Ursachen von Jugendgewalt – Podiumsdiskussion im Ballenhaus sucht Gründe in der Gesellschaft

Rainer Strich vom Jugendamt Weilheim verwies auf die zunehmende Bedeutung des Internets. Fotos: Jungwirth

Gewalt bei Jugendlichen ist ein großes Problem, das immer wieder auftritt. Doch es hat den Anschein, dass diese Gewalt in jüngster Zeit zugenommen hat. Ob das wirklich so ist, wo die Ursachen liegen und was getan werden kann, um dem entgegenzuwirken, wurde erörtert auf einer Podiumsdiskussion.

Geladen hatte der Fachbereich für Kinder, Jugendliche und Familien der Herzogsägmühle und auf dem Podium im Ballenhaus saß eine Riege von Fachleuten, die täglich mit dieser Thematik konfrontiert sind. Eines wurde im Verlaufe der Diskussion deutlich: Die Gewalt bei Jugendlichen habe in den letzten Jahren nicht zugenommen, lediglich die Vehemenz der Aktionen könne als leicht gesteigert angesehen werden. Dass weite Teile der Bevölkerung dennoch eine Zunahme der Gewalt bei Jugendlichen empfinden, läge vielmehr an der medialen Präsenz. Überfälle wie der auf Dominik Brunner am Sollner S-Bahnhof oder auf den Spaziergänger beim Schongauer Frauentor sind in der Presse und im Fernsehen oft über Wochen zu verfolgen. „Niemand ist von Geburt an gewalttätig. Der Grund dafür, dass junge Leute gewalttätig werden, ist die Gesellschaft“, meinte HSM-Direktor Wilfried Knorr. Ins gleiche Horn stieß SPD-Stadträtin und Jugendreferentin Ilona Böse: „Ich denke, es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Kinder haben zu wenig Raum, irgendwann haben sie Wut im Bauch und die muss raus.“ Nach Ansicht des Leiters des Jugendamtes Weilheim-Schongau Jürgen Wachtler wird zwar schon viel für die Betreuung dieser Jugendlichen getan, doch müsse das Elternhaus mehr tun. „Wenn Eltern viel streiten oder handgreiflich werden, färbt das auf die Kinder ab“, meinte dieser und fuhr fort: „Es gibt bisher aber keinen Trend, dass die Gewalt unter Jungendlichen ansteigt, auch die Qualität hat sich nur unwesentlich gesteigert“. Bernd Holthusen vom Deutschen Jugendinstitut in München bestätigte dies und belegte seine Aussagen mit aktuellen statistischen Zahlen. „Wir haben keine steigenden Zahlen, sondern noch immer ein sehr niedriges Niveau“, erklärte dieser, verwies aber gleichzeitig auf die Bilder im Fernsehen, die in der Bevölkerung zu einer anderen Wahrnehmung führten. Ursachen für die Gewalt seien auch das Fernsehen mit seinen die Gewalt verharmlosenden Bildern und Computerspiele. Häufig führe auch erhöhter Alkoholkonsum zur Herabsetzung der Hemmschwelle, wie die Jugendbeamtin der PI Schongau Alexandra Sturm aufzeigte. Besonders häufig gewalttätig sind männliche Jugendliche zwischen dem 16. und 21. Lebensjahr. „Bei den Heranwachsenden stehen mehr als 50 Prozent unter Alkoholeinfluss. Das ist etwas, was wir bedenken müssen“, unterstrich Holthusen. Dem pflichtete Arved Semerak vom Weißen Ring bei. Dass viel für jene Jugendlichen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, gemacht wird, bestätigten sowohl Knorr als auch Wachtler. Dennoch ist Strafe manchmal nötig, befand der stellvertretende Leiter des Amtsgerichts Weilheim Michael Eberle. „Die Jugendlichen müssen sehen, dass ihr Verhalten Reaktionen nach sich zieht“, stellte dieser klar. Dies sollte aber die letzte Möglichkeit sein.

Auch interessant

Meistgelesen

Das Pizzakarton-Problem
Das Pizzakarton-Problem
Das Wichtigste ist ein Stuhl
Das Wichtigste ist ein Stuhl
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"
Neuer Förderverein unterstützt Krankenhäuser im Landkreis
Neuer Förderverein unterstützt Krankenhäuser im Landkreis

Kommentare