1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Schongau

Neue kommunale Energielieferverträge für Altenstadt und Hohenfurch

Erstellt:

Von: Manfred Ellenberger

Kommentare

Steckdose Strom
Luxusgut aus der Steckdose. Die Energiepreise sind so hoch wie nie zuvor. © Symbolfoto: Panthermedia/carfedeph

Hohenfurch/Altenstadt – Bei den Gemeinden Hohenfurch und Altenstadt laufen die kommunalen Energielieferverträge zum Jahresende aus, man muss sich umschauen. Ihn habe es „aus den Socken gehauen“, bekannte Altenstadts Bürgermeister Andreas Kögl. 

Bei der Sitzung am Dienstag nach den Ferien informierte Bürgermeister Guntram Vogelsgesang Hohenfurchs Gemeinderat, dass das Energieversorgungsunternehmen LEW, mit dem die Gemeinde einen Liefervertrag bis Jahresende hat, einen einjährigen Verlängerungsvertrag angeboten hat. Dieser, der der Gemeinde zwei Tage später vorliegen sollte und zu dem bis übermorgen, Freitag, eine Entscheidung erwartet wurde, traf erst am vergangenen Montag ein. Dabei handelte es sich aber nicht um ein Angebot für nur ein, sondern für zwei Jahre.

Gemeinderat Josef Schmidbauer räumte bei der Sitzung zwar ein, dass die LEW immer ein guter Verhandlungspartner gewesen sei, befand aber: „Was die jetzt mit uns machen, das ist schlicht und ergreifend unfair“. Seinem Vorschlag einer weiteren Sitzung nach Vorliegen des Angebots folgte das Gremium nicht. Nach ausführlicher Erörterung entsprach es dem Rat des Bürgermeisters und verständigte sich wegen des fehlenden Preisangebots, über eine Ersatzlösung zu befinden. Vogelsgesang rief in Erinnerung, dass bisher die LEW „die Ausschreibung immer gewonnen hat“ und dass er unter Berücksichtigung der gewaltigen Preissteigerungen bei der Energieversorgung davon ausgehe „dass es ein einigermaßen vernünftiger Preis ist“. Deswegen schlug er vor, das Angebot anzunehmen. Eine neue Ausschreibung würde hohe Angebotspreise mit sich bringen. Das Gremium vereinbarte, als Preisobergrenze eine Steigerung von bis maximal 70 Prozent ohne nochmalige Zusammenziehung zu akzeptieren.

Ortswechsel: Eine Woche nach der Sitzung in Hohenfurch tagte der Altenstadter Gemeinderat. Thema: Ein neuer kommunaler Energieliefervertrag ab Januar 2023, denn auch hier läuft am Jahresende der aktuelle Vertrag mit LEW aus. Und auch sonst sind die Konditionen in Altenstadt nahezu gleich mit denen in Hohenfurch und anderen Gemeinden. Maßgeblicher Unterschied war nur, dass das tags zuvor eingegangene Angebot bereits zur Sitzung vorlag. „Wir haben Glück, dass wir heute Sitzung haben“, stellte Bürgermeister Andreas Kögl fest. Obwohl ihn das Angebot „aus den Socken gehauen“ habe, plädierte auch er für einen neuerlichen Abschluss für die Jahre 2023 und 2024 mit LEW.

In dem Angebot wird bei den Preisen unterschieden zwischen Kleinanlagen – Standard-Lastprofilkunden (SLP) und Straßenbeleuchtungsanlagen. Für Erstere werden bislang 4,88 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh) berechnet. Ab 1. Januar liegt das Angebot bei 26,20 Ct/kWh. Bei der Straßenbeleuchtung beträgt der Preis derzeit 4,40 Ct/kWh, im Angebot sind es 25,90 Ct/kWh. Alle aufgeführten Preise sind reine Energiepreise ohne weiteren Abgaben und Steuern. Damit liegt der reine Energiepreisaufschlag bei dem neuen Angebot bei 536 sowie 588 Prozent. Bei den Bruttosummen (mit Steuern, Abgaben, Netznutzung und Mehrwertsteuer) ergibt dies Beträge von 44,71 Ct/kWh beziehungsweise 44,35 Ct/kWh.

Der neue Preis liegt damit rechnerisch ‚nur‘ noch bis zu etwa 236 Prozent über dem jetzigen. Allerdings verdeutlicht eine Bündelausschreibung, wie sie vom Bayerischen Gemeindetag vorgenommen wurde, dass diese noch deutlich höhere Preise zur Folge haben kann. Unter all diesen Aspekten stimmte der Altenstadter Gemeinderat einstimmig für eine Annahme des vorliegenden Angebots.

Zurück nach Hohenfurch: Der bei der dortigen Sitzung gefasste Beschluss, dass Guntram Vogelsgesang bis zur maximalen Obergrenze des aktuellen Preises plus 70 Prozent den neuen Vertrag mit den LEW ohne weitere Beschlussfassung abschließen kann, hatte sich spätestens nach Eintreffen des Angebots als realitätsfremd erwiesen. Aber die Zeit drängt. Daher hatte Vogelsgesang den Gemeinderäten sofort nach der Vorlage des Angebots geschrieben: „Die Ausschreibung über die Dienstleistungsfirma des Bayerischen Gemeindetages hat einen Preis von 0,66 Euro/kWh für 2023 ergeben. Hierbei fehlt bisher die Information, um welchen Preis es sich handelt. Aber selbst, wenn es der Gesamtpreis ist, liegt dieser trotz viel größerer Ausschreibungsmengen um die Hälfte höher als der von den LEW angebotene Preis. Auch der Preis der Ausschreibung für 2024 liegt mit 0,49 Euro/kWh über dem uns angebotenen Preis. Ich rate also dringend, dass ich diesen Vertrag unterzeichnen darf. Eine Ausschreibung unter derzeitigen Bedingungen wird in jedem Fall deutlich höhere Preise bringen und das LEW-Angebot ist dann nicht mehr verfügbar.“ Hernach wurde bekannt, dass die genannten Preise der Ausschreibung Bruttopreise mit allen Abgaben und Steuern sind.

Zur Vorabstimmung treffen sich Hohenfurchs Räte am heutigen Donnerstag, also einen Tag vor der von LEW vorgegebenen Frist, sodass Vogelsgesang im Falle der Zustimmung den Vertrag noch fristgerecht übermitteln kann. In der Oktobersitzung soll dann die nachträgliche Beschlussfassung folgen.

Auch interessant

Kommentare