»Win-Win-Situation« für Steingaden, Bernbeuren und Lechbruck

Drei ziehen an einem Abwasser-Strang

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Die „sehr in die Jahre gekommene“ Steingadener Kläranlage. Eine Sanierung im laufenden Betrieb ist nicht realisierbar, ein Neubau scheitert nicht zuletzt am fehlenden Platz.

Lechbruck/Bernbeuren/Steingaden – Bei einem Pressegespräch haben die Bürgermeister von Lechbruck, Bernbeuren und Steingaden eine neue, landkreis- und bezirksübergreifende Kooperation vorgestellt. Die Gemeinde Steingaden wird ihre kommunale Kläranlage aufgeben und tritt dem Abwasserzweckverband Lechbruck-Bernbeuren bei. Aus Sicht der drei Rathauschefs eine Win-win-Situation für alle.

Mit der nüchternen wie präzisen Aussage „unsere Kläranlage ist sehr in die Jahre gekommen“, kam Bürgermeister Xaver Wörle sofort auf den Punkt. Steingaden war seinerzeit eine der ersten ländlichen und vor allem kleinen Kommunen, die in den 1970er Jahren eine eigene Kläranlage bauten. Und um zu verdeutlichen, wie sehr in die Jahre gekommen die kleine Anlage mit einem Klärbecken und einem Schlamm-Vererdungsbecken mittlerweile ist, umriss Wörle die Alternativen: Neubau, Sanierung oder ein Partner. Wobei der Steingadener Bürgermeister angesichts des Sanierungsbedarfs gar nicht erst auf diese Variante einging, sondern nur die Optionen Neubau mit geschätzten Kosten von fünf Millionen Euro oder dem Zusammenschluss mit dem benachbarten Zweckverband Lechbruck-Bernbeuren ansprach.

Angesichts des Platzmangels auf dem Gemeindegebiet, den Kosten und auch dem eigentlich viel zu kleinen Vorfluter Neuhausbach sei man auf die Nachbarn im Westen zugegangen. Dort arbeiten die beiden Kommunen Lechbruck im Ostallgäu/Schwaben und das oberbayerische Bern­beuren bereits seit den 1990er Jahren beim Abwasser zusammen. Dieses wird nach Lechbruck geleitet und in der dortigen Anlage geklärt und aufbereitet. Anschließend wird das saubere Wasser in den Lech abgegeben.

Man habe an gleicher Stelle gesessen, erinnerte sich Xaver Wörle, bei seinem Lechbrucker Amtskollegen Helmut Angl, als er ihn auf die Idee einer Zusammenarbeit hin ansprach. Und damit offene Türen einrannte. „Das macht schon sehr viel Sinn“, so Angl. Man müsse dabei nämlich immer die Folgekosten im Auge haben. Ein Neubau sei schnell realisiert, dabei aber lasse man Kosten wie den Unterhalt, Strom und natürlich auch Personalkosten außer Acht. So aber „verteilen wir die Investitionen nicht nur auf zwei, sondern auf drei Schultern“, resümierte Angl. Der Zweckverband mit Bernbeuren habe sich bewährt, man sei all die Jahre immer einer Meinung gewesen, da sei die nun weitergehende „interkommunale Zusammenarbeit mit Steingaden eine tolle Sache“, sprach Angl auch für seine beiden Amtskollegen, neben Wörle auch Martin Hinterbrandner.

Vorausgegangen waren aber Wochen und Monate intensiver Arbeit. So hatte man zwei Ingenieurbüros mit den Planungen beauftragt. Einerseits um die nötigen Investitionen zu kennen, aber auch um die technische Umsetzung planen zu können. So soll die Pumpstation in Urspring, die bislang das Abwasser von dort nach Osten in Richtung Riesen zur Steingadener Kläranlage pumpt, künftig die Abwässer aus Steingaden über den Lech nach Lechbruck befördern. Dazu wird eine neue Leitung zur dortigen Kläranlage unterhalb des Sperrwerks Urspringer Lechstausee gelegt; neben einer Trasse unterhalb des Staudamms durch den Lech oder oberhalb durch den See sei auch die Variante im Damm zur Debatte gestanden. In Übereinkunft mit dem Kraftwerkbetreiber EON-Uniper werde man die Rohrleitung im Staudamm selbst verlegen, so Wörle. Die Kosten dieser Variante seien erheblich geringer. Inklusive der auf Steingadener Seite zu tätigenden Investitionen – dort muss ein neues Rückhaltebecken gebaut werden – und der Erweiterung des Nachklärbeckens in Lechbruck hat das Ingenieurbüro Kosten von etwa 3,2 bis eventuell 3,4 Millionen Euro ermittelt. Was auf den ersten Blick nach sehr viel klingt, müsse man aber langfristig sehen, so Wörle. Womit er bei den von Angl angesprochenen Folgekosten war, die für die drei Kommunen deutlich geringer ausfallen werden.

Neben der Zustimmung des Kraftwerkbetreibers für die Leitungstrasse haben die drei Bürgermeister auch die Unterstützung ihrer Gemeinderäte – „drei Mal einstimmig dafür“, so Angl – und der beiden beteiligten Wasserwirtschaftsämter in Weilheim und Kempten. Dort befürworte man die Zusammenarbeit, merkte Angl an. Dies nicht zuletzt auch wegen der ständig steigenden Anforderungen und Auflagen an die Betreiber einer Kläranlage. So soll nun etwa eine Phosphatrückgewinnung aus dem Klärschlamm festgeschrieben werden. Die nur dann sinnvoll erscheint, wenn entsprechende Mengen des Schlamms anfallen.

Auch beim Freistaat ist die bezirksübergreifende Zusammenarbeit – im Übrigen nicht die erste zwischen den drei Kommunen, hier sei an das Projekt Bürger helfen Bürgern am Lech erinnert – gern gesehen und es gibt 100.000 Euro, die, laut Angl, in die Rückstellungen fließen werden. Neben dem Rückhaltebecken in Steingaden und der Zuleitung nach Lechbruck muss dort ein neues Nachklärbecken gebaut werden, damit der Puffer – derzeit 30 Prozent – erhalten bleibt. Insgesamt wird die Anlage in Zukunft die Abwässer von gut 8.000 Haushalten und 340.000 Übernachtungsgästen behandeln. Um die Investitionen zu finanzieren, hat die Gemeinde Steingaden die Möglichkeit, den Abwasserpreis anzuheben oder Sonderumlagen zu erheben. Langfristig aber werde der Kubikmeterpreis sinken, waren sich die Bürgermeister sicher.

Nach dem derzeitigen Stand sollen die Planungen Ende 2019 abgeschlossen werden. Dann werde man über den Winter die Ausschreibungen machen und im kommenden Jahr mit den Arbeiten beginnen, sodass die gemeinsame Abwasserbehandlung und Entsorgung spätestens 2021 den Betrieb aufnehmen kann.

gau

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