100 Tage im Amt:

Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder: "Darauf schauen, was gut läuft"

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Zum Interview-Zeitpunkt rund 100 Tage im Amt: Peter Ostenrieder.

Peiting – Seit Anfang Mai haben einige Gemeinden in der Region ein neues Oberhaupt. Nach 100 Tagen im Bürgermeisteramt ziehen sie im Kreisboten eine erste Bilanz. Heute: Peter Ostenrieder aus Peiting.

Wie hat sich Corona auf ihre ersten 100 Tage im Bürgermeisteramt ausgewirkt?
Ostenrieder: „Da gab es drei Aspekte, die unmittelbar spürbar waren: Zum einen gab es wie in jedem anderen Betrieb intern etliche Regelungen und Maßnahmen zu beachten und einzuführen, dann trägt man als Bürgermeister bei etlichen Entscheidungen bezüglich Öffnungen, Regelungen oder auch Erleichterungen nach wie vor Verantwortung für bestimmte Abwägungen und Entscheidungen (Freibad, Sporthallen, Trauungen etc.), und dann noch eine Sache, die wirklich oft schwer fiel: wir haben – schon unter Vorgänger Michael Asam, nachdem durch den Lockdown dies auch viele Familien nicht mehr wollten – entschieden, bis voraussichtlich September 2020 keine persönlichen Gratulationen mehr durchzuführen. Meine Glückwünsche habe ich also in dieser Zeit immer schriftlich überbracht. Wenn es die Situation erlaubt, möchten ich gemeinsam mit meinem Stellverteter Gunnar Prielmeier, die persönlichen Gratulationen ab September wieder aufnehmen.“

Welche der Projekte, die Sie im Wahlkampf als vorrangig herausgestellt haben, haben Sie bereits in Angriff genommen?
Ostenrieder: „Diese Frage kann ich spontan beantworten. Ein großes Thema der vergangenen Jahre war die Entwicklung von Gewerbeflächen für unseren Ort. Dazu gehören einerseits der geplante Bau- und Gartenmarkt als Einzelhandelsmagnet im Süden Peitings, andererseits aber auch die Schaffung von neuem Gewerbeland für unsere ortsansässigen Handwerker und mittelständischen Betriebe. Unmittelbar nach Amtsantritt konnte ich hier an zwei Stellen Gewerbegrund sichern, einmal etwa 5.000 Quadratmeter und an anderer Stelle in unmittelbarem Anschluss an ein bestehendes Gewerbegebiet nochmal über 20.000 Quadratmeter. Wie notwendig dieser Schritt war, zeigt mir die aktuelle Bewerberliste für derartige Grundstücke. Unternehmen, die sich aktuell gut entwickeln und den breit aufgestellten Branchenmix in Peiting weiter sichern. In einigen Fällen würde dann an bisheriger Stelle wieder weiterer Gewerberaum oder -grund frei werden. Ein weiteres Thema, bei dem wir jetzt bereits dabei sind, ist die sogenannte ‚Gigabitrichtlinie‘ des Freistaats Bayern. Auch wenn es momentan etwas hakt, wollen wir doch auch weiterhin mit dem Markt Peiting immer vorne dabei bleiben, wenn es um den Breitband- und Glasfaserausbau im Ort und den Ortsteilen geht.“

Decken sich Ihre Erwartungen an das Bürgermeisteramt mit den bisher gewonnenen Erfahrungen?
Ostenrieder: „Aufgrund der langjährigen Tätigkeit als Marktgemeinderat und der immer engen Zusammenarbeit mit dem Amtsvorgänger war ich nur von ganz wenigen Dingen überrascht. Ein Punkt, den man z.B. als Gemeinderat so nie erlebt, ist, wie tief unsere Mitarbeiter im Rathaus tatsächlich fachlich in ihrer jeweiligen Materie stecken und mit welcher Expertise sie an Aufgaben rangehen. Das gibt ein gutes und vor allem sicheres Gefühl in der Leitung einer solchen Behörde. Der rüde Ton, der ab und an in öffentlichen Diskussionen angeschlagen wird, scheint mir in den letzten Monaten noch etwas zugenommen zu haben, aber damit kann ich umgehen, denke ich.“

