Vom Ortskern hinaus an den -rand

Das Peitinger Marienheim bekommt einen Neubau an der Bühlachstraße

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Entwurf Nummer 3 setzte sich durch: Beinahe wie ein verschnörkeltes „P“ zeigt sich der Grundriss des Gebäudes. Ein „beschützender Garten“ liegt im Inneren, ein geschützter Bereich gibt Ausblick nach draußen.

Peiting – Die Weichen zur Umsiedelung der Einrichtung Marienheim an den Peitinger Ortsrand wurden in nichtöffentlicher Sitzung im Juni dieses Jahres bereits gestellt, darin eine Grundsatzentscheidung mit deutlichem Ergebnis von 20:3 Stimmen gefällt. Nun sollte in der jüngsten Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag eigentlich nur über die Form des Baukörpers abgestimmt werden, um die Bauleitplanung voranzubringen. Diskutiert wurde dennoch ausgiebig – denn trotz Beschluss hätte manches Ratsmitglied das Marienheim lieber weiterhin im Ortszentrum.

Über den Zeitraum eines Jahres seien alle Möglichkeiten pro Standorterhalt getestet worden, sagte Bürgermeister Michael Asam zu Beginn, doch leider ohne Erfolg. Um alle Auflagen im Rahmen des neuen Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes erfüllen zu können, müsste das Marienheim eigentlich abgerissen und wieder neu aufgebaut werden. Doch wohin dann zur Überbrückung mit den Bewohnern? Zudem dränge die Zeit; werde nicht gehandelt, werde eine Unterbringung von psychisch erkrankten Menschen von der Heimaufsicht nur noch bis August 2022 bewilligt. Spätestens dann wäre das Marienheim als Einrichtung Geschichte.

Mit der positiven Grundsatz­entscheidung hat der Marktgemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung im Juni dieses Jahres nun grünes Licht für eine Umsiedelung der etablierten Einrichtung gegeben. Unter der Bauherrschaft der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die auch als zukünftige Trägerin fungiert, wird ein neues Heim an der Bühlachstraße errichtet, ein geeignetes Grundstück, noch im Besitz der Marktgemeinde, dazu an die AWO veräußert. Es handele sich dabei um das ehemalige Friedhofserweiterungsgelände, das aufgrund rückläufiger Erdbestattungswünsche auch zukünftig nicht benötigt werde, erklärte Asam.

Keine Notlösung

Einen Verbleib des Marienheims inmitten der Gemeinde – so sollte sich im Anschluss zeigen – hätten wohl alle Räte favorisiert. Nicht nur Herwig Skalitza (CSU) bekannte sich zu Einrichtung und Träger, mit beiden sei man ja in Peiting über viele Jahrzehnte groß geworden. Zwar halte er es für das beste Pflegekonzept, das Marienheim im Ort zu halten. „Aber diese Wünsche sind halt nicht umsetzbar“, sagte er, dennoch sei die nun gefundene Lösung keinesfalls eine Notlösung. Zeitgleich gab Skalitza zu bedenken, dass beizeiten auch an die Zukunft des Peitinger AWO-Seniorenwohnheims gedacht werden müsse. Auch dort werde sich einmal das gleiche Szenario ob der Zweckmäßigkeit des Gebäudes ergeben. „Wir dürfen es nicht aus dem Ort verschwinden und es im Falle eines Neubaus als ‚Ruine’ stehen lassen“, meinte er. Er könne sich einen möglichen AWO-Seniorenheim-Neubau dann auf dem Grundstück des ehemaligen Marienheimes vorstellen.

Dass es mit dem Neubau eine Alternative und damit überhaupt erst eine Weiterführung des Marienheims gebe, davon zeigte sich auch Herbert Salzmann (SPD) erfreut. „Es wird wieder erstellt, das ist das Wichtigste“, sagte er. Einen vorsichtigen Vorstoß in Richtung Standortverbleib, dann eventuell mit Containerzwischenlösung für die Bewohner, machte Thomas Elste (Grüne). Er wünsche sich den Vorrang eines therapeutischen Nutzens vor einem finanziellen, schließlich plane man für die nächsten 40 bis 50 Jahre. „Da wäre ein Verbleib im Ort sinnvoller, nicht an der Ortsrandlage“, sagte er.

