Herzogsägmühle legt Bilanz vor

Die Talsohle durchschritten

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Herzogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr zog Bilanz und präsentierte den neuen Jahresbericht der Einrichtung.

Herzogsägmühle – Es hat schon eine gewisse Tradition, dass Herogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr zu Beginn des Jahres die Presse zum Gespräch bittet. Diesmal hatte er vor allem Erfreuliches zu berichten.

Nach dem wirtschaftlich schwierigen Jahr 2011 könne Herzogsägmühle für 2012 eine „fast schwarze Null“ vorweisen. „Das ist ein tolles Ergebnis“, fand Knorr, zumal dazu keine Arbeitsplätze abgebaut werden mussten. „Das einzige, was nach außen hin als Verlust erscheint, ist, dass wir unsere Eisdiele in Peiting aufgeben mussten.“ 

Leicht sei das jedoch nicht gewesen, denn die Verhandlungen mit den Kostenträgern gestalten sich zunehmend schwieriger, erklärte der Direktor. „Sie wollen die Ist-Kosten sehen und nur noch das gewähren, was auch benötigt wurde.“ Dadurch bleibe allerdings keine Möglichkeit mehr, mit einem in einem Teilbereich erwirtschafteten Überschuss den Verlust in anderen Bereichen auszugleichen, stellte Knorr fest. Von Rücklagen für künftige Investitionen ganz zu schweigen. 

Neue Projekte stehen derweil schon in diesem Jahr an. Das aus dem Jahr 1894 stammende Haus Obland soll bis spätestens 2014 einen neuen Anbau erhalten, um das zweite Obergeschoss nicht mehr für die Unterbringung der Suchtkranken nutzen zu müssen. Von dort sei die Rettung im Falle eines Brandes nämlich nur schwierig möglich, erläuterte Knorr. Seit dem verhängnisvollen Brand einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt, bei der im vergangenen Jahr 14 Menschen ums Leben kamen, sei man beim Thema Brandschutz deutlich sensibler. 1,7 Millionen Euro kostet der Umbau, Geld, dass Herzogsägmühle aus eigenen Mitteln aufbringen muss. 

Anders sieht es beim Linderhof aus. Dessen 1,4 Millionen Euro teurer Neubau fördert die Regierung von Oberbayern komplett – ein Glücksfall für das Diakoniedorf. „Wir müssen nur das Grundstück stellen“, sagte Knorr. Das Projekt ist ein Modellversuch. Im Linderhof soll später ambulante, stationäre Behandlung und Pflege bis Pflegestufe 2 in einem Zimmer möglich sein. „Bisher müssen Patienten dafür jedes Mal in eine andere Einrichtung umziehen“, erklärte der Direktor die Vorteile. 

 Die Bauprojekte sind freilich nicht das einzige Thema, mit dem sich Knorr und seine Mitarbeiter in diesem Jahr beschäftigen. Vor allem die Inklusion und die damit verbundenen Folgen für das Diakoniedorf bergen spannende Herausforderungen, sagte Knorr. „Was wird aus Herzogsägmühle, wenn Inklusion funktioniert? Stehen dann die Häuser hier leer?“ Viele Fragen gelte es da noch zu klären. Einige Antworten erhofft sich der Direktor von den Bürgermeistern der Region, die er am 25. April zu einer Teilhabe-Konferenz eingeladen hat. „Da geht es uns vornehmlich darum, herauszufinden, wie weit die Kommunen bei dem Thema sind.“ Dass auch Herzogsägmühle sich anpassen muss, weiß Knorr. „Wir wollen mehr Normalität in unserem Dorf, denn das bedeutet mehr Gleichgewicht.“ Aus diesem Grund sei man mit der Gemeinde Peiting weiter in Gesprächen über Baurecht für normale Bürger und habe im letzten Jahr einen eigenen Dorfverein gegründet. „Früher haben wir vor allem als Unternehmen gedacht, jetzt steht das Dorf an erster Stelle.“ 

Als Arbeitgeber spielt die Diakonie natürlich dennoch weiter eine wichtige Rolle. Im Herbst wolle man sich erneut für das Gütesiegel „familienfreundlicher Arbeitgeber“ bewerben, kündigte der Direktor an, das man bereits seit drei Jahren inne hat. Mehr Heimarbeitsplätze, mehr Frauen in Führungspositionen habe man sich daher zum Ziel genommen. Denn auch Knorr weiß: „Gerade in sozialen Berufen, wo es an Fachkräften mangelt, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Kriterium für die Arbeitsplatzwahl.“ chpe

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