Welche Themen stehen beim Blick in die nahe Zukunft ganz oben auf Ihrer To-do-Liste?
Ostenrieder: „Neben den Klassikern wie der Entwicklung weiterer Baugebiete (Gewerbe und Privat, Erstellung von Vergaberichtlinien für Gewerbe) stehen auch etliche Dinge auf meiner persönlichen To-Do-Liste, die ich demnächst in den Gemeinderat bringen möchte. Dazu gehört die Idee einer Tafel für Peiting ebenso wie die Einrichtung einer Sicherheitswacht (nicht zuletzt aufgrund steigenden Vandalismus im Ort), die Verbesserung der Wahrnehmbarkeit unserer 30er-Bereiche im Ort, z.B. durch weitere Markierungen, Einführung der Schulsozialarbeit an den Grundschulen ab September (als einer von sechs Orten in Oberbayern), das Thema Geschwindigkeitsmessung und -kontrolle zur Sicherheit unserer Bürger, Linderung der Pflasterfugen im Hauptplatzbereich (nachdem eine Neupflasterung noch dauern muss), Abwägung der Haushaltserstellung für den Nachtragshaushalt 2020, etliche gemeindliche Baumaßnahmen, über die der Kreisbote berichtete, deren Planungen auch sinnvoll und zielführend sein sollen, Einzelmaßnahmen im Bereich der Barrierefreiheit wie Gehsteigabsenkungen oder Beschilderungen... Und wenn Sie mich nach der To-Do-Liste für die fernere Zukunft fragen, hab ich auch einiges im Köcher.“

Viele Kommunen befürchten in Zukunft deutlich geringere Steuereinnahmen. Trifft das auch auf Ihre Gemeinde zu. Wenn ja, welche Konsequenzen werden Sie daraus ziehen?  
Ostenrieder: „Diese Furcht ist absolut begründet. Der gemeindliche Haushalt nährt sich ja z.B. aus Einnahmen von Gewerbesteuer oder auch Anteilen an der Einkommensteuer. Durch die Einkommensausfälle bei vielen unserer Bürger durch Kurzarbeit etc. wird sich dieser Anteil merklich verringern. Auch bei der Gewerbesteuer müssen wir uns auf Rückgänge einstellen, nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in den kommenden Jahren, solange unsere Unternehmen die Auswirkungen dieser schwierigen Zeit noch merken werden. Vorteil für uns in Peiting ist der schon angesprochene breite Branchenmix, heißt wir hängen nicht an einem spezifischen Unternehmen, sondern an sehr vielen mittelständischen Firmen, so dass ein Einbruch immer irgendwie verkraftbar sein muss. Unsere Aufgabe als Gemeinde ist es dann, einerseits die weitere Entwicklung des Ortes nicht zu stoppen und wirklich kons­truktiv in die Zukunft zu denken und zu entscheiden, und andererseits darauf zu achten, dass Investitionen wirklich sinnvoll, notwendig und hilfreich sind. Da habe ich aber beim Peitinger Gemeinderat keine Bedenken, der seit vielen Jahren sehr bedacht mit den gemeindlichen Zahlen umgeht.“

Unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem Ihres Vorgängers?
Ostenrieder: „Da ich ja bei meinem Vorgänger nicht selbst Mitarbeiter war, müssten Sie diese Frage eher meinen neuen Kollegen stellen. Grundsätzlich komme ich natürlich aus einer ganz anderen Berufskultur als mein Vorgänger. Ich habe 25 Jahre ein eigenes Unternehmen aufgebaut und geleitet, Höhen und Tiefen überwunden, und habe Entscheidungen im Prinzip zumeist alleine getroffen. Ich gehe bestimmt an manches mit einem unternehmerischen Denken heran, lege viel Wert auf Fakten, und verfolge dann eine klare Linie. Ehrlich gesagt habe ich auch über Führungsstil nicht mit meinem Vorgänger gesprochen, sondern leite das Rathaus so, wie ich es für richtig halte, denn dann bin ich doch am authentischsten, oder?!? Ein Punkt vielleicht: es könnte sein, dass ich in den Sozialen Meiden etwas mehr unterwegs bin als mein Vorgänger, aber das erfordert auch immensen Zeit- und Arbeitsaufwand. Wer weiß, ob man das auf Dauer so durchhalten kann…“

Was möchten Sie ihrer Bürgerschaft besonders ans Herz legen?
Ostenrieder: „Schauen Sie auch darauf, was in Peiting gut läuft. Angesichts von Diskussionen in zum Teil völlig überzogener Schärfe in den vergangenen Monaten sollten wir auch darauf achten, wie wir miteinander im Alltag umgehen. Es kann keine Entscheidungen geben, die allen zu hundert Prozent passen. Gesellschaft und Gemeinschaft bedeutet auch, jeder muss auch mal zurückstecken oder muss auch mal einen Kompromiss akzeptieren. Es ist nicht richtig, die erst vor wenigen Monaten gewählten Gemeinderäte als unfähig oder verschworen hinzustellen, indem jegliche Entscheidung angezweifelt wird. Das ist eine Frage des Vertrauens. Allen Gemeinderäten und auch mir als Bürgermeister wurde bei der Kommunalwahl Vertrauen mehrheitlich ausgesprochen. Man muss aber die Chance auch erhalten, dieses Vertrauen leben zu können. Alle Gemeinderäte, egal welcher Orientierung, meinen es gut für unseren Ort und müssen für den ganzen Ort entscheiden, nicht für eine bestimmte Straße oder ein persönliches Anliegen. Glück Auf, Peiting!“

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