Eindeutig für den Erhalt des Marienheims an altbewährter Stelle sprach sich Alfred Jocher (fraktionslos) aus, eine Diskussion über die Machbarkeit eines Umbaus des historischen Gebäudes sehe er als noch nicht abgeschlossen an.

Keine optimalen Bedingungen?

Eindeutig nichts ändern sollte sich offenbar auch nach dem Willen der Zuschauer, die deutlich zahlreicher als sonst den Weg in den Sitzungssaal im Sparkassenhaus gefunden hatten. Der Befürwortung Jochers sicher, brandete sogar Applaus auf – was von Bürgermeister Michael Asam allerdings sofort unterbunden wurde. Neben Alfred Jocher drückten zudem Hermann Mödl (BVP) und dessen Fraktionskollege Andreas Barnsteiner Sorge darüber aus, dass die Begebenheiten am Grundstück an der Bühlachstraße nicht optimal seien, dort aufgrund der Steigung des Geländes mit Hangwasser, aber auch mit lehmigen Boden gerechnet werden müsse. Zudem zeigte Mödl Kritik an der „erschlagenden“ Gebäudehöhe. Barnsteiner formulierte am drastischsten. „Das Gebäude hat an diesem steilen Hang nichts verloren“, sagte er laut.

Vorwürfe, die Diplom-Ingenieur Peter Flickinger vom Architekturbüro Höss Amberg & Partner – vor Ort an diesem Sitzungsabend – recht schnell entkräften konnte. Die sich alsbald als Favorit unter den Varianten herausstellende Bauversion 3 bedeute relativ wenig Eingriff ins Gelände, wie Flickinger betonte. Zudem „verschwinde“ die Gebäudehöhe allein optisch durch die Hanglage, ebenso durch geschickte Begrünung im Umfeld des Hauses. Auch sei das Planungsbüro mit der Errichtung psychiatrischer Einrichtungen unter Widrigkeiten – etwa Moorgelände – vertraut, könne auf Referenzbauten unter diesen Bedingungen verweisen.

Frage der politischen Glaubwürdigkeit

Ein wenig merkwürdig fand Norbert Merk (CSU) die kon­troverse Sichtweise der Räte, wo man doch eigentlich Mitte des Jahres bereits eine Grundsatz­entscheidung auf den Weg gebracht hatte. Zudem sei die nun gefundene Lösung alternativlos, „oder hat jemand eine bessere Idee der Unterbringung?“, fragte er. Für ihn sei es eine Frage der politischen Glaubhaftigkeit, nun auch zu der gemeinsam gefassten Entscheidung zu stehen. Unterstützung bekam er dabei von Michael Asam selbst, der ebenfalls Kritik an der Art und Weise äußerte, wie ein bereits gefasster Beschluss nun noch einmal – öffentlich und medienwirksam – neu aufgerollt werden sollte. „Ich bitte um eine ehrliche Diskussion“, forderte er.

Tatsächlich sollte es im Anschluss dann relativ schnell gehen, die Abstimmung zur Ermittlung der favorisierten Bauvariante mit zwei Enthaltungen auf Variante 3 fallen. Auf Wunsch Thomas Elstes wurde die Planung um den Aspekt einer möglichen Tiefgaragenerstellung erweitert. Die Bauleitplanung kann nun in Bälde erfolgen.

Einen Wunsch zum Schluss hatte Gemeinderat Gerhard Heiß (CSU): Der Erhalt des historischen Gebäudes Marienheim, zur Geschichte der Marktgemeinde gehörend, sei ihm sehr wichtig. Ein Abriss komme für ihn nicht in Frage, eine Umwidmung allerdings schon. 

Regine Pätz

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