Peitings Friedhöfe im Wandel der Zeit

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Im alten Friedhof von Peiting bei der Kirche Maria Egg. Dort sind es knapp 1 200 Gräber.

Peiting – Friedhöfe unterliegen dem Wandel der Zeit. So soll auf dem alten Gottesacker bei Maria Egg an der östlichen Mauer eine Urnenwand angebracht werden. Auf dem neuen Friedhof am Bühlach soll Platz eingeräumt werden für Baum- und Wiesenbestattung sowie für parkähnliche Stelenanlagen. Diese Vorschläge unterbreiten Tobias Weiher von der gleichnamigen Firma für Friedhofskonzepte und Landschaftsarchitekt Wolfgang Ritz.

In Peiting gibt es, wie Kämmerer Christian Hollrieder auf Nachfrage mitteilt, 1179 Grabstätten im alten Friedhof. Draußen am Bühlach in der neuen Anlage, die seit Ende der sechziger Jahre besteht, sind es 736 Grabstätten. Im Jahr 2016 wurden 128 Frauen und Männer auf den beiden Friedhöfen beerdigt. Davon waren 73 Urnenbestattungen. 55 Verstorbene wurden im Sarg zur letzten Ruhe gebettet, wie Bürgermeister Asam erwähnte.

Der Rathauschef warb dafür, bei der Gestaltung der Friedhöfe „mit der Zeit zu gehen“. Gefragt sei „die Verbindung zwischen Tradition und Moderne“. Das Thema ist in den vergangenen Jahren schon ein paar Mal in Peiting behandelt worden. Zu einer Öffnung des alten Friedhofs für Urnenwände oder Urnenstelen bzw. des neuen für alternative Formen wie Baum- und Wiesenbestattung ist es bisher freilich nicht gekommen.

Nun hat die Gemeinde Peiting bei Tobias Reiser, der beruflich mit Friedhofskonzepten und Urnenlösungen befasst ist, sowie bei Landschaftsarchitekt Wolfgang Ritz fachlichen Rat eingeholt. Beide präsentierten in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates die Vorschläge aus einem Workshop, der drei Monate zurückliegt und an dem mehr als 30 Personen aus Kirche, Kultur, Vereinen, Verwaltung und Gemeinderat teilnahmen. Die Firma Weiher mit Sitz in Freiburg hat auch eine Urnenwand in Rottenbuch errichtet und die Gestaltung von Urnenstelen in Schongau begleitet.

Friedhof 2050

Für Peiting werden die Experten nach der Präsentation im Gemeinderat eine Dokumentation zum Workshop vorlegen. Dann entscheiden die Räte darüber, ob es mit dem bisherigen fachlichen Rat genügt oder ob es zu einer weiteren Begleitung unter dem Konzept mit dem Namen „Friedhof 2050“ kommt. Die Firma Weiher wird ein Angebot für eine weitere Zusammenarbeit vorlegen.

Gemeinderat Gerhard Heiß ist es ein Anliegen, „Friedhofsgeschichte zu bewahren“. Dies sei ganz im Sinn des bayerischen Landesverbandes für Heimatpflege. Als wichtig erachtet er zudem einen Lageplan für die Friedhöfe. Heiß berichtet davon, dass etwa Interessierte von auswärts Grabstätten, wie die von Michel Dacher, aufsuchen möchten. Außerdem verweist Heiß darauf, dass Moslems eine Erdbestattung wünschen und die Gräber eine bestimmte Ausrichtung (mit Blickrichtung nach Mekka) haben sollen.

Landschaftsarchitekt Wolfgang Ritz sprach davon, dass man die hohe Qualität des alten Friedhofs bei Maria Egg beibehalten wolle. Eine Naturbestattung soll dort nicht möglich sein. Doch könne er sich vorstellen, dass an manchen Stellen anstatt eines Erdgrabes ein Urnengrab integriert wird. Entscheidend sei mit Blick auf Besucher, die nicht mehr gut zu Fuß sind, die Wege behindertenfreundlich zu gestalten (mit feiner Oberfläche statt grobem Kiesel) sowie mehr Aufenthaltsqualität am Grab zu schaffen. Beispiele dafür seien Sträucher, Sitzbänke oder Skulpturen.

Leichenhaus aufwerten

Weiher und Ritz schlugen auch vor, das Leichenhaus innen aufzuweiten. Der Nebenraum könne aufgewertet werten, damit im Fall, dass sich gleichzeitig zwei Urnen oder Särge im Leichenhaus befinden, die Angehörigen entsprechend Platz zum individuellen Abschied nehmen haben.

Beim neuen Friedhof am Bühlach ist es laut Landschaftsarchitekt Ritz wünschenswert, die Abfallanlage am Eingang besser einzusäumen. Gut vorstellen könne er sich als Ergänzung zur Urnenwand sogenannte Viererstelen mit einer Bepflanzung dazwischen. Außerdem ermunterte er zu Baumgräbern. „Das geht wunderbar“. 

jj

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