Solange die Helfer mitziehen

Schongauer Tafel "macht auf dieser Basis weiter"

+
Eine Tafel ist auf Spenden und Helfer angewiesen. Weil in Schongau beides klappt, geht der Betrieb trotz Corona weiter.

Schongau – Tafeln in Bayern dürfen grundsätzlich weiter öffnen, Bedürftige sich dort versorgen. Das hat Sozialministerin Carolina Trautner am Mittwoch nochmals klargestellt. Doch auch in Schongau steht die Tafel zurzeit vor besonderen Herausforderungen.

Auf zwei Größen ist eine Tafel ganz entscheidend angewiesen: Lebensmittelspenden und freiwillige Helfer. Erstere hängen maßgeblich davon ab, was in Supermärkten wann besonders gefragt ist. Hamsterkäufe wirken sich so unmittelbar aus. „Vergangene Woche haben die Leute wahnsinnig viel eingekauft, da haben wir weniger bekommen“, schildert Martin Holleschovsky, Verantwortlicher der Schongauer Tafel. „An Frischwaren war so gar nichts mehr da.“ Gravierend ausgewirkt habe sich das dieses eine Mal aber nicht, weil auch die Zahl der Tafelgäste gering ausfiel. „Auch bei unseren Besuchern hatten sich Sorgen breitgemacht.“ Diese Woche habe sich das Einkaufsverhalten in den Supermärkten und damit auch das Spendenaufkommen aber wieder normalisiert.

Eine Vorhersage über die nächsten Wochen hinaus vor dem Hintergrund, dass die derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten künftig eine steigende Zahl an Tafelbesucher bedingen könnten, will Holleschovsky nicht anstellen. „Da spielen tausende Aspekte rein; alle unsere Dienste stecken mitten im Krisenmodus.“

Ganz maßgeblich hing die Frage, ob die Ausgabe am heutige Donnerstag stattfinden konnte, vom Helferaufkommen ab. Denn viele der 45 Ehrenamtlichen zählen zu der Coronavirus-Risikogruppen, beispielsweise wegen ihres Alters. Am gestrigen Mittwoch dann die gute Nachricht: Die Engagierten, die sich ganz neu gemeldet haben, fangen die Zahl derer auf, die aus Vorsicht pausieren. Holleschovsky ist die Freude darüber anzumerken.

Bei Herzogsägmühle erhalten sämtliche Freiwillige einen Ehrenamtsvertrag, erklärt er. Die Sicherheitsabstände werden stets eingehalten. Um diese auch bei der Ausgabe zu und zwischen den Bedürftigen sicherzustellen, ist der Ablauf seit Donnerstag vergangener Woche aber ein anderer.

Statt wie bisher in Gruppen aus der Auslage wählen zu können, bekommen die Besucher an der Tür Beutel überreicht, in denen die Helfer vorab eine Auswahl an Lebensmitteln zusammengepackt haben. Die gewohnte einkaufsähnliche Situation entfalle so zwar, schildert Holleschovsky. Sich selbst etwas aussuchen können die Kunden so nicht. „So bekommen wir es aber am unproblematischsten hin.“

Überhaupt müsse man auf Sicht fahren und von Woche zu Woche schauen, ob die donners­tägliche Ausgabe klappt. „Genau wie alle Tafeln haben wir zu kämpfen“, erklärt Holleschovsky. „Letzte Woche waren wir erfolgreich, auf dieser Basis machen wir zunächst mal weiter.“

Bei Regen Bringdienst

Dabei spielt auch das Wetter eine Rolle – wird es draußen ungemütlich, müsse man reagieren. Denn dann ist die Möglichkeit, sich vor der Tafel in der Dominikus-Zimmermann-Straße 1 unterzustellen, sehr begrenzt. Ein Zusammenrücken seiner Besucher will Holleschovsky vermeiden. Durchnässt und -gefroren auszuharren sei aber auch keine Option.

„Bei schlechtem Wetter bieten wir jetzt einen Bringdienst an“, erklärt Holleschovsky. Ein Anruf  genügt. Auch chronisch kranke Tafelnutzer und solche über 60 Jahren werden ab nächster Woche nach telefonischer Abklärung beliefert. Logistisch bekomme man das hin, im Laufe der Woche wurde alles geklärt. Auch das ist dem Einsatz der vielen Helfer zu verdanken.

Jeweils donnerstags zwischen 12 und 14 Uhr sowie freitags zwischen 10 und 12 Uhr findet künftig nach telefonischer Vorabklärung außerdem eine Notausgabe statt. Die Nutzer sind gebeten, sich ab Dienstag, 31. März, bei der Schongauer Tafel telefonisch unter 08861/20444 zu melden.

ras

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Landratsamt befürchtet "Stigmatisierung"
Landratsamt befürchtet "Stigmatisierung"
Corona-Update für den Landkreis Weilheim-Schongau vom Montag
Corona-Update für den Landkreis Weilheim-Schongau vom Montag
Ohne Papa und Besuch auf der Wochenstation
Ohne Papa und Besuch auf der Wochenstation
Baumstämme fürs neue Schongauer Lechfloß liegen am Lido bereit
Baumstämme fürs neue Schongauer Lechfloß liegen am Lido bereit

Kommentare