Tobias Kalbitzer ist umgezogen

Schongaus 2. Bürgermeister wohnt jetzt in Altenstadt

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Mitten in Altenstadt steht das Haus, wo Schongaus Vize-Bürgermeister Kalbitzer seit kurzem in einer WG den Erstwohnsitz gemeldet hat.

Schongau/Altenstadt – Ein Schongauer Bürgermeister, der in Altenstadt wohnt: Das ist seit kurzem Realität. Denn Rathaus-Vize Tobias Kalbitzer ist in die Nachbargemeinde gezogen. Dort hat er sich in einer Wohngemeinschaft mit drei weiteren jungen Männern gut eingelebt. Die Wohnanlage befindet sich an der Schongauer Straße zwischen Maibaum und Rathaus. „Wir leben die interkommunale Zusammenarbeit vor – mit zwei Peitingern und zwei Schongauern in einer WG mitten in Altenstadt“, kommentiert der Vize-Bürgermeister der Lechstadt seinen Wohnortwechsel.

S Rein rechtlich ist der Schritt vollkommen in Ordnung. Denn vor der Kommunalwahl im März 2014 gab es eine Vereinfachung. Der frühere Passus vom Schwerpunkt der Lebensbeziehung in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde ist herausgenommen worden aus dem Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz. Darauf verweist Alfred Soyer vom Landratsamt Weilheim-Schongau. 

Seitdem reicht eine Wohnung nach Melderecht aus, ergänzt der Beamte von der Kommunalaufsicht. Bei Tobias Kalbitzer (28) ist es der Zweitwohnsitz, den er in Schongau an der Augsburger Straße hat, wo seine Freundin in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung zu Hause ist. 

Bei ihr ist der 28-Jährige nahezu täglich zu Besuch, bleibt auch öfters über Nacht. Die dienstliche Post wird dorthin zugestellt, geht Kalbitzer ins Detail. Die private Adresse ist die WG in Altenstadt. 

 Warum Tobias Kalbitzer umgezogen ist? In Schongau-West wohnte er zuletzt an der Kiem-Pauli-Straße. Dort ist ein Mischgebiet. Die WG befand sich in dem Areal mitten unter einigen Betrieben. Der Lärm habe zugenommen – vor allem seit ein Hausmeisterservice sich dort niedergelassen hat, schildert Kalbitzer. Dies möchte er aber keinesfalls kritisieren, weil in einem Mischgebiet solche Emissionen erlaubt seien. 

Tobias Kalbitzer

800 Meter weiter westlich habe sich in Altenstadt in einer neuen Anlage eine geeignete räumliche Alternative angeboten für die WG, die von drei auf vier Bewohner angewachsen sei. Er habe immer schon in einer WG gewohnt. „Mir hat das getaugt“, ergänzt Kalbitzer. Entscheidend sei doch, dass er sich als Schongauer fühle, dass er täglich den kurzen Weg in die Stadt fahre, wo er arbeite und seinen Hobbys wie auch Ehrenämtern nachgehe.

 „Mir war es wichtig, das Mandat zu behalten“, fährt der Vize-Bürgermeister fort, der bei den Kommunalwahlen im März 2014 mit mehr als 5600 Stimmen in den Stadtrat gewählt wurde – mit so vielen Stimmen, wie noch nie einer aus diesem Gremium erzielt hat. Den Umzug hat Kalbitzer auch mit Bürgermeister Falk Sluyterman, dem geschäftsleitendem Beamten Bernd Liebermann und Martin Keßler vom Ordnungsamt abgeklärt. 

Rechtlich sei der Schritt mit dem Erstwohnsitz in Ordnung, konstatiert der Rathaus-Chef von Schongau. Die „moralische Bewertung“ bleibe jedem selbst überlassen. Damit meint er, wie Wähler und Kollegen im Stadtrat den Schritt aufnehmen. Er könne damit gut leben, wenn Kalbitzer den Erstwohnsitz im benachbarten Altenstadt habe. Anders sei dies, wenn er diesen weiter weg hätte, etwa in Denklingen.

Was Sluyterman zu dem Thema ergänzt, ist freilich eine Erfahrung, die sein Amtsvorgänger Karl-Heinz Gerbl gemacht habe. Diesem sei über Jahre hinweg des Öfteren vorgehalten worden, dass er nicht in Schongau wohne, sondern seinen Erstwohnsitz in Hohenfurch behalten habe, obwohl dies rechtlich in Ordnung war. Das hätte seiner Einschätzung nach bei einigen Leuten Kritik hervorgerufen, blickt Sluyterman zurück. Aber bei einem hauptamtlichen 1. Bürgermeister sei dies wohl was anderes als bei einem ehrenamtlichen Stellvertreter. 

„Wir können Tobias Kalbitzer nur herzlich willkommen heißen“, bekundet Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck. Beide hatten sich – der Zufall wollte es so – im Altenstadter Rathaus getroffen, als der Vizebürgermeister der Lechstadt ins Einwohnermeldeamt kam. Kalbitzer habe auch Verwandtschaft in Altenstadt und Freunde wie etwa Ludwig Filser, der zurzeit in Schongau wohne, aber wohl wieder in die Schönachgemeinde zurückkehre. Wie jeder Neubürger hat Tobias Kalbitzer im Einwohnermeldeamt eine Broschüre über die Gemeinde und eine Freikarte für das Altenstadter Freibad bekommen.

Johannes Jais

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