Armin Eder übernimmt Realschul-Leitung in Schongau

"Der Schulfriede ist mir wichtig"

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Kehrt an seine alte Wirkungsstätte in Schongau zurück: Armin Eder.

Schongau/Steingaden – Auch ein Direktor muss dazu lernen – das gilt nicht nur für Schüler. Diese Erfahrung macht Armin Eder aus Steingaden, der in den vergangenen zwei Jahren die Realschule in Geretsried geleitet hat und dort wegen Vorfällen im Religionsunterricht auch öffentlich heftige Kritik einstecken musste. Im Sommer gibt es einen Einschnitt, wenn er als Direktor an die Realschule Schongau wechselt und im Ringtausch der bisherige Chef Christian Zingler die Stelle in Geretsried übernimmt. Der Kreisbote sprach mit dem Steingadener über die Zeit in Geretsried, missverstandene Bibelzitate und seine Rückkehr in die Lechstadt.

Herr Eder, wo werden Sie in der Schongauer Realschule überall Kreuze aufhängen? 

Eder: „Nirgendwo. Denn es hängen in allen Klassenzimmern Kreuze. So weiß ich es zumindest aus meiner Schongauer Zeit, wo ich von August 2010 bis Februar 2013 ja schon Konrektor war.“ 

Mussten Sie, was das „missionarische Wirken als Diakon“ betrifft, gegenüber dem Kultus-ministerium eigentlich Besserung geloben? 

Eder: „Nein. Ich habe als Diakon nicht missionarisch an der Realschule in Geretsried gewirkt. Das ist mir nur unterstellt worden.“ 

Von wem denn?

Eder: „Einige Schüler haben sich nach dem Vorfall in der Religionsstunde an die lokale Presse gewandt. Die Aussagen der Schüler sind von der Presse so interpretiert worden, dass ich missionarisch tätig sei.“ 

Mit Vorfall meinen Sie konkret? 

Eder: „Damit meine ich das Zitat aus dem Psalm 53, dass „wer nicht an Gott glaubt, ein Tor ist. Auf gut Deutsch dumm ist. Damit hab‘ ich im Religionsunterricht in einer zehnten Klasse den Sänger Reinhard Fendrich zitiert – und nicht den Bischof Laun, wie es ebenfalls in der Presse geheißen hat. In der gleichen Stunde hab‘ ich aber auch gesagt, dass ich damit niemand persönlich beleidigen möchte. Genauso wie es Reinhard Fendrich verstanden wissen wollte.“ 

Sie sagen, dass Sie sich vor der Klasse und vor den Eltern entschuldigt haben. Wie denn? 

Eder: „In der Klasse hab ich mich in einer eigens anberaumten Stunde dafür entschuldigt. Und klar gesagt, es war ein Fehler, dieses Zitat so auszulegen, wie ich es gemacht habe. In Zukunft werde ich diesen Psalm so deuten: Es ist vernünftig, an Gott zu glauben. Auch bei den Eltern hab ich mich – ganz konkret bei den Klassenelternsprechern – entschuldigt.“ 

Gehen Sie aufgrund dessen mit einer Hypothek in die neue Aufgabe in Schongau? 

Eder: „Das weiß ich nicht, wie das in Schongau gesehen wird.“ Werden Sie auf die Geretsrieder Vorfälle am neuen Wirkungsort als Schulleiter nochmals eingehen? Eder: „Wenn Bedarf besteht, ja. Ich werde und möchte mich vor Nachfragen nicht drücken.“ 

Gibt es für Direktoren nach kritischen Vorfällen die Möglichkeit, sich coachen zu lassen?

Eder: „Ja, und zwar nicht nur in bestimmten Situationen, sondern generell. Ich kann Ihnen so viel sagen, dass ich die Möglichkeit dazu wahrnehmen werde. Das ist mir auch angeraten worden.“ 

Was sagen Sie zu dem Ringtausch mit dem bisherigen Schongauer Direktor Zingler, der nach Geretsried geht und für den Sie an den Lech wechseln? 

Eder: „Ich hab gern eingewilligt. Und ich bin erleichtert. Dazu möchte ich aber klar machen, dass ich nicht auf der Flucht aus Geretsried bin. Ein wesentlicher Aspekt ist nämlich die Nähe Schongaus zu meinem Wohnort Steingaden. Die weite Wegstrecke nach Geretsried und zurück hat mich auf die Dauer schon belastet.“ 

Aber warum dorthin, wo Sie schon Konrektor waren? Wären Sie nicht lieber an eine Schule gewechselt, wo Sie ganz und gar einen Neuanfang machen können? 

Eder: „Schongau ist plötzlich frei geworden, nachdem mein Kollege Christian Zingler seine Absicht erklärt hat, nach Geretsried zu gehen. Der Neuanfang an einer anderen Schule war eigentlich kein Thema für mich. Ich wäre auch in Geretsried geblieben. Der Konflikt wäre lösbar gewesen.“ 

Was werden Sie als Direktor der Schongauer Realschule anders machen als bisher in Geretsried? Werden Sie noch Unterricht in Religion geben? 

Eder: „Selbstverständlich. Ich unterrichte Englisch, katholische Religion, und ich hab‘ die Lehrberechtigung für Sport, Informatik und Sozialwesen. Der Schulfriede ist mir ganz wichtig. Ich werde alles dafür tun, damit er nicht gestört wird. Für den Religionsunterricht bedeutet das für mich, mit bestimmten Bibelzitaten vorsichtig umzugehen.“

Sie stehen unter genauer Beobachtung. 

Eder: „Das ist mir schon klar. Aber damit weiß ich umzugehen. Auch ich bin lernfähig."

Würden Sie sagen, dass Sie ein polarisierender Charakter sind? 

Eder: „Ich bin ziemlich direkt. Rumeiern liegt mir nicht. Das gilt für die Schule. Da steht für mich der Erziehungsauftrag durch die Eltern an erster Stelle. Das gilt aber auch für den Glauben. Und zwar nicht erst, seit ich 2013 zum Diakon geweiht worden bin, sondern schon immer.“ 

Was hat Sie denn zum Glauben geführt?

Eder: „Es war eine Zeltmission. Damals war ich 19 Jahre. Beeindruckt hat mich damals eine Frau, die geschildert hat, was Glaube alles bewirken kann. Das war ein richtiger Impuls für mich. Danach habe ich mich für Theologie immatrikuliert.“ 

Schulleiter und Diakon: Wie können Sie das auseinanderhalten? 

Eder: „Als Diakon bin ich in der Pfarreiengemeinschaft Steingaden im Einsatz, indem ich zum Beispiel die Krankenkommunion spende, mich im Freundeskreis Asyl engagiere oder Gottesdienste mit der Gemeinde feiere. Als Schulleiter muss ich für alle Religionen da sein. Auch für junge Leute ohne Glauben.

Sie haben als Direktor dazu gelernt? 

Eder: „Mit Sicherheit. Das heißt aber nicht, dass ich mein christliches Menschenbild in der Frühe an der Schulgarderobe ablege und nachmittags wieder mit nach Hause nehme.“

Interview: Joahnnes Jais

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