Landtagswahl 2018

Freie Wähler punkten im Schongauer Land

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Als Vertreter des ländlichen Raums haben sich die Freien Wähler um Hubert Aiwanger – hier bei einer Anti-Strabs-Demo im März in Schongau – positioniert. Auch im Altlandkreis brachte ihnen das beachtliche Stimmengewinne.

Landkreis – Bayern hat seinen Landtag gewählt. Die AfD ist dort künftig vertreten, große Gewinner sind aber die Grünen und die Freien Wähler. Letztere punkteten im Schongauer Land in besonderem Maße. Auch, weil sie mit der Gewichtung ihrer Themen den Nerv vieler Stimmberechtigter trafen.

Die Verluste der CSU und SPD sind auch in Schongau markant. Setzten 2013 noch 52,3 Prozent der Wähler aus der Lechstadt ihr Zweitstimmen-Kreuz bei der Union, waren es 2018 nur noch 35,9. Die SPD brach von 24,7 Prozent auf 9,8 ein. Große Gewinner sind die Grünen, die sich von 5,8 auf 14,8 Prozent der Zweitstimmen steigerten. Außerdem die Freien Wähler; sie legten von 4,0 auf 15,2 Prozent zu. Im Vergleich zum restlichen Landkreis (17,9) schnitten die Grünen allerdings etwas schlechter ab, während die Freien Wähler in der Schongauer Gunst besonders gut dastehen (14,0 Prozent im Landkreis).

Sie hatten in den vergangenen Monaten beispielsweise dem Thema Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) großes Gewicht eingeräumt und punkteten damit in der Lechstadt, die bayernweit durch die Montags-Demos als Anti-Strabs-Widerstandsnest von sich reden machte. Unter anderem war FW-Landesvorsitzender Hubert Aiwanger, dem im Falle erfolgreicher Koalitionsverhandlungen eine wichtige Regierungs-Rolle angedeihen könnte, mehrfach zu Gast.

Heftig straften die Peitinger die CSU ab. 31,9 Prozent der Erst- und 33,7 der Zweitstimmen sind im Vergleich mit den Gemeinden im restlichen Landkreis außerordentlich wenig. Ihr im Landkreis bestes Ergebnis (12,0/11,3) fuhr die SPD in Peiting ein; ein im Rückblick auf 2013 (20,6/23,7) dennoch niederschmetterndes Resultat. In ihrer Zustimmung gegenüber Freien Wählern (14,7/15,1) und Grünen (16,9/15,8) lagen die Wähler aus der Marktgemeinde nah am Landkreis-Votum.

Als Beleg für den Unmut auf dem Land, dass sich die Landespolitik zu sehr den Fragen der Ballungsräume widme, sieht Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner, selbst mit einem SPD-Parteibuch ausgestattet, die Ergebnisse der Landtagswahl. An seiner eigenen Gemeinde ließe sich das besonders gut ablesen. Gemessen an den Erststimmen vereinte CSU-Mann Harald Kühn im ganzen Landkreis nur in Weilheim noch weniger Kreuze auf dem Wahlzettel für sich, als in Bernbeuren (30,4). In puncto Zweitstimmen gab es für die Union gar nirgendwo im Landkreis weniger zu holen, als in der Auerberg-Gemeinde (32,0). 2013 waren es noch 57,0 Prozent gewesen. „Je ländlicher die Gemeinde, desto mehr fühlen sich die Bürger von CSU und SPD im Stich gelassen“, glaubt Hinterbrandner.

„Sie haben die Kommunen vergessen und unsere Bevölkerung nimmt das wahr.“ Für die Freien Wähler indes, die sich beim Thema Schnitzerstadel sehr engagiert zeigten, entwickelte sich Bernbeuren zur echten Hochburg (23,6 Prozent der Erst- und 23,0 Prozent der Zweitstimmen). Beispielsweise in Ingenried (23,2/20,6), Rottenbuch (19,1/20,1), Schwabbruck (19,4/20,4) und Wildsteig (22,5/30,4) schnitt die Partei, die Stimmkreis-Kandidatin Susann Enders ins Maximilianeum entsendet, ebenfalls derart gut ab. Auffällig ist, dass auch die Bayernpartei in Bernbeuren mit – für ihre Verhältnisse – recht hohen Zahlen aufwartet (7,9 und 6,5 Prozent). Für Hinterbrandner ein weiterer Fingerzeig des mitunter „gegängelten“ ländlichen Raumes für das Politikgebahren in München.„Das lässt sich in Bernbeuren nicht nur auf den Schnitzerstadel zurückführen, sondern reicht noch weiter, beispielsweise in die Bereiche Bau und Gewerbe.“

Inwiefern die Sitzverschiebungen im Landtag sich auf das Thema Schnitzerstadel auswirken, zeigt sich für Bernbeuren womöglich erstmals am 8. November. Für diesen Termin ist der Ortstermin des Wissenschaftsausschusses (der Kreisbote berichtete) angesetzt.

Übrigens: Neben Kühn und Enders schaffte ein weiterer Kandidat aus dem Stimmkreis den Sprung ins Maximilianeum: Andreas Krahl zieht dort als Abgeordneter der Grünen ein. 

ras

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