Theaterstadl feiert gelungene Premiere

Vorstadt-Miniaturen: Geschichten aus der Kleinstadt

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Im Rampenlicht: Carolin Kronmüller (Nackerte am See), Jakob Hauser als Badegast und Tobias Kalbitzer als schließlich genervter Bürgermeister.

Schongau – Die Vorstadt-Miniaturen von Herbert Rosendorfer hat der Theaterstadl Schongau am vergangenenen Wochenende erstmalig auf die Bühne gebracht. Bei den gut 150 Besucher, die die Premiere am Samstagabend im Ballenhaus, verfolgten, kam die unterhaltsame Darbietung der Theatertruppe gut an.

In einer Miniatur hat auch eine Badenixe ihren Auftritt auf der Bühne im Ballenhaus. Carolin Kronmüller gibt die Nackerte „am See“. Der Bürgermeister (gespielt vom Vize-Rathauschef Tobias Kalbitzer), hält mit dem Fernglas Ausschau nach ihr; er sorgt sich um die propagierte öffentliche Ordnung in einer Kleinstadt. Oder hat er bei diesem Anblick doch einen Wohlgefallen? Diese Episode endet wie alle anderen ohne konkreten Abschluss. Der Zuschauer soll sich dann selber seine Gedanken machen. 

Kalbitzer wechselt für dieses Stück von der politischen Bühne kurzzeitig auf die Theaterbühne. Eine zentrale Rolle fällt bei der Nackerten am See dem jungen Mann zu, der – anfangs im Klappstuhl dösend – vom Bürgermeister geweckt wird und unverhofft in das Thema hineingezogen wird. 

Der junge Jakob Hauser gibt nicht nur im gemusterten Hemd und in Bermuda-Shorts eine gute Figur ab, sondern erst recht dabei, wie er die Rolle ausfüllt. 

In einer anderen Vorstadt-Miniatur steht Peter Echter, der erstmals als Spielleiter fungiert, zusammen mit Birgit Guldner auf der Bühne. Beide sind Routiniers des Schongauer Theaterstadls; beide verkörpern „An der Haustür“ – so heißt das Stück – textsicher einen gutmütigen Bewohner und eine Vertreterin. 

Dabei bleibt es nicht bei dem anfänglichen Ansinnen, eine Seife zu verkaufen. Der Mann empfindet Mitleid, vertieft sich in ein Gespräch mit der Vertreterin. Manch Persönliches kommt so ans Tageslicht. Bleibt die Frage offen, wer da wem was abkauft. 

Im kurzen Einakter „Fort mit der Isolationsfolter“ spielen Florian und Franziska Stögbauer zwei gar nicht so anarchistische Typen, die ihre Gedanken der Mitwelt bekunden wollen und ein Graffito an die Wand malen. Je mehr sie sich in den Dialog vertiefen, desto kompli-zierter werden ihre Einfälle. 

„Im Park“ heißt die gar nachdenklich stimmende Miniatur, in der Florian Schilcher einen Vater darstellt, der mit seinem fünfjährigen Buben (Collin Siebert) einen letzten gemeinsamen Tag verbringen möchte, ehe er vom Jugendamt und per Gerichtserlass vom Sohn getrennt wird. Beide übernachten auf einer Parkbank, wo sie von einem Polizisten aufgegriffen werden. Der Ordnungshüter (stark in der Gestik: Daniel Löscher) zeigt Verständnis für Vater und Sohn. 

Wie ein Rahmen wirkt an diesem Theaterabend das Stück „In der Reinigung“. Viermal stehen Peter Mahl (Vorstand des Theaterstadls und Darsteller des Wäschereibesitzers), dessen Bruder Rudolf Mahl (als stets vertrösteter Mann, der seine Lieblingsanzug in der Reinigung abgegeben hat und nicht mehr zurück bekommt) und Barbara Rosenstetter (als Mitarbeiterin Fräulein Kaluscha) auf der Bühne. 

Jedes Mal wird Herr Eisenschuh mit fadenscheinigen Argumenten abgespeist, bis sein Geduldsfaden reißt: „Saftladen“, ich werde wahnsinnig“, „Sie hören von meinem Anwalt“. 

Viel mehr als eine Nebenrolle hat bei den Theaterabenden das Ensemble „Saitensprung“ mit heiterer und zugleich anspruchsvoller Musik zu. Eine stimmige Unterhaltung, während Julius Echter als Inspizient im Halbdunkel der Bühne die Umbauten vornimmt. 

Überhaupt ist die offene Bühne ohne Vorhang durchaus ein belebendes Element; auch dass Souffleuse Astrid Häußrer rechts oder links im Saal offen auf einem Stuhl ihren Platz hat, macht Theater in vielen Facetten erlebbar. 

Einzig die Machart der Miniaturen – von denen es aus der Feder Herbert Rosendorfers, dem Autor der „Hexe von Schongau“ noch viel mehr gibt, ist in punkto Besetzung immer nach dem gleichen Strickmuster. Es wäre eine Abwechslung, wenn hin und wieder nicht nur zwei oder drei, sondern vier oder fünf Leute auf der Bühne agieren.

Die Vorstadt-Miniaturen werden zu Pfingsten dreimal gespielt. Termine sind am Freitag, 22., Samstag, 23., und Sonntag, 24. Mai, um 20 Uhr im Ballenhaus. Eintritt für Erwachsene 14 Euro und für Kinder 8 Euro inklusive Erfrischung und Pausen-Snack. Karten bei Elektro Müller, Schongau, Telefon 08861/4124. 

Johannes Jais

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