DKMS-Termin in Böbing

Ein Dorf steht zusammen

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Die Brüder Luis (19) und Philipp Neuner (25) aus Seehausen ließen sich erst typisieren, dann übernahmen sie für vier Stunden die Zwischenkontrolle.

Böbing – Das Resultat ist beeindruckend, macht schier sprachlos. Exakt 638 Menschen haben sich am vergangenen Sonntag in der Böbinger Turnhalle typisieren lassen, um einen geeigneten Stammzellen-Spender für den an Leukämie erkrankten Alois Köpf (53) zu finden. „Dieses Ergebnis liegt weit über den Erwartungen und zeugt von einem großen Zusammenhalt der Gemeinschaft“, sagt Aktionsleiter Andreas Bausch von der Deutschen Knochenmark Spenderdatei.

Es ist kurz nach 9 Uhr an diesem nebligen Sonntagvormittag. In der Turnhalle der Gemeinde herrscht reges Treiben. Tische werden in Position geschoben, Transportkisten in die Halle getragen. Fast 50 Helfer haben sich für diese Aktion gemeldet und packen kräftig mit an. In Nullkommanix sind die notwendigen Stationen für die Typisierung aufgebaut. Einweisung, Registrierung und Speichelprobe an einem Tisch, dieses pärchenweise. Danach an der nächsten Station Zwischenkontrolle der Daten und Abgabe der Speichelprobe. Einen Tisch weiter dann die Endkontrolle, wo auch eine Geldspende abgegeben werden kann. Dort wird auch der vorläufige Spenderausweis ausgestellt. Nicht zu vergessen die „süßen Mädels“ im Obergeschoss, die jede Menge Kuchen, Muffins und andere leckere Teilchen von fleißigen Hausfrauen entgegennehmen, um nach der Aktion die Spender etwas zu verwöhnen. Es greift Zahn in Zahn, eine Dorfgemeinschaft, wie sie eindrucksvoller nicht sein kann.

Bürgermeister Peter Erhard ist sichtlich stolz auf seine Gemeinde. „Wenn wir im Dorf nicht mehr zusammen helfen, was dann?“, stellt er in den Raum. Nach Aussage des Bürgermeisters, der mit seiner Frau Michaela schon über 20 Jahre typisiert ist, läuft die Aktion „wahnsinnig gut ab.“ Und Erhard weiter: „Alle Helfer arbeiten Hand in Hand.“ Dann noch ein kurzes „des wird gmacht und guad“, und weg ist er, um die ankommenden Spender zu begrüßen.

Ohne Worte

Es gibt Momente und Stationen im Leben, da fehlen einem einfach die Worte. An so einer Station ist Claudia Köpf an diesem Morgen angekommen. Die Ehefrau des Erkrankten steht in der Nähe des Eingangs, um den ankommenden Spendern einen freien Platz zur Registrierung zuzuweisen. Ruhig, besonnen, ohne viel Worte. Was mag in dieser Frau wohl vorgehen, die mit ihrer Familie den Kampf gegen die Krankheit aufgenommen hat? Ihr Gesichtsausdruck wechselt von einem dankbaren Lächeln bis zu glänzend feuchten Augen. Vier Stunden lang wird sie mit ihrer Familie und den vielen Freunden in der Halle die Spender betreuen, die sprichwörtlich aus allen Himmelsrichtungen nach Böbing gekommen sind.

Wie zum Beispiel die Familie Eggersdorfer aus Hohenpeißenberg. Als aktiver Feuerwehrmann wird bei Vater Markus das Ehrenamt groß geschrieben. Deshalb war es für ihn auch selbstverständlich, hier für den guten Zweck zu erscheinen. Und das in doppelter weiblicher Begleitung. Ehefrau Manuela und Tochter Sarah schlossen sich der Aktion sofort an. Darüber hinaus kennen sie die Schwester von Alois Köpf. Also Ehrensache, hier dabei zu sein!

Aus Forst kommen Franz Eckert und Partnerin Barbara nach Böbing. Barbara darf, Franz fällt durch das Raster. Er hat die Altersgrenze für Spender überschritten. Hier wird ganz genau geprüft, dass die Voraussetzungen eingehalten werden. Der Weg war trotzdem nicht umsonst. Während Barbara die drei Wattestäbchen nacheinander im Mundraum kreisen lässt, steckt Franz einen Obolus in die Spendenbox. Das Ergebnis am Ende des Tages: Genau 7.457,80 Euro werden von den Teilnehmern zusätzlich gespendet. Unvorstellbar.

Einer fällt richtig auf. Kleidermäßig. Sauber rausgeputzt in Tracht mit kurzer Lederhose und Gamsbart am Hut nimmt Michael Probst am Tisch zur Datenerfassung Platz. Am Tisch daneben Sabine, auch eine Probst. Es ist seine Schwester. Sie sind auf dem Weg zur Geburtstagsfeier ihres Vaters Karl, der seinen Sechzigsten feiert. Doch vor der Kür kommt die Pflicht. Das Spiel mit den Wattestäbchen.

Das kann auch eine Sportlerin, die mit auffallenden Outdoor-Klamotten da sitzt. Daneben steht ein voll gepackter Rucksack. „Ich bin bloß ganz schnell über d‘Schnalz von Peiting hierher gekommen“, sagt sie. Nach der Typisierung will sie erst auf Tour gehen.

Lustig geht‘s derweil in der Warteschlange zu. Obwohl über 20 Doppeltische aufgebaut sind, ist der Andrang so groß, dass sich eben diese Schlange bildet. Die lustigen Jungs sind schnell entpuppt. Sie haben am Vorabend bei einem Watt-Turnier teilgenommen. Und dieser Abend ist am Sonntagmittag noch nicht zu Ende.

Zwei junge Burschen wecken Interesse. Der besondere Hand- und Armschmuck fällt ins Auge: Federvogeltattoo. Also wird nachgefragt. Es sind zwei Brüder aus Seehausen, die mit der Familie gut bekannt sind. Luis und Philipp Neuner haben am Tisch von Sarah Köpf (Tochter von ­Alois) und Natalie Probst (Nichte von Alois) Platz genommen. Erst geben die beiden Jungs ihre Proben ab, dann übernehmen sie selbst für den Rest des Tages eine Station der Registrierung. Was will man da noch sagen? Da sind Worte überflüssig. Wenn man dann noch den Händedruck als Zeichen des Dankes von Alois‘ Ehefrau Claudia zum Abschied bekommt, braucht man auch keine Worte mehr.

hh

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