Kein Antritt

Luckner verzichtet: „Alles, was ich zu sagen habe“

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Nachdenkliche Gesichtszüge vor dem lachenden Konterfei auf dem Plakat: Annette Luckner, die in der Stichwahl unterlegen ist.

Peiting – In einem Brief wendet sich die unterlegene Bürgermeisterkandidatin Annette Luckner (SPD) nach der mit 44 Prozent verlorenen Stichwahl an die Öffentlichkeit und erklärt darin, dass sie den Entschluss gefasst hat, das Amt als Peitinger Gemeinderätin nicht anzutreten. Nachrücken wird Claudia Steindorf. Sie könne sich „mit voller Kraft“ in der neuen SPD-Fraktion für die Gemeinde einsetzen und als echte Peitingerin schnell das Vertrauen der Menschen erarbeiten, fügt Annette Luckner hinzu.

In einer Mail an den Kreisboten verweist Luckner auf den Brief, den sie noch am Dienstag verschickte. Die Redaktion hat sie zuvor um ein Interview gebeten und einige Fragen an sie gerichtet. Doch Luckner wollte nicht konkret die Fragen beantworten. Vielmehr verwies sie nach dem Motto „Alles, was ich zu sagen habe“ auf den Inhalt des Schreibens, das sie an viele Peitinger adressiert hat.

Darin schildert sie, dass sie am Sonntag noch bereit war, trotz der Niederlage in der Stichwahl das Gemeinderatsmandat anzunehmen. Sie dachte, das wäre sie den Wählerinnen und Wählern, allen Unterstützern und nicht zuletzt der Peitinger SPD und den Peitinger Grünen (nach der Wahlempfehlung) schuldig.

Doch je länger sie nachdenke, desto klarer werde ihr, „dass ich das einfach nicht kann“. Es falle ihr schwer, nicht in den Gemeinderat zu gehen und viele Menschen zu enttäuschen. „Ja, ich wollte so gerne Bürgermeisterin werden, und zwar in Peiting“, bekennt Luckner in dem Brief. Ihr Mann und sie hätten in den vergangenen eineinhalb Jahren sympathische Menschen in der Marktgemeinde kennengelernt, die ihnen auch ans Herz gewachsen seien. Peiting sei ihr durch viele Begegnungen zur Heimat geworden. Deshalb falle ihr jetzt der Abschied „sehr schwer“.

Von Tür zu Tür

Im Wahlkampf sei sie viele Monate von Haustür zu Haustür unterwegs gewesen. Die meisten hätten es positiv aufgenommen, dass sie sich die Mühe mache, vorbeizukommen und zuzuhören. „Ich habe viel gelernt in dieser Zeit“, ergänzt die 53-Jährige. Leider hätten sich in der Stichwahl nicht genügend Peitingerinnen und Peitinger für sie entschieden. Luckner dazu: „Es ist für mich nicht leicht, das zu verstehen und zu verarbeiten.“

Sie wisse jetzt noch nicht, „wie mein Leben beruflich weitergehen wird, was mein Mann und ich in Zukunft machen werden, zu welchen neuen Ufern wir aufbrechen werden.“ Deswegen habe sie den Entschluss gefasst, das Amt als Gemeinderätin nicht anzutreten. Es sei das Beste für alle, wenn sie nun zusammen mit ihrem Mann in Ruhe überlegen kann, wie ihre Zukunft aussehen könnte und wenn gleichzeitig in Peiting Claudia Steindorf mit viel Herzblut und großem Engagement die neue Aufgabe als Gemeinderätin angehen werde.

In dem Brief spricht Luckner ihren Dank an all diejenigen aus, die sie gewählt haben, die sie unterstützt haben, die Plakate aufgehängt, Flyer verteilt und sie bei den Hausbesuchen begleitet haben. Das alles sei nicht umsonst gewesen; die SPD-Fraktion werde bemüht sein, die Anregungen, Sorgen und Nöte, von denen man bei den Besuchen erfahren habe, in der politischen Arbeit umzusetzen.

"Auf Wiedersehen"

Auf der Homepage von Annette Luckner ist ein Bild eingestellt; es zeigt Annette Luckner und ihren Mann Karl am Kunstwerk im Kreisel, dem Förderrad. Darüber in großen Lettern ein „Auf Wiedersehen“.

Annette Luckner ist gelernte Redakteurin. Mit ihrem Mann Karl Luckner wohnt sie seit 25 Jahren in Dinkelscherben im Landkreis Augsburg, wo sie bis Ende April noch Gemeinderätin ist. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Kinder.

Über die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) kam Bürgermeister Michael Asam vor knapp zwei Jahren in Kontakt mit Annette Luckner. Der SPD-Ortsverein Peiting hatte sich für die Kommunalpolitikerin als Kandidatin fürs Bürgermeisteramt entschieden. Die Vorstellung erfolgte im November 2018. 

Johannes Jais

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