Starkbierfest im Schongauer Brauhaus

Gute Fastenpredigt, klasse Musikkabarett

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Musikkabarettist Horst Eberl sorgte bei seinem Auftritt für Lacher im Sekundentakt.

Schongau – „Fader geht’s ned“: Diesen Satz münzte Fastenprediger Michi Marchner bei seinem Auftritt zum Starkbieranstich am Freitag im Schongauer Brauhaus auf die Tatsache, dass ins frühere Polizeigebäude am Münztor ein Seniorenamt des Landratsamtes einziehen wird. Das, was dem Publikum an dem Abend geboten wurde, war alles andere als fad. Während Michi Marchner sich lokalen Themen wie der Fußgängerzone widmete („Der Schongauer will ned essen und hinsitzen, er will parken“), brachte Horst Eberl, der sich bei Texten, Liedern, zackigem Gitarrenspiel und Leibesübungen voll verausgabte, das Fass stimmungsmäßig fast zum Überlaufen.

Der Anstich des ersten Fasses mit dem Starkbier war Aufgabe des zweiten Bürgermeisters Tobias Kalbitzer. Stephan, der Sohn der Wirtsleute Marion und Till Patrick Albrecht, erklärte den Gästen, dass es ein untergäriges Bier sei, das schon vor drei Monaten eingebraut wurde, sein Aroma durch Bitterhopfen aus der Hallertrau bekommen hat, eine Stammwürde von 18 Prozent aufweist und mit 7,5 Prozent Alkohol recht stark ist.

Zahlreiche der zirka 100 Gäste kosteten zu bayerischen Gerichten von dem würzigen Fastinator-Trunk – einige davon freilich aus Pilsgläsern, weil in der Gastronomie die kleinen Krüge ausgegangen waren. Lob gab’s allgemein für warmes Essen und Brotzeiten und für die Getränke. Nur schade, dass an manchem Tisch der Service gar lange auf sich warten ließ.

Rechtzeitig mit pointierten Highlights zur Stelle war Kabarettist Michi Marchner. Beim Blick in die Runde befand er, dass es von der CSU ruhig ein paar mehr im Saal sein könnten. Auch nicht präsent: Michael Eberle. Michi Marchner meinte, er als alleinerziehender Vater mit einem „14-jährigen Rotzlöffel“ daheim in Pähl habe sich vom Anwalt sagen lassen, dass er sich wegen der Vergehen des Buben nix denken solle. Der Eberle sei ja nimmer Richter in Weilheim, sondern habe nach Landsberg gewechselt, wo er Chef am Amtsgericht wurde.

Dem zweiten Bürgermeister Tobias Kalbitzer möge er nichts unterstellen – bloß weil der einen Bauplatz bekomme. Bei Landrätin Andrea Jochner-Weiß stelle er eine starke Präsenz fest. Sie sei leichtsam dort zu finden, wo Party angesagt ist, und lasse sich auch auf Kaffeekränzchen blicken.

Mit dem Wortspiel „Der Hebesatz wurde wieder ausgehebelt“ griff Michi Marchner noch einmal das Rauf und Runter bei den Punkten zur Gewerbesteuer auf, die Betriebe zahlen müssen. Und bei der Forderung nach mehr Stellflächen für Autos und einer Öffnung der Fußgängerzone sagte Marchner in seiner vierten Schongauer Fastenpredigt verschmitzt, da bekomme der Begriff Parkanlage „eine ganz andere Dimension“.

Von Telefonzellen und vom Sendeschluss

Die Fastenpredigt des Michi Marchner war ganz und gar Lokalkolorit; einen erfrischend-spritzigen kabarettistischen Streifzug durch alltägliche Themen unternahm nachher Horst Eberl, der in Bad Kohlgrub aufwuchs und im Landkreis Altötting wohnt. Im rot-karierten Hemd und in der Jeans mit der Gitarre auf der Bühne, erinnerte er an die gute alte Zeit, als es noch Telefonzellen gab (Erklärung für junge Leute: „Das waren begehbare Handys“) und noch einen Sendeschluss in den drei Fernsehprogrammen. Bei Fußballpartien habe man noch das Spiel gezeigt – „ohne stundenlanges Gelaber“ vorher und nachher.

Eberl, der sich als „hoffnungslos nostalgisch“ bekannte, sorgte für Lacher beinahe im Sekundentakt. Mit ihm präsentierte sich ein kabarettistisches Energiebündel, dem schon vor dem abschließenden Mitmachlied über die Physiotherapie „Hoch das Bein“ der Schweiß an den Wangen hinunterfloss.

Johannes Jais

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