Senioren noch fahrtauglich?

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Woran hat es gelegen? Gemeinsam mit der Polizei durften sich die Senioren im Fahr-Simulator selbst testen.

Schongau – Gemeinsam mit Polizeibeamten und der Verkehrswacht hat der Schongauer Seniorenbeirat um Vorsitzende Elisabeth Wagner ein Verkehrssicherheitstraining durchgeführt – speziell für ältere Semester. „Sie wollen im Alter alle mobil bleiben. Deswegen sind sie hierher gekommen, um sich praktische Tipps abzuholen“, eröffnete Bürgermeister Falk Sluyterman seine Ansprache an die erschienenen Senioren. Ziel der Veranstaltung war aber auch „die Selbstreflexion“, wie Vorsitzender Georg Off von der Landkreis-Verkehrswacht erklärt: „Die Leute sollen selbst drauf kommen, ob sie noch fahrtüchtig sind.“

Besonders im Verkehr – egal ob als Autofahrer, Fußgänger oder Fahrradfahrer – würden altersbedingte Veränderungen häufig in Erscheinung treten, erklärt Polizistin Bianka Luferseder. Beispielsweise gehe der Schulterblick nicht mehr so leicht. Und auch der Verkehr selbst werde immer komplexer, weshalb es für Senioren gleichzeitig zunehmend schwerer werde, Verkehrssituationen richtig einzuschätzen. „Ihr Hörsinn verändert sich und auch Ihre Motorik entspricht nicht mehr der eines 20-Jährigen“, bescheinigt ­Luferseder ihrem Publikum.

Um ihre tatsächliche Fahrtauglichkeit richtig einzuschätzen, fanden sich die Teilnehmer des Verkehrssicherheitstrainings an vier Stationen ein, die der Reihe nach durchlaufen wurden: ein Wahrnehmungstest, eine Radfahrer-Schulung, ein Coaching zu Verhaltensregeln sowie eine Autofahrt im Simulator.

Reichlich Hirnschmalz erforderte bereits der Wahrnehmungstest, bei dem jeweils für zwei Sekunden eine Verkehrssituation auf einer Leinwand dargestellt war. Die Teilnehmer sollten sich in dieser kurzen Zeitspanne einprägen, was sie auf dem Bild alles wahrgenommen hatten. Waren es nur ein Fahrrad, ein Fußgänger und ein Verkehrszeichen? Oder war auch noch eine Ampel zu sehen? Kein leichtes Unterfangen – das Gros der Senioren stufte diese Herausforderung als „sehr schwierig“ ein.

Ebenfalls eine Menge Geschick verlangte der Auto-Simulator ab. Ausgestattet mit Kupplung, Bremse und Gaspedal durften die Senioren hier ihr Reaktionsvermögen unter Beweis stellen. Auch im Cockpit des virtuellen Wagens gilt die Anschnallpflicht – erst dann kann die Fahrt auf dem Bildschirm losgehen. Zunächst steuern die Senioren ihr Gefährt durch die Straßen, müssen dabei lediglich die Geschwindigkeit und ihr Umfeld im Blick haben – die Lenkung übernimmt der Computer.

Hohe Unfallquote

Aufmerksamkeit ist dennoch gefragt, denn nach wenigen hundert fiktiven Metern lauert eine Gefahr: Ein kreuzendes Fahrzeug, ein verwirrter Fahrradfahrer oder ein spielendes Kind. Entscheidend in sämtlichen Fällen: Möglichst schnell auf die Bremse steigen, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Was mindestens die Hälfte der Testfahrten gemein hatten: Wäre die Situation real gewesen, hätten die Fahrten fatale Folgen gehabt – meist kam der virtuelle Wagen nämlich zu spät zum Stehen.

In der Realität seien Senioren aber im Straßenverkehr nicht Täter sondern vielmehr Zielscheibe jüngerer Autofahrer-Generationen, beklagt eine Teilnehmerin – sie werde häufig grundlos von ungeduldigen Fahrern angehupt. „Junge Leute nehmen oft zu wenig Rücksicht“, so ihre Einschätzung.

Marco Tobisch

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