Bürgermeisterwahl in Schongau

Angriffslustiger Außenseiter

+
Das Team von „Karl-Heinz Rumgedisse“ (v. l.): Peter Cseri, Tobias Kalbitzer, Anja Riefler, Manfred Bergbauer.

Schongau – Die Stadtratswahl nächstes Jahr ist um eine weitere Facette reicher. Unter dem Namen „Karl-Heinz Rumgedisse“ schickt eine kleine Wählergruppe den 27-jährigen Tobias Kalbitzer ins Rennen ums Bürgermeisteramt. Ihr Wahlslogan: „Schongau bleibt Karl-Heinz.“

In seiner neuen Rolle als Bürgermeisterkandidat war es Kalbitzers erster öffentlicher Auftritt, als er vergangenen Montag hinter das Rednerpult trat. Klar, sei er ein bisschen nervös, bestätigte der junge Mann mit den langen Rastalocken zuvor. Es ist diese Ehrlichkeit, die den unkonventionellen und politisch unerfahren Kalbitzer so sympathisch macht. All dies sei natürlich „Neuland“ für ihn, räumte Kalbitzer ein. 

Allein die Formularien, die eingehalten werden müssen um ihn als Bürgermeisterkandidaten zuzulassen, stellten für ihn und sein Wahlkampfteam eine enorme Herausforderung dar. Seine Mitstreiter hat Kalbitzer aus seinem Freundeskreis rekrutiert, eine Schüssel von Ikea diente als Wahlurne. Ein „historischer Moment“ sei dieser Abend, schmunzelte eine Schongauerin aus dem Publikum, und jeder, der für die Rolle eines Underdogs Sympathien übrig hatte, lachte mit Kalbitzer als dieser mit seiner Idee von „Kalle im Rathaus“ kokettierte.

 Kalbitzer ist sich seiner Außenseiterrolle durchaus bewusst und genau hier liegt der Charme seiner Kandidatur. Das Ganze habe sich aus einer „Schnappsidee“ heraus entwickelt, gab Kalbitzer offen zu. Doch daraus sei nun Ernst geworden. Als Störenfried im Stile eines Politikclowns à la Beppe Grillo sieht Kalbitzer sich übrigens nicht. Statt auf Politikverdrossenheit zu setzen, möchte er das allgemeine Interesse an der lokalen Politik fördern. In seiner Rolle als Bürgermeister sähe Kalbitzer sich weniger als Chef, der an ein Parteibuch gebunden ist, denn als überparteilichen Moderator und Schiedsrichter. Dieses Bild ist wiederum sehr passend, hatten sich die etablierten Parteien bei ihren Wahlkampfvorstellungen doch unlängst im übertragenen Sinn mit Fußballmannschaften verglichen.

Außerdem möchte sich Kalbitzer ganz bewusst von den bekannten Parteien abgrenzen, indem er sich von deren klassischen Wahlkampfphrasen distanziert. Das sei doch lediglich Stimmenfang, entgegnete er angriffslustig. Vielmehr gelte es, sich alle Sachverhalte unbefangen anzuschauen, wenn es soweit ist, dann die einzelnen Punkte zu diskutieren und Positionen individuell auszuhandeln. 

Nichtsdestotrotz hat sich Kalbitzer ein paar Themen auf die Fahne geschrieben: Schongaus kulturelle Landschaft findet er ausbaufähig, die Möglichkeiten würden hier bisher nicht wirklich genutzt. Das Jugendzentrum sei beispielsweise so eine Baustelle. Außerdem positionierte sich Kalbitzer kritisch gegenüber wirtschaftlichen Interessen. „Schongau soll keine Spielwiese für Supermarktketten werden wie anderswo“, sagt er. Dies heiße nicht, dass hiesigen Unternehmen Steine in den Weg gelegt würden, doch die Wirtschaft dürfe nicht vorgeben, wie die Stadt zu handeln habe. Schongau sei bereit für einen wie ihn, fand Kalbitzer.

Auf die Frage, wer nächstes Jahr Bürgermeister wird, konterte er schlagfertig: „Definitiv hat Schongau nächstes Jahr einen neuen Rathauschef.“ Die größte Überraschung wäre sicherlich, wenn dieser wieder den Vornamen des alten tragen würde.

Moritz Fink

Auch interessant

Meistgelesen

Das Pizzakarton-Problem
Das Pizzakarton-Problem
Das Wichtigste ist ein Stuhl
Das Wichtigste ist ein Stuhl
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"
Neuer Förderverein unterstützt Krankenhäuser im Landkreis
Neuer Förderverein unterstützt Krankenhäuser im Landkreis

Kommentare