Nicht nur Grund zum Feiern

Nachdenkliches Jubiläum bei Lebensbeistand

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Seit 2006 steht Gerhard Fackler dem Verein Lebensbeistand vor. Doch die Begleitumstände sind schwieriger denn je.

Peiting – Mit elf Gründungsmitgliedern war der Verein Lebensbeistand im Jahr 1987 gestartet, mittlerweile hat sich diese Zahl auf 71 vervielfacht. Aktuell fungieren die Mitarbeiter in 193 Fällen als rechtliche Betreuer für Menschen, die mit schwierigsten persönlichen Umständen umzugehen haben und leisten Unterstützung für Ehrenamtliche. Doch folgt man den Ausführungen der Verantwortlichen, steht die Fortführung dieser Erfolgsbilanz auf tönernen Füßen.

„Die rechtliche und persönliche Lage Betroffener war damals sehr schwierig“, blickt Altlandrat Manfred Blaschke auf das Jahr 1987 zurück. „Sie wurden entmündigt, mit Null- bis Siebenjährigen gleichgestellt.“ Die Lebensbeistand-Gründung sei seinerzeit ein großer Sprung nach vorne im Landkreis gewesen.

Die Voraussetzungen, unter denen ein Betreuer bestellt wird, beschreibt der Verein so: „Jeder erwachsene Mensch kann durch Alter, Krankheit oder Behinderung derart hilfebedürftig werden, dass die Organisation des Alltags, Bewältigung der Lebenssituation oder Vertretung eigener Rechte ohne Hilfe von außen nicht ausreichend gesichert ist.“ Darüber, dass der Lebensbeistand einen wichtiger Teil des sozialen Netzes darstellt, waren sich alle Festredner beim Jubiläum in der Peitinger Zechenschenke einig.

„Wir spannen den Bogen vom Arztgespräch, über den Hausverkauf bis zum Nachlass“, erklärte Karin Wemhöner-Joswig. Doch: „Es gibt eigentlich viele gute Gründe, heute nicht zu feiern“, mahnte die Geschäftsführerin. Trotz großer Verantwortung sieht sie den Verein einem großen Leistungsdruck, auch wirtschaftlicher Natur, ausgesetzt. Darunter litten die Kontakte zu den Mandanten. „Die Ressourcen sind heutzutage ein Problem“, weiß auch Gerhard Fackler, seit 2006 der 1. Vorsitzende des Vereins.

Die Bundesgesetzgebung stelle ein schlechtes Fundament für die Arbeit des Lebensbeistands dar, kritisierte Wemhöner-Joswig, die sich auch auf regionaler Ebene mehr Unterstützung wünscht. „Bis 2011 hat der Landkreis noch höhere Zuschüsse gewährt.“

Ein Appell, der angekommen sei, signalisierte Peitings Bürgermeister und Kreisrat Michael Asam seine persönliche Unterstützung. Organisationen wie der Lebensbeistand nähmen Kommunen und Landkreis „wahnsinnig viel Sprengstoff und Arbeit“ ab. Dafür brauche es „weiterhin Unterstützung statt Beschneidung“.

Ökumenische Premiere

Pfarrerin Brigitte Weggel lobte die Mitarbeiter des „wackligen Projekts“ dafür, dass sie sich einer christlichen Überzeugung folgend gegen alle Widrigkeiten in einem „extremen Feld“ engagierten. Ihr katholischer Amtskollege Robert Kröpfl pflichtete bei, dass der positive Eindruck, den er von seinen neuen Pfarreien gewonnen hätte, durch den Lebensbeistand noch weiter an Kontur gewonnen habe. Beide segneten die Festgäste – es war der erste gemeinsame ökumenische Akt des Duos.

ras

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