Bescherung für Leseratten

Neue Bücherzelle auf dem Marienplatz

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Enthüllung durch Beatrice Amberg (rechts) von Schongau belebt und Werner Berchtold (Mitte), Kommandant der Schongauer Feuerwehr. Links das Bläsertrio „Die drei Einigen“.

Schongau – Es war das letzte zu öffnende Türchen des „Lebendigen Adventskalenders“ von Schongau belebt: In ein weißes Tuch gehüllt und mit rotgoldener Schleife stand die große Heiligabend-Überraschung auf dem Marienplatz da. Bei weihnachtlicher Bläsermusik wurde eine neue Bücherzelle ihrer Bestimmung übergeben.

Zweieinhalb Jahre lang war ihre Vorgängerin nach ihrer Eröffnung im November 2014 als Miniaturbibliothek in Betrieb gewesen. Tag und Nacht, Sommer wie Winter, 24 Stunden rund um die Uhr. Wem der Lesestoff zuhause ausging, der konnte sicher hier ganz schnell kostenlos bedienen. Und wer seine eigenen Schmöker schon in- und auswendig kannte, konnte sie dort anderen Leseratten zur Verfügung stellen. Die Idee von Schongau belebt wurde zum großen Erfolg.

Dementsprechend tief saß der Schock am Morgen des 17. Aprils dieses Jahres. Ein Unbekannter hatte die beliebte Mini-Bibliothek in Brand gesteckt. Die Bücher waren verbrannt, die Zelle durch die Hitze des Feuers deformiert. Selbst die Fachleute der Schongauer Feuerwehr, die sich bereit erklärt hatten, die Zelle wieder instand zu setzen, konnten diese nicht mehr retten. Endstation Schrottplatz.

Doch einfach aufgeben – nein. Viel zu sehr ist die kleine Stube geistiger Nahrung den Schongauern ans Herz gewachsen. Sie gehört mittlerweile zur Altstadt. Beatrice Amberg, Motor von Schongau belebt und Werner Berchtold, Kommandant der Feuerwehr, setzen alle Hebel in Bewegung, Ersatz zu beschaffen. Es gelingt. Durch die Unterstützung der Bürgerstiftung Schongau kann das Projekt schließlich verwirklicht werden. Holzregale einbauen, Licht installieren, Zitate aufkleben, die Arbeit flutscht.

Pünktlich zum Weihnachtsfest ist die Bescherung perfekt. Nach dem Gottesdienst lüftet Amberg das Geheimnis unter dem Tuch. Sie löst die Schleife, die um die neuen Zelle gebunden ist, Berchtold zieht die Stoffumhüllung weg. Das Bläsertrio „Die drei Einigen“ umrahmt musikalisch.

„Es soll ein Geben und Nehmen sein“, sagt Bürgermeister Falk Sluyterman, der selbst einen dicken Schmöker mitgebracht hat: Die Säulen der Erde von Ken Follett. Die Säulen des christlichen Glaubens stellt Pfarrer Norbert Marxer ins Regal: eine Bibel. Marxer ruft auf, die Gelegenheit zu guter Literatur zu nutzen. Da ist er sich mit dem großen russischen Schriftsteller Leo Tolstoi einig, der mit einem Zitat auf der neuen Bücherzelle verewigt ist: „Beim Lesen lässt sich vortrefflich denken.“

Hans-Helmut Herold

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