Viele Informationen, wenige Fragen

Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl informierte die Schongauer ausführlich über das abgelaufene Jahr. Foto: Peters

Fritz Holzhey, der Ehrenbürger der Stadt Schongau, war gekommen, einige andere wie etwa Landrat Friedrich Zeller oder die Stadtpfarrer Mooser und Rottach nicht. Was an und für sich nicht schlimm war, denn bei der Bürgerversammlung, zu der Stadtoberhaupt Karl-Heinz Gerbl am Mittwochabend ins Schongauer Ballen-haus geladen hatte, sollte schließlich der einfache Bürger im Mittelpunkt stehen. Doch bis die immerhin rund 70 erschienenen Schongauer Gelegenheit hatten, ihre Anliegen dem Bürgermeister vorzutragen, dauerte es geschlagene zwei Stunden. Da verwunderte es nicht, dass sich die Wortmeldungen in Grenzen hielten.

Dass die Fragerunde erst so spät begann, lag nicht allein, aber auch an Gerbl selbst, der die Veranstaltung traditionell mit seinem Bericht über das abgelaufene Jahr eröffnete. Eigentlich habe er nur eine halbe Stunde reden wollen, entschuldigte sich das Stadtoberhaupt am Ende seines Vortrags, als stattdessen eine knappe Stunde vergangen war. In dieser Zeit hatte Gerbl versucht, einen möglichst allumfassenden Blick auf das vergangene Jahr in Schongau zu werfen. Da erfuhren die Anwesenden, dass die Einwohnerzahl nach Geburt- und Sterbefällen um 70 Personen gesunken, durch Zuzüge letztendlich aber doch um 63 gestiegen sei. Dass Schongau ein sehr beliebter Heiratsort sei, da man hier ja noch am Samstag ehelichen könne. Dass immerhin 384 Hundebesitzer ihren Vierbeiner ordnungsgemäß angemeldet hatten. Positiv hob Gerbl den Rückgang der Pro-Kopf-Verschuldung hervor, die nun 530 Euro betrage (Landesschnitt 2009: 646 Euro) und natürlich die abgeschlossenen Bauprojekte der Stadt wie die Dreifachturnhalle und den Fußweg am Schwanenweiher. Bei letzterem kam das Stadtoberhaupt nicht umhin, noch einmal zu betonen, dass der Fußweg zwar barrierefrei sei, aber natürlich aufgrund der Steigung nicht rollstuhlgerecht ausgeführt habe werden können. Für den Schwanenweiher warb Gerbl um Geduld. „Wir sind noch nicht ganz fertig“, erklärte er. Man sei gerade dabei über weitere gestalterische Elemente zu entscheiden. Natürlich durfte auch ein Ausblick nicht fehlen. Mitte April werde man mit dem lang erwarteten Bau des Kreisverkehrs an der Augsburger Straße beginnen, bereits Anfang Mai soll der Rad- und Fußweg von Schongau nach Altenstadt fertiggestellt sein, kündigte Gerbl an. Auch in die Zusammenarbeit von Stadt, Wirtschaft und Geschäftsleuten wolle man investieren und dafür eine eigene Stelle für Wirtschaftsförderung und Citymanagement schaffen. „Unser erstes Ziel muss aber weiter bleiben, Schulden abzubauen“, machte Gerbl klar. „Wir werden daher nicht jeden Wunsch erfüllen können.“ Zumindest den Wunsch, ihr Anliegen dem Bürgermeister vortragen zu dürfen, erfüllte Gerbl den anwesenden Bürgern an diesem Abend, wenn auch nicht wie von vielen eigentlich erwartet im Anschluss an seinen eigenen Vortrag. Denn als Auflockerung hatte das Stadtoberhaupt zuvor noch drei Vorträge eingeplant. Ursula Diesch, Leiterin der Tourist Information, informierte über das neue Wanderwegekonzept im Pfaffenwinkel, Dietmar Aschenbrenner und Bernd Sedlmeier von den Stadtwerken referierten über die Fernwärme- und Wasserversorgung der Stadt. Erst nach weiteren eineinhalb Stunden kamen die Bürger zum Zug, vielen schien da die Lust auf eine Wortmeldung schon vergangen zu sein. Kritisiert wurde die Parkzeitregelung in der Altstadt, die mit einer Stunde als zu kurz ausfalle. Ein Bürger wollte wissen, wann das Rathaus endlich auch von außen mit einem Namensschild als solches erkennbar gemacht würde. Dies stehe bereits auf der Agenda, so Gerbl. Ein anderer Schongauer fragte nach dem Grund für die Verlegung der Madonna aus der Grotte im Stadtfriedhof ins Stadtmuseum. Die Antwort konnte das Stadtoberhaupt erst am Tag nach der Veranstaltung liefern. Sie sei herausgenommen worden, weil sich in der Grotte hinter der Madonna ein wertvolles Wandbild aus dem 15. Jahrhundert befinde, teilte er mit. Lob gab es von den Bürgern dagegen für den geplanten Bau des Kreisverkehrs und der Radwegverbindung nach Altenstadt. Zuguterletzt übergab die Schongauer Geschäftsfrau Aloisia Dufhues Gerbl noch eine lange Liste von Unterschriften, die sie für die Einrichtung einer Fußgängerzone in der Altstadt gesammelt hatte. Ihre Forderung unterstrich sie mit einer waschechten Büttenrede, die dem Bürgermeister allerdings nur ein Lächeln und die lapidare Aussage, man nehme das Anliegen zur Kenntnis, entlockte. Dann war die Bürgerversammlung 2012 vorbei.

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