Pilotprojekt bei UPM

Wichtiger Beitrag zur Energiewende

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Interessante Einblicke sammelte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (2. v. re.) beim Rundgang durch die Papierfabrik.

Schongau – Hoher Besuch bei UPM in Schongau: Am Montag weilte die bayerische Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner im Werk des Papierproduzenten. Anlass für die Stippvisite war ein Pilotprojekt der Deutschen Energie-Agentur (dena), bei dem UPM eine Vorreiterrolle einnimmt. Dabei geht es darum, wie Unternehmen einen Beitrag zu einem sicheren Stromnetzbetrieb leisten können, in dem sie ihren Stromverbrauch an die aktuelle Situation im Gesamtsystem anpassen.

Die Richtung der Energiewende in Deutschland ist klar: In Zukunft soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung stetig steigen. Schon jetzt beträgt er über 20 Prozent, bis 2020 sollen es 35 Prozent sein. Im gleichen Maße nehmen dadurch allerdings die Herausforderungen zu, um das Stromnetz stabil zu halten. Denn anders als bei konventionelle Kraftwerken hängt die Stromerzeugung bei Windkraft- oder Photovoltaikanlagen vom Wetter ab. „Damit die Energiewende ein Erfolg wird, müssen wir die Erneuerbaren besser in das Gesamtsystem integrieren. Dafür brauchen wir flexible Lösungen, sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrage-Seite“, sagt Aigner.

Eine davon nennt sich flexibles Lastmanagement und ist der Grund dafür, weshalb die Wirtschaftsministerin an diesem Montag nach Schongau gereist ist. Hier in der Papierfabrik von UPM wird derzeit in der Praxis getestet, was bislang vor allem graue Theorie war. „Es gibt eine große Zahl an Studien, aber wenig praktische Erfahrung“, sagt dena-Geschäftsführerin Kristina Haverkamp.

Bei UPM rannte die dena offene Türen ein, als sie Unternehmen suchte, die das Lastmanagement in einem Pilotprojekt erproben wollten. „Wir sind immer auf der Suche nach Innovationen, mit denen wir Kosten sparen oder neue Geschäftsfelder erschließen können“, sagt Rudd van den Berg, Senior Vice President MPA bei UPM.

Worum es bei dem Projekt, das durch den Freistaat mit 454 000 Euro gefördert wird und seit 2013 läuft, genau geht, erläutert Werksleiter Caius Murtola bei einem Rundgang. Der führt direkt dorthin, wo mittels einer riesigen Maschine Hackschnitzel in Holzstoff zerfasert werden. Die Mahlung ist der energieintensivste Prozess in der Fabrik. 25 Megawatt verbraucht die Anlage, wenn sie arbeitet.

Doch das muss sie nicht immer. Zum einen beträgt der Anteil des Holzstoffes am endgültigen Produkt nur bis zu 25 Prozent, der überwiegende Teil stammt aus der Altpapierwiederverwertung. Zum anderen lassen sich Hackschnitzel und Holzstoff vor beziehungsweise nach dem Prozess in großen Silos lagern. „Wir können die Anlage also für eine gewisse Zeit außer Betrieb nehmen, ohne der Produktion zu schaden“, erklärt Murtola.

Ilse Aigner besucht UPM - die Bilder

Genau um diese Flexibilität geht es bei der Lastverschiebung, denn so können Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden. Zieht etwa der Stromverbrauch insgesamt überraschend an, würde UPM auf Anforderung seinen Strombedarf durch die Stilllegung der Anlage reduzieren. Für diesen Beitrag zur sogenannten Regelleistung, mit der die Übertragungsnetzbetreiber für ein stabiles Stromnetz sorgen, bekäme das Unternehmen eine Vergütung.

Rund 1,4 Gigawatt betrage das errechnete Potential der Lastverschiebung allein in Bayern, sagt Aigner, fügt aber gleich hinzu: „Ob das auch in der Praxis stimmt, ist eine andere Frage.“

Dass auch bei UPM nicht jeder stromintensive Produktionsprozess geeignet ist für das Lastmanagement, zeigt sich wenig später nur eine Halle weiter. Hier steht die neueste Papiermaschine des Werks, 103 Kilometer Papier mit einer Bahnbreite von sechs Metern werden hier pro Stunde produziert. Kein Prozess, der mal eben schnell unterbrochen werden kann. Rund 40 Minuten benötige man im besten Fall für einen Start „von null auf 100“, sagt Murtola. „Wenn wir sie abschalten, geht viel Effizienz verloren.“

Der Schritt von der Theorie in die Praxis sei denn auch nicht so leicht gewesen wie erhofft, zieht Haverkamp zum Schluss eine erste Bilanz des Pilotprojekts. Es brauche neben geeigneten Prozessen in den Unternehmen auch ein Management wie bei UPM, das über den Tellerrand hinaus schaue, betont die Geschäftsführerin. „Wir haben noch eine Menge zu tun.“

Christoph Peters

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