Ausstellung zum Stadtmauerumfeld

Mehr als Schutz und Denkmal

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Noch bis 26. Oktober kann die Ausstellung im Stadtmuseum besichtigt werden.

Schongau – Jeder Schongauer hat sie täglich vor Augen, die Stadtmauer. Und auch wenn dieses größte (historische) Bauwerk der Stadt schon seit mehreren Jahrhunderten existiert, kann man immer wieder etwas Neues entdecken. Anlässlich der Ausstellungseröffnung „Das Schongauer Stadtmauerumfeld“ gestand auch der zweite Bürgermeister Tobias Kalbitzer, gerade erst einen ihm bis dahin unbekannten Raum gefunden zu haben. Mit Blick auf die Ausstellung und den städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerb, merkte Kalbitzer an, dass die Vergangenheit uns lehre, „wie wir in der Zukunft mit der Stadtmauer umgehen müssen“.

Sie ist Schutz und Denkmal, wurde für Propaganda missbraucht, in ihrem Schatten wachsen schöne Pflanzen und stattliche Bäume, man kann an ihr entlang promenieren oder an, teils in oder unterhalb von ihr wohnen, hier wurden Bienen und Obstbäume kultiviert und gezüchtet. Seit mehr als 200 Jahren umgibt die Stadtmauer mit ihrem Grüngürtel die Schongauer Altstadt. Nach einigen Versuchen, nicht zuletzt im Zuge der Untersuchungen des Burgenforschers Dr. Jürgen Zeune, das Umfeld der Mauer zu verbessern, hat die Stadt Schongau einen städtebaulich-landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. Diese Idee liegt der aktuell im Stadtmuseum zu sehenden Ausstellung zugrunde, die die Entstehung des Stadtmauerumfeldes über die vergangenen zwei Jahrhunderte nachzeichnet. Man wolle Planungshilfen hinsichtlich des authentischen Erhaltens, der Pflege und der weiteren Entwicklung der Stadtmauer geben.

So beginnt denn die Ausstellung mit einem historischen, nunmehr 201 Jahre alten Katasterblatt, das die Grundstücke wiedergibt und auch schon die Nutzung des Umfeldes, mit Gärten, Buschanpflanzungen nachzeichnet; sogar die Streckenführung des damaligen Promenadenweges mit seinen Alleebäumen ist zu erkennen, anfänglich Pappeln, später ab 1850 dann Linden. So beginnt die Ausstellung im Obergeschoss des Museums, dort, wo auch, in der angrenzenden Kapelle, das Modell der Stadt steht. So führten auch Franz Grundner und Harald Scharrer die Gäste bei der Eröffnung der Ausstellung an das Thema heran. 

Weiter geht es dann, weniger durch die Jahrhunderte, als vielmehr durch die Themen rund um die Stadtmauer als Ort: zum Promenieren, der Gartenkultur und Parkanlagen, Machtdemonstration, Villen, der Kur und Bewirtung, Begegnung, als Ort der Kunst mit Regeln und der Idylle mit ihren Ausblicken. Jeder dieser Punkte ist mit wenigstens einer, zumeist aber mehrere Schautafeln, die Bilder der vergangenen Jahre zeigen, Dokumente wiedergeben oder die Zusammenhänge aufzeigen zwischen Bebauung und Nutzung der Stadtmauer, vertreten. Dazu haben Scharrer und Grundner in den Archiven gegraben, haben alte Verordnungen, etwa über die Anlage von hübschen Gärten, verwendet, alte Fotos und zum Teil noch ältere Zeichnungen und Stiche reproduziert und in den Kontext gestellt: der Begegnung zwischen den Menschen oder der Bewirtung in den Biergärten entlang der Mauer.

Dazu passend ist auch die Entwicklung geschildert, die zum jeweiligen geführt hat, dargestellt, der aufkommenden Sehnsucht nach Natur etwa oder der Möglichkeit, einen Teil der Stadtmauer erwerben zu können, um einen Durchbruch zu schaffen in den Garten oder zum Wohnen. Nach Beendigung der Ausstellung wird in den Räumen des Museum die Jury tagen, die die Konzepte und Vorschläge für die Weiterentwicklung des Mauerumfeldes diskutiert und bewerten soll. Die Vorschläge sollen anschließend ebenfalls im Museum ausgestellt werden.

Oliver Sommer

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