Mit E-Autos:

Start fürs Peitinger Bürgermobil

Rollt im Januar 2022 an den Start: das Bürgermobil für Peiting.
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Rollt im Januar 2022 an den Start: das Bürgermobil für Peiting.
  • vonJohannes Jais
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Peiting – Nachdem der Ortsbus in Peiting ein Flop war, soll 2022 ein Pilotprojekt mit einem ganz anderen Ansatz in der Marktgemeinde Fahrt aufnehmen. Die Rede ist vom Bürgermobil. Was darunter zu verstehen ist? Dass zwei oder drei E-Autos werktags von früh bis zum späten Nachmittag auf Anruf hin Fahrgäste in Peiting z.B. für Einkäufe oder Arztbesuche von A nach B bringen – und das kostenlos.

„Ein Thema, mit dem ich persönlich schon länger schwanger gehe.“ Mit diesen Worten führte Bürgermeister Peter Ostenrieder im Gemeinderat in das Projekt ein. Der Rathauschef schilderte die Ausgangslage: In Peiting sei ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre, die Hälfte sei über 50 Jahre. Öffentliche Angebote für den Personentransport seien daher angezeigt.

Der Ortsbus – von 2004 bis 2013 in Kooperation mit einem Unternehmer betrieben – wurde mangels Akzeptanz zunächst reduziert und dann eingestellt. Auch Angebote wie das Ammer-Lech-Land-Ticket (vier Euro für einen Tag im Bereich Peiting/Schongau/Altenstadt) würden nicht zu höheren Fahrgastzahlen führen, hieß es.

Die Idee, die hinter dem Bürgermobil der Gemeinde steckt, ist der Ansatz, dass Nahverkehr individuell aufgezogen wird – sprich ohne feste Haltestellen und ohne feste Abfahrtszeiten. Im Mittelpunkt steht vielmehr die „Spontanität“, wie Gemeinderat Franz Seidel in der Diskussion betonte.

Rathauschef Ostenrieder will mit dem Bürgermobil ein niederschwelliges Angebot ohne technische Hürden. Auch wolle die Gemeinde das Heft in die Hand nehmen; ein Dienstleister wie ein Bus- oder Taxiunternehmen soll nicht eingeschaltet werden. Zur Umsetzung erklärte der Bürgermeister, dass der Markt Peiting zwei oder drei Elektrofahrzeuge least, die mit selbst erzeugtem Fotovoltaik-Strom aufgeladen werden. Pro Auto bräuchte man fünf bis sieben Minijobber auf 450 Euro-Basis, eventuell könne man auch Kräfte in Teilzeit oder Vollzeit anstellen.

Die E-Autos, wofür bereits bei Händlern im Raum Schongau/Peiting zwecks Leasing schon angefragt wurde, sollten z.B. am Rathaus oder am Bahnhof stationiert werden. Dort können sie einfach auf Zuwinken geordert werden. In der Regel ist es aber so, dass jeder Interessent unter einer zentralen Rufnummer (08861/599599) direkt mit einem Fahrer verbunden wird, mit dem er die Abholung und die Route abklärt.

Nur in Peiting

Die Beförderung ist nur im weitläufigen Ortsbereich von Peiting möglich. Nach Schongau darf damit niemand gebracht werden. Anderen Anbietern des öffentlichen Personennahverkehrs oder Taxiunternehmen dürfe keine Konkurrenz entstehen, so der Rathauschef.

In den Pkw wird per GPS-Tracker aufgezeichnet, in welchen Ortsbereichen das Angebot besonders angenommen wird. Zudem wird während der Testphase über zwei Jahre ein Fahrtenbuch geführt. Beabsichtigt ist laut Ostenrieder, dass alle Fahrer und Fahrerinnen mit einem sogenannten Personenbeförderungsschein (kleiner P-Schein) ausgestattet werden, obwohl dies nicht verpflichtend sei. Dafür seien ein medizinischer Eignungstest sowie weitere Nachweise verpflichtend.

Für die Ortsteile Herzogsägmühle und Birkland ist eine Lösung nur per Telefonanruf organisatorisch schwierig. Daher gibt es die Überlegung, die beiden Ortsteile mit zwei Touren pro Tag zu festen Zeiten an Peiting anzubinden – z.B. um 10 Uhr und um 16 Uhr. Was der Rathauschef zudem erwähnte: Die E-Autos könnten zusätzlich als Shuttle bei Großveranstaltungen genutzt werden.

Die Kosten für den Markt Peiting betragen innerhalb einer zweijährigen Testphase mit den Fahrern und den Autos zirka 400.000 Euro. Doch will die Gemeinde eine staatliche Förderung in Anspruch nehmen. Der Freistaat Bayern hat nämlich für innovative Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV vor allem im ländlichen Raum ein Sonderprogramm aufgelegt. Es läuft bis 2024; bei einer Zusage würden sich die Kosten für Peiting halbieren. Das wären dann 100.000 Euro pro Jahr.

Mehrheit dafür

Die Gemeinderäte waren für die Einführung des Bürgermobils. Es gab zwei Gegenstimmen; sie kamen von Christian Lory und von Alex Zila (Unabhängige). Nach diesem Beschluss bewirbt sich der Markt Peiting für das Förderprogramm FIONA. Die Testphase erstreckt sich auf die Jahre 2022 und 2023.

Lory fand das Projekt „zu teuer“. Zudem könne es für örtliche Taxiunternehmen existenzgefährdend sein, zwischen 8 und 17 Uhr würden sie kaum noch ein Geschäft machen. Außerdem kritisierte er den „Hochglanzflyer“.

„Den hab ich aus meiner Privatschatulle bezahlt“, erwiderte Ostenrieder. Außerdem sagte er in Richtung Lory, dass er von Bürgern wisse, die bei Ärzten waren und ein Taxi gerufen hätten, das aber nicht gekommen wäre.

Zwei Wermutstropfen

Dr. Günter Franz (Grüne) lobte den „innovativen“ Ansatz. Zwei Wermutstropfen sehe er: eine gewisse Konkurrenz zu Taxis und dass Birkland wegen der Entfernung von zehn Kilometern „ein bisschen hinten runterfällt“. Marion Gillinger (ÖDP) meinte, dass bei dem attraktiven Angebot sich der eine oder andere ältere Bürger vielleicht überlege, das eigene Fahrzeug sogar abzumelden.

Franz Seidel (Bürgervereinigung) glaubte, dass so ein Bürgermobil ohne feste Linien und ohne feste Zeiten durchaus erfolgreich sein könne. Thomas Elste (Grüne) sah darin die Chance, den Individualverkehr zumindest ein stückweit zurückzufahren. Wichtig sei es, das Bürgermobil nicht nur mit Blick auf die ältere Generation einzuführen, sondern auch bei jüngeren Leuten zu bewerben.

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