Verbissgutachten sorgt für Diskussionen im Landkreis

Rehwild: Opfer oder Täter?

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Ist das Rehwild Täter oder Opfer? Dies wird derzeit wieder heftig diskutiert.

Schongau – Seit Jahren schwelt ein Streit zwischen Forstbehörde und Jägerschaft hinsichtlich des Wildverbisses an Jungbäumen und den damit einhergehenden Schäden. Das nun veröffentlichte Forstliche Verbissgutachten gibt erneut Stoff für Diskussionen.

Ist das Rehwild Täter oder Opfer? Diese Frage zwängt sich förmlich auf, wenn es um die jüngst wieder ins Rollen gebrachte Debatte geht. Denn nach Aussage von Martin Kainz, dem Abteilungsleiter im Schongauer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), hat sich die Situation noch einmal verschärft. „In der Summe der Hegegemeinschaften, wie zum Beispiel Peiting, Rottenbuch, Steingaden, Wildsteig, Bernbeuren oder Schongau, hat sich eine eindeutige Verschlechterung ergeben“, klagt er. Man müsse schon einzelne Jagdreviere anschauen, um überhaupt eine Verbesserung der Verbisssituation ausmachen zu können. 

Am schlimmsten, so berichtet Kainz, sei die Situation in Steingaden und in Bernbeuren. „Hier hat sich der Leittriebverbiss nahezu verdoppelt“, sagt der Forstmann. So stieg dort der Verbiss von Esche, Ahorn und Kirsche von 29 auf 43 Prozent. Ganz schlimm, so Kainz, sieht es für die Tanne aus. „Die Weißtanne ist am Aussterben“, gibt er zu bedenken. Denn die Weißtanne ist – im Gegensatz zur Fichte – eine Delikatesse für das Rehwild. Die Folge: Die Fichte kann, weil sie weniger verbissen wird, ihren Gesamtanteil am Baumbestand steigern, während andere Baumarten zunehmend zurückgedrängt werden. „Man kann eine regelrechte Entmischung feststellen“, klagt der Abteilungsleiter. Schuld, und da ist er sich absolut sicher, ist der zu hohe Rehbestand.

Natürlich, so räumt Kainz ein, haben es die Jäger nicht immer leicht, den gesetzlich vorgeschriebenen Wildabschuss zu verwirklichen. Denn der Freizeitdruck durch Hundehalter, Spaziergänger oder Mountainbiker, die noch in der Dämmerung durch die Wälder ziehen, vergrämt das Wild. Dass die Rehe andererseits jedoch von Oktober bis April stark gefüttert werden, sei nicht nachvollziehbar, unterstreicht der Fachmann. 

Diese Ansicht vertritt auch der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Schongau, Florian Riedl. „Da werden Tonnen an Futter in die Wälder gekarrt“, beklagt dieser und verweist darauf, dass sämtliche Wildtiere ohne das Füttern über den Winter kommen. „Warum dann das Rehwild nicht?“, fragt Riedl nachdrücklich. Denn der Winter fungiert wie ein natürlicher Flaschenhals. Alle schwachen und kranken Tiere werden selektiert. Das Verbissgutachten habe sich seit vielen Jahren bewährt und bilde eine sachliche Grundlage, stellt Riedl klar. 

Martin Kästl, der Vorsitzende des Jagd- und Naturschutzvereins Schongau und Umgebung, ist von den schlechten Zahlen überrascht: „Die Jäger hier haben mit ihrem hohen Abschuss sehr gute Arbeit geleistet“, gibt er zu bedenken. Gleichzeitig verweist er in seiner Funktion als Hegegemeinschaftsleiter der Hegegemeinschaft Rottenbuch auf die guten Ergebnisse und hat Zahlen parat: „In Rottenbuch weisen lediglich neun Prozent der Nadelbäume und 26 Prozent der Laubgehölze Leittriebverbissschäden auf. Ohne Verbiss sind 63 Prozent der Nadel- und 40 Prozent der Laubbäume“, stellt Kästl klar. Dies sei das beste Ergebnis eines Verbissgutachtens seit 1991, proklamiert Kästl. 

Einer weiteren Erhöhung der Abschusszahlen kann Kästl nichts abgewinnen, denn: „Sonst rotten wir das Rehwild irgendwann noch aus“, meint er. Neun Rehe auf 100 Hektar Jagdfläche müssen durchschnittlich bei ihm geschossen werden. „Das ist mehr als genug“, ist sich der Jäger sicher. Sein Vorschlag: Erst mal abwarten, was die Zukunft bringt und nicht schon gleich wieder hektisch die Abschusspläne ändern. Von Anton Jungwirth

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