Gäste fahren kostenlos

Steingaden will elektronische Gästekarte einführen

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Ilgen soll mittels eines Radweges an den Hauptort angebunden werden. Auch darum ging es in der Gemeinderatssitzung.

Steingaden – Das Angebot für Übernachtungsgäste in Steingaden könnte demnächst umfangreicher werden. In der Gemeinderatssitzung, in deren Verlauf sich das Gremium auch der Radwegverbindung nach Ilgen widmete, stellte die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Pfaffenwinkel, Susanne Lengger, die Erweiterung des Basisangebotes für die Gästekarte vor. Mit Einführung der elektronischen Variante wäre auch die kostenlosen Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs, also ausgewählter Busverbindungen von und nach Steingaden, möglich.

Es war nur eine erste Information für die Steingadener Gemeinderäte. In ihrer Präsentation, die Susanne Lengger so schon einmal in Rottenbuch vorgestellt hatte, geht es um die Einführung der elektronischen Gästekarte und damit im Zusammenhang der kostenlosen Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Voraussetzung für die Einführung ist der Gästepass in Papierform, der schon in Steingaden genutzt wird, machte Lengger klar. Diesen erhalten Gäste bei der Anreise vom Vermieter und können diverse Angebote nutzen; mit der elektronischen Form wird auch die Meldung an den Tourismusverband bzw. die Gemeinde über die Anreise erleichtert.

Schon jetzt gibt es die KönigsCard in Steingaden, mit der elektronischen Gästekarte wird diese dann zu einer All-inclusive Gästekarte, mit deren Hilfe man zahlreiche Leistungen vergünstigt oder kostenlos nutzen kann. Finanziert wird die Karte durch eine Umlage.

Mit der Gästekarte wird dann auch die kostenlose Nutzung des ÖPNV verbunden. Dadurch, so Lengger, werde das Angebot der Gästekarte attraktiver. „Das Auto bleibt stehen.“

Mit Hilfe der Gästekarte und des Angebotes lasse sich außerdem das Image der Gemeinde steigern. Gleichzeitig würde das ÖPNV-­Angebot, also die Strecken, durch Nutzung seitens der Gäste gesichert. Einen Nebeneffekt der elektronischen Gästekarte wollte Lengger in dem Zusammenhang nicht verhehlen, nämlich eine Verbesserung der Meldemoral der Gastgeber. Schließlich würden die Gäste die Karte und die damit verbundenen Mehrleistungen einfordern.

Langfristig, so Lengger, sei das Ziel eine gemeinsame elek­tronische Gästekarte für den Pfaffenwinkel. Eingeführt werden soll diese zunächst in Orten mit Kurbeitrag, denn die Angebote werden über diesen bzw. die Vermieter finanziert. Derzeit bestehe in Bernried, Bernbeuren, Rottenbuch und Steingaden Interesse an einer Einführung. Eine Erweiterung auf andere Gemeinden sei möglich, wenn die Finanzierung geklärt ist.

Man stehe derzeit in Verhandlungen mit den Betreibern der regionalen Verkehrsverbünde RVO, RVA, RBA sowie den Zugbetreibern der deutschen Bahn und der Bayerischen Regio­bahn. Seitens des Tourismusverbandes Pfaffenwinkel kümmere man sich um Organisation und Klärung der Rahmenbedingungen inklusive Abrechnung. Die Verträge sollen mit den einzelnen Gemeinden geschlossen werden.

Technisch gesehen werden Chipkarten mit einem einheitlichen Pfaffenwinkel-Design produziert, pro Bett werden zwei Karten benötigt, die die Gäste bei der Abreise zurückgeben müssen. Künftig werden die Meldescheindaten automatisch über die Schnittstelle im Hotel an die Meldescheinverwaltung des Ortes übermittelt. Der Gast kann die Leistungen bei Ermäßigungen durch Vorzeigen der Karte nutzen bzw. durch das Vorhalten der Karte im Bus zur Registrierung.

Kosten der Karte

Die Verhandlungen mit dem Regionalverkehr Oberbayern RVO und Allgäu-Schwaben RVA seien weitgehend abgeschlossen, so Lengger, ein einheitlicher Vertrag für alle Orte möglich. Die Option für die Nutzungen der Karten im gesamten Allgäu werde aktuell verhandelt. Die Kosten für den ÖPNV bezifferte die Geschäftsführerin auf 2,35 Euro netto im Gesamttarifgebiet des RVO, auf Linien im Allgäu auf 3,36 Euro brutto. So kann der Gast maximal drei Mal am Tag den Bus nutzen, die Verhandlungen mit Bahnen stehen noch aus.

In den Nachbarregionen (Ostallgäu) aber werden sechs Cent pro Gast und Tag pauschal berechnet, wobei sich das Problem im Pfaffenwinkel aus dem Nebeneinander von BRB und DB ergebe. Die Kosten für die Beschaffung der Chipkarten bezifferte Lengger mit 1,70 Euro pro Stück, dazu kommen Kosten für die Durchführung der Abrechnung durch einen externen Dienstleister.

Die Nutzung der Karte wird von den Busunternehmen registriert und monatlich oder quartalsweise übermittelt, die Kosten für die Nutzung der Karte (also die Gratisangebote) werden den Gemeinden jährlich in Rechnung gestellt. Aus Erfahrungswerten anderer Gemeinden wisse man, dass die Kosten für die ÖPNV-Nutzung bei rund 40 Cent pro Gast und Tag lägen.

Der Kurbeitrag

Finanziert werden soll das Angebot bzw. die Kosten für die Leistungen durch eine Anhebung des Kurbeitrages. Wenn die Kommunen zustimmen, könnte das Angebot zum 1. April 2020 eingeführt werden. Dazu müssen die Gemeinden dann aber ihre Kursbeitragssatzungen (wegen der elektronischen Meldung) und auch den Kurbeitrag selbst ändern bzw. anheben. Zur Zeit gelte es, noch offene technischen Fragen, etwa die Schnittstellen zu Hotelsoftware, zu klären.

Anliegerversammlung

Wie auch beim Thema Gästekarte ließen sich die Gemeinderäte über das Thema Radwegverbindung Steingaden-Ilgen informieren. Wie schon einmal berichtet, soll der Ortsteil mit einer Rad- und Fußwegverbindung an den Haupt­ort angebunden werden. Dazu hat das Straßenbauamt diverse Varianten erarbeitet, die nun im Bauausschuss unter die Lupe genommen wurden. Derzeit gibt es verschiedene Varianten, die im zentralen Bereich über einen schon vorhandenen Feldweg bzw. die Dorfstraße führen könnten. Im Oktober plant die Gemeinde einen Informationsabend mit den Grundstücksbesitzern und Anrainern.

gau

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