Sensibler Zeitplan

Sperrung der B 472 bei Hohenbrand zieht sich hin

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Geduld bleibt gefragt: Bei Verbreiterungsarbeiten nahe Hohenbrand wurde Torf gefunden, der auszutauschen ist.

Hohenpeißenberg – Weil bei Verbreiterungsarbeiten überraschend Torf gefunden worden ist, bleibt die B 472 bei Hohenbrand wohl zwei Wochen länger gesperrt als geplant. Als allzu schwerwiegend erachtet das Staatliche Bauamt Weilheim das aber nicht. Mit deutlich mehr Spannung dürften die Mitarbeiter dagegen das Wetter der kommenden Wochen verfolgen. Denn das beeinflusst maßgeblich, wie lange sich ein deutlich kritischeres Dauerthema – die Einlagerung belasteten Erdreichs bei Los 8 – noch hinzieht. Und noch ein weiterer wichtiger Arbeitsschritt hängt davon ab, wie sich die äußeren Bedingungen entwickeln.

Wann endlich rollt der Verkehr über die Hohenpeißenberger Ortsumfahrung? Als vergleichsweise unproblematischer Abschnitt galt vorab der Anschluss der bestehenden Bundesstraße an die neue Trasse. Seit dem vierten Aprilwochenende laufen dafür die Arbeiten zwischen Hohenbrand und der zukünftigen Anschlussstelle Hohenpeißenberg West. Die B 472 ist seitdem voll gesperrt, der Verkehr auf die parallellaufende Gemeindestraße umgeleitet.

Das Wetter hatte den ursprünglich für den 18. April anberaumten Start schon um wenige Tage verschoben, doch eine weitere unliebsame Überraschung wiegt schwerer: „Wir haben im Verbreiterungsbereich Torf entdeckt“, schildert Andreas Lenker, Abteilungsleiter für den Landkreis beim Staatlichen Bauamt in Weilheim. Dieser sei zu weich um einen tauglichen Untergrund abzugeben. Ein Austausch des Materials sei damit unvermeidbar.

Dauerbrenner Deponie

Ursprünglich sollte die Teil-Maßnahme zwischen Hohenbrand und Hohenpeißenberg bis Anfang der Sommerferien abgeschlossen sein, nun rechnet Lenker mit einer zweiwöchigen „minimalen“ Verzögerung. „Die Baufirma arbeitet mit Hochdruck.“ Überhaupt sei diese Stelle für die Gesamtplanung des Großprojekts Ortsumfahrung eher weniger kritisch. Als weitaus sensibler erachtet der Abteilungsleiter hingegen den Baufortschritt am sogenannten Los 8 südlich des ehemaligen Bergwerksgeländes. Denn mit dem Deponieverbau steht und fällt der gesamte Zeitplan, er sei „hauptausschlaggebend“ für den Fortgang der Arbeiten.

Rund 65 000 Kubikmeter mit Sulfat belastetes Erdreich, das durch den Bergbau verganger Tage an die Oberfläche befördert worden ist, gilt es fachgerecht einzulagern. Nach oben und unten muss das Material mit dicken Planen isoliert, dazwischen anfallendes Wasser künftig abgepumpt werden.

Der Haken: Die Arbeiten sind stark witterungsabhängig. „Wir wollten eigentlich schon vor Weihnachten fertig sein“, hatte Amtsleiter Michael Kordon schon im Winter festgestellt. Doch weil die notwendigen Bedingungen – trockener Boden, Luftfeuchte unter 80 Prozent und Temperatur über acht Grad – zu selten gegeben waren, verschob sich der Ablauf beträchtlich. Zur Erinnerung: Bei Baubeginn im Jahr 2009 hatte noch Zuversicht geherrscht, die komplette Ortsumfahrung 2013 eröffnen zu können.

„Wir lagern das Material gerade unter großem Maschinen­einsatz ein“, beschreibt Lenker den Status Quo. Die Untergrundabdeckung sei halb fertig, die Deckelabdeckung fehle aber noch komplett. Auch angesichts dessen sagt der Abteilungsleiter: „Einen Fertigstellungstermin zu benennen, wäre gerade reine Kaffeesatzleserei.“

Anspruchsvoller Asphalt

Dazu kommt: Mit Abschluss der Einlagerung des sulfatbelasteten Materials endet keineswegs der letzte Arbeitsschritt, der vom Wetter abhängt. Weil der zu verwendende Straßenbelag, lärmarmer Asphalt ist, hat Petrus auch weiterhin seine Finger im Spiel. „Die Schicht ist nur eineinhalb bis zwei Zentimeter dick“, erklärt Lenker.

„Normalen Asphalt könnten wir jederzeit auftragen. Beim lärmarmen wird es erfahrungsgemäß ab Ende September eng. Das könnte uns zeitlich noch weh tun.“ Heißt im Klartext, dass neben der Einlagerung des Erdreichs am Los 8 auch das anschließende Auftragen des Asphalts abhängig von kaum zu kalkulierenden äußeren Einflüssen ist. Ergeben sich im Lauf des Sommers zu wenige Tage, an denen die Arbeiten fortschreiten, würden Herbst und Winter einen vorzeitigen vorübergehenden Schlussstrich unter die Arbeiten in diesem Jahr ziehen.

Eine Schlussfolgerung, die Lenker nicht bestätigen will. Doch klar ist: Spielt das Wetter nicht mit, dürfte der Zeitplan wackeln. Sehr zum Unmut der Hohenpeißenberger SPD: „Kostensteigerungen und Terminverschiebungen sind in größeren Vorhaben oft unausweichlich“, poltert die Ortsvereinsvorsitzende Martina Scales. „Aber sich einer Terminplanung ganz zu entziehen“, damit meint sie den Verweis des Bauamts auf die Unplanbarkeit des Wetters, „ist mehr als ungewöhnlich“ und nicht mit dem Haushaltsrecht des Bundes vereinbar. Die Sozialdemokraten wollen Innenminister Joachim Herrmann einschalten, heißt es in einer Pressemitteilung. 

ras

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