Ostenrieder: »Großer Schritt«

Trotz Bedenken: Peitinger Baumarkt-Planung bleibt

Zeißlerweg in Peiting, geplanter Baumarkt
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Heuer ein letztes Mal Maisacker: die Wiese im Süden Peitings, wo der große Baumarkt 2021 errichtet werden soll.

Peiting – Knapp zwei Stunden lang befassten sich die Gemeinderäte mit den 21 Stellungnahmen, die zum geplanten Baumarkt in Peiting eingegangen und in der Mehrzahl kritisch ausgefallen sind. Doch in den meisten Fällen hieß es in den einzelnen Abstimmungen: „Die Stellungnahme wird zur Kenntnis genommen.“ Eine Änderung der Planung erfolge deswegen nicht.

Mit 18 zu sechs Stimmen fassten die Räte schließlich den Beschluss, dass sowohl die Änderung des Flächennutzungsplans als auch des Bebauungsplans gebilligt werden. Damit habe das Gremium „einen großen Schritt weiter in Richtung Peitinger Baumarkt getan“, resümierte Bürgermeister Peter Ostenrieder in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats.

Die Einwendungen bzw. Anregungen, Informationen und Empfehlungen zu dem im der Bevölkerung und im Gemeinderat gleichermaßen umstrittenen Projekt füllen 44 DIN A4-Seiten. Sie sind online unter www.peiting.de in aller Ausführlichkeit nachzulesen. Zu finden ist der Eintrag auf der Startseite unter dem Stichwort „Vollzug der Baugesetze – Zeißlerweg III“ .

Schriftlich Position bezogen zu dem geplanten großen Baumarkt im Süden Peitings haben mehrere Fachgebiete des Landratsamtes Weilheim-Schongau (Bauleitplanung, fachlicher Naturschutz, technischer Umweltschutz, Wasserrecht), das Wasserwirtschaftsamt Weilheim, das Landwirtschaftsamt, die Stadt Schongau und die Gemeinden Steingaden, Rottenbuch, Böbing und Hohenpeißenberg, aber auch die Handwerkskammer München, die Industrie- und Handelskammer, die Bergerechtverwaltung des Freistaats (früherer Kohleabbau in Peiting), die Ortsverbände der Grünen sowie der ÖDP und der Hagebaumarkt. Zudem gab es vier Bürgereinwände.

Die Auswirkungen

Am ausführlichsten war die Stellungnahme der Stadt Schongau. Darin heißt es, dass der 5.400 Quadratmeter große Baumarkt zusammen mit dem 2.400 Quadratmeter großen Gartenmarkt negative Auswirkungen auf die Einzelhandelsstruktur in Peiting und Schongau habe; das betreffe vor allem die Altstadt in Schongau, zumal auch Sortimente vorgesehen seien, wie sie für Geschäfte im Ortskern vorgesehen sind. Auch widerspreche das Vorhaben dem Interkommunalen Entwicklungskonzept für Schongau, Peiting und Altenstadt.

Dazu heißt es in der mit 16 zu sechs Stimmen beschlossenen Abwägung aus Peitinger Sicht, die Grundidee hinter dem Ansiedlungswunsch des Baumarkts der Herimo GmbH ( Tochter des V-Markts mit Sitz in Mauerstetten) basiere „im Verlust sämtlicher Baumarktkapazitäten im Markt Peiting“. Das 2,8 Hek­tar große Grundstück sei schon seit längerer Zeit als Fläche für einen großen Gewerbeinteressenten vorgesehen. Auch mit Blick auf den Onlinehandel als künftig größtem Wettbewerber der örtlichen Geschäfte seien die Bestrebungen zu sehen, „mit diesem Einzelhandelsprojekt einen wahrnehmbaren Magneten für das Mittelzentrum zu schaffen“.

Die Stimmen

Herbert Salzmann (SPD) gab zu bedenken, dass Schongau in den letzten Jahren viele Flächen verbraucht habe. Außerdem sei mit dem Gewerbegebiet Schongau-West, wofür im Übrigen auch das Grundstück einer Peitinger Erbengemeinschaft angekauft worden war, Kaufkraft von der Innenstadt nach draußen gezogen worden. Hätte die Stadt Schongau jetzt ein entsprechendes Gelände gehabt, dann würde der Baumarkt dort errichtet, ergänzte Salzmann.

Dr. Günter Franz (Grüne) bekundete, man dürfe den Fehler von Schongau mit dem Kaufkraftabzug an den Ortstrand in Peiting nicht wiederholen. Bürgermeister Ostenrieder antwortete darauf: „Wir ziehen keinen raus“, der Baumarkt kommt neu. Der Rathauschef sprach im Zusammenhang mit dem V-Baumarkt vom „Magneten“ für Peiting, der neue Kunden bringe – und zwar auch für andere Geschäfte am Ort.

Beim Abwägen der Stellungnahmen, was teilweise mit kon­troversen Kommentaren zwischen Befürwortern und Gegnern verbunden war, sollte eigentlich Architekt Dietmar Hörner aus Schongau die Änderung des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes Zeißlerweg III erklären. Doch er hat sich für die Sitzung wegen Erkrankung entschuldigt.

Das Verkehrsgutachten

Marktbaumeister Fabian Kreitl nannte Zahlen aus dem Verkehrsgutachten eines Büros aus Planegg. Der Baumarkt rechne mit 900 zahlenden Kunden am Tag; 200 Autofahrer würden die Waschstraße nutzen. So sei mit gut 2.000 zusätzlichen Kfz-Bewegungen zu rechnen. Die Leistungsfähigkeit an der Einmündung von der Ammergauer Straße zum Zeißlerweg sei gegeben, ohne dass eine Ampel installiert werde.

Laut einer Zählung, die das Verkehrstechnikbüro an einem Werktag im November 2019 vorgenommen hatte, waren auf der Ammergauer Straße 3.025 Fahrzeuge ortseinwärts und fast genauso viele ortsauswärts unterwegs. Standort war an der Einmündung des Zeißlerweges.

Kreitl schilderte außerdem, dass durch Verlegung der Büros ins Obergeschoss die versiegelte Fläche auf dem Gelände minimal reduziert werden könne. Nun würden anstatt 85 Prozent noch 83 Prozent des Grundstücks überbaut für die Verkaufsräume, die Waschstraße und für die 200 Pkw-Stellplätze. Als ökologische Ausgleichsfläche müssten 4.700 Quadratmeter auf einem Grünstreifen an der Umgehungsstraße nachgewiesen werden; außerdem würde ein Areal bei den Schlammweihern als Ausgleichsfläche dazu genommen.

Johannes Jais

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