Streit um Denkmalschutz

Umfrage: Haindl-Häuser erhalten oder abreißen?

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Architektonisches Denkmal oder Schandfleck? Über die Haindl-Blöcke am Ortseingang von Schongau an der Peitinger Straße gehen die Meinungen auseinander.

Schongau – Als nicht erhaltenswert hat das Landesamt für Denkmalpflege vor kurzem die alten Haindl-Wohnblöcke an der Peitinger Straße eingestuft (der Kreisbote berichtete). Was den Eigentümer UPM freut, der das Gelände seit Jahren als mögliche Erweiterungsfläche für die Papierfabrik ins Auge gefasst hat, hält der Weilheimer Architekt Heiko Folkerts für einen „Skandal“. Er will sich für den Erhalt der Häuser einsetzen.

Es reicht das Stichwort Haindl-Häuser, um Heiko Folkerts in Fahrt zu bringen. Die Entscheidung des Landesamts für Denkmalpflege, dass die Wohnblöcke nicht schützenswert seien, sei „fachlich nicht nachvollziehbar“, wettert der Weilheimer Architekt. Er spricht von einem „Fehl-Urteil“, das seinesgleichen suche. Es sind drastische Worte, sie sprudeln nur so aus Folkerts heraus. Das Thema, man merkt es, es geht dem Architekten nahe. Doch wie kommt Folkerts zu der Ansicht, dass die alten, dreigeschossigen Mietshäuser unbedingt zu erhalten seien?

Bekannte Architekten

Der Weilheimer hat selbst Nachforschungen zur Geschichte der Bauten angestellt. Dabei habe er herausgefunden, dass es sich bei vier der fünf Gebäuden um wichtige Werke der weltberühmten Postbau-Schule, geschaffen von den bekannten Architekten der Münchner Moderne, Norkauer & Lechner, handle. Das Landesamt habe er auf seine Ergebnisse hingewiesen, sagt Folkerts. Seine Bitte, mit der Entscheidung zu warten, bis er die Stellungnahme von namhaften Fachleuten eingeholt habe, sei aber einfach ignoriert worden. „Ich kann die Eile nicht verstehen. Es sieht danach aus, als sollten hier schnellstmöglich Tatsachen geschaffen werden.“ Enttäuscht sei er auch von Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer, der zum gleichen Urteil wie das Landesamt gekommen war. „Seine Aufgabe wäre es gewesen, die architektonischen Denkmäler zu schützen.“

„Hier ist 50 Jahre nichts passiert“

Dass das Landesamt seine Entscheidung mit der „bescheidenen baulichen Qualität“, der „heterogenen Entstehung“ und den „starken baulichen Veränderungen“ begründet, ist für den Architekten zudem nicht nachvollziehbar. Zwar seien die Häuser sanierungsbedürftig, was aber weniger an der Bausubstanz, sondern an der gepflegten „Mangelverwaltung“ liege. „Hier ist 50 Jahre einfach nichts passiert.“ Mit ein paar hunderttausend Euro ließe sich bereits viel erreichen. Wie es geht, werde aktuell in München vorgemacht, wo am Mittleren Ring viele Wohnanlagen ähnlicher Bauweise wieder hergerichtet worden seien und sich bei Mietern hoher Beliebtheit erfreuen würden. Als weiteres Beispiel für eine gelungene Sanierung nennt Folkerts das aus der gleichen Zeit stammende Knorr-Gelände.

Der Architekt ist allerdings Fachmann genug, um zu wissen, dass das Landesamt für Denkmalpflege seine getroffene Entscheidung von sich aus wohl kaum revidieren wird. Gefragt sei hier die Politik, weiß Folkerts, der deshalb bereits an den örtlichen Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt geschrieben hat – allerdings in diesem Fall ohne Erfolg. Denn Dobrindt will sich nicht einschalten, verweist nur auf das Urteil des Landesamts.

Auch zu Thomas Goppel hat Folkerts zwischenzeitlich Kontakt aufgenommen. Der Ex-Staatsminister sitzt dem Landesdenkmalrat vor, der in wichtigen Fragen der Denkmalpflege mitwirkt. „Ich hoffe, dass Herr Goppel in diesem Fall aktiv wird.“ Eine Rückmeldung habe er noch nicht.

Und zu guter Letzt sieht der Weilheimer auch die örtlichen Politiker in der Pflicht, sich für eines aus architektonischer Sicht „schönsten Wohngebiete neben der Altstadt“ einzusetzen. „Der Stadtrat muss Stellung beziehen. Es kann nicht sein, dass alles der Firma geopfert wird.“ So sei es seiner Meinung nach durchaus vorstellbar, dass die Stadt die Wohnblöcke kaufe und herrichte. Günstiger Wohnraum werde schließlich überall gesucht. „Halbwegs hergerichtet, wären die Häuser sicher für jedes Klientel geeignet.“

Stimmen Sie ab!

In Internetforen und in den sozialen Netzwerken wird bereits angeregt über die Zukunft der Haindl-Häuser diskutiert. Die Meinungen reichen von „Schandfleck“ bis unbedingt erhaltenswert. Wir wollen es genau wissen und fragen deshalb unsere Leser: Sind Sie für oder gegen einen Erhalt der alten Gebäude? Stimmen Sie bis Dienstag den 21. März anonym ab!

Christoph Peters

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