Stühlerücken im Gemeinderat

Alfred Jocher und die Peitinger SPD gehen getrennte Wege

+
 Alfred Jocher (Mitte), jetzt als Fraktionsloser neben den grünen Gemeinderäten Thomas Brennauer (li.) und Thomas Elste.

Peiting – Schon im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am DIenstag hatte Alfred Jocher für Schlagzeilen gesorgt. Denn auf der Tagesordnung wurde sein Austritt aus der SPD-Fraktion angekündigt. Nun erteilte er dem Ansinnen der Ratskollegen, er solle weiterhin als Referent für das Badewesen agieren, eine klare Absage. Und auch die eine oder andere Äußerung des 65-Jährigen in der Sitzung ließ aufhorchen.

Es muss wohl im Nachgang zur vorvergangenen Gemeinderatssitzung passiert sein, als das Thema Ausbau der Bahnhofsstraße auf der Agenda stand. Jocher hatte seinerzeit, entgegen der Mehrheit seiner Fraktion, klar Stellung bezogen.

„Ich will mein Gesicht wahren“, hatte er angemerkt, als er bei der Abstimmung gegen den Ausbau votierte. Zuvor hatte er ausgeführt: „Ich krieg‘ a Problem mit der Straßenausbausatzung“. Man habe ja schon in nicht öffentlicher Sitzung die Planungen diskutiert und wenn nun Hinterlieger zahlen sollten, die eigentlich in einer anderen Straße wohnen, deren Tiefgaragenzufahrt aber von der Bahnhofstraße abgehe, könne er nicht zustimmen.

Dieser Sachverhalt sorgte jetzt dafür, dass das Protokoll der Sitzung moniert wurde und Jocher auf Nachfrage gegenüber der Verwaltung erklärte, er wolle nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, weshalb man die nun vorliegende Formulierung gefunden habe. Was genau aber an der Aussage von damals nicht gepasst hat, erfuhr das Publikum in der Sitzung nicht. Jochers Reaktion ließ aber erahnen, dass in der Causa Sprengstoff steckt.

Dass die Kluft zwischen ihm und der Fraktion aber noch tiefer liegen könnte, darauf deuteten Jochers Reaktionen im weiteren Verlauf hin. Seinem Austritt aus der SPD-Fraktion stimmten die Räte unisono zu, beim Tagesordnungspunkt Neubesetzung des Referenten für das Badewesen aber änderten die Fraktionen den Ablauf.

Sowohl SPD, CSU als auch Bürgervereinigung sprachen sich dafür aus, dass Jocher diesen Posten weiter ausüben sollte, was Bürgermeister Michael Asam zu der Bemerkung veranlasste, dass das nun überraschend käme und so nicht abgesprochen gewesen sei. Und versuchte nun ebenfalls, Jocher umzustimmen.

 „Wir respektieren dich als Gemeinderat, lieber Alfred. Es gibt keinen besseren wie dich“. Er bat den früheren Fraktionskollegen, diese Bitte doch als Signal des Gremiums zu werten und die Unstimmigkeiten bei Beschlüssen als temporäre Erscheinung ruhen zu lassen. „Das Geschwür ist eingetrocknet und beseitigt“, fügte Asam kryptisch hinzu, wobei noch Stichwörter wie Fraktionszwang, Meinungsbildung und Parteipolitik fielen.

„Ihr macht es mir schwer“, entgegnete Jocher, hielt aber daran fest, dass da ein Neuer hin müsse. „Das tut der Sache gut.“ Dann machte er doch noch ein Zugeständnis, kündigte an, den Posten weiterzuführen, „meinetwegen bis Jahresende oder bis Ende April. Bis einer gefunden ist“. Er wolle die Sache sauber zu Ende bringen, stehe aber definitiv nicht mehr in der nächsten Badesaison zur Verfügung.

Voraussetzung für den neuen Referenten müsse sein, dass er wirklich ins Bad gehe, forderte er. Aber er werde nicht derjenige sein, der den Nachfolger aussuche, beendete Jocher die Diskussion.

Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Erst 2020 barrierefrei
Erst 2020 barrierefrei
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Digitale Ergänzung kommt an
Digitale Ergänzung kommt an
Das Pizzakarton-Problem
Das Pizzakarton-Problem

Kommentare