sich sichtlich Mühe mit den kleinen und größeren Sünden. Noch einmal ließ er alle Kandidaten Revue passieren, die sich als Bürgermeister bewerben und vielleicht gerade auf der Gegenveranstaltung der Gemeinwohl-Ökonomie waren, was für die eine oder andere Pointe sorgte.

Wobei der Mann am Rednerpult nichts auf die „fleischgewordene Verwaltung“ kommen ließ, der zu 100 Prozent im Rathauschefsessel seiner Arbeit nachgeht und für das echte Leben seine Frau hat. Und den der Wahlkampf beim Verwalten bloß stört.

Ein bisschen sah er aber gezeichnet aus, der Michi Marchner. Vielleicht, weil es mittlerweile seine sechste Fastenpredigt in Schongau ist oder vielleicht wegen des Wahlkampfs in Schongau. Den der in Pähl lebende Marchner natürlich nur aus der Ferne mitbekommt und dafür umso mehr schaut, was sich die Kandidaten in Schongau, anwesend waren nur Rehbehn und Sluyterman, als Bürgermeisterkandidaten so leisten.

Vielleicht aber auch deswegen, weil es eben nichts zu erzählen gibt, so vielsagend wortlos wie das Wahlprogramm mittlerweile ist.

gau

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