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Vorerst letzter Vereidigungsappell auf dem Marienplatz in Schongau

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Von: Manfred Ellenberger

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Bundeswehr Vereidigung Marienplatz Schongau
Nach dem Einmarsch der 1. Kompanie sowie der Ehrenformation und dem Gebirgsmusikkorps schritt Oberstleutnant Sven Tillery (Mitte) gemeinsam mit dem Abgeordneten im Bayrischen Landtag Harald Kühn (links) und dem Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman (rechts) die angetretene Front ab. © Ellenberger

Schongau – Als am vergangenen Donnerstag 68 Rekruten der Bundeswehr ihren Dienst­eid auf dem Marienplatz ablegten, war dies der vorerst letzte öffentliche Vereidigungsappell in Schongau. Das in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt beheimatete Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillon 3 (FA/UA-Btl 3) wird umstrukturiert und künftig nurmehr erfahrenere Kräfte ausbilden. 

Vornweg marschierte die 1. Kompanie des FA/UA-Btls mit 57 männlichen und elf weiblichen Rekruten singend auf den Schongauer Marienplatz. Dort wurden sie bereits von etwa 350 teils über hunderte von Kilometern angereisten Angehörigen erwartet. Hinzu kamen zahlreiche Ehrengäste aus der Politik und auch viele Bürger der Stadt und des Umkreises. Nachdem die Kompanie Aufstellung genommen hatte, folgte das in Garmisch-Partenkirchen beheimatete Gebirgsmusikkorps unter Leitung von Oberstabsfeldwebel Michael Schwendemann, gefolgt von der Truppenfahne und dem mit Angehörigen der 2. Kompanie gebildeten Ehrenzug mit Soldaten unter Gewehr und zwei Fahnenbegleitoffizieren.

Nach dem Einmarsch schritt Bataillonskommandeur Oberstleutnant Sven Tillery gemeinsam mit dem Abgeordneten im Bayrischen Landtag Harald Kühn und Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman die angetretene Front ab.

Kühn hob hervor, dass die Bundeswehr „ein unverrückbarer Bestandteil unserer Gesellschaft“ sei. Gewandt an die durchschnittlich 24 Jahre alten Rekruten, die ihren militärischen Dienst erst Anfang Juli begonnen hatten, sagte er: „In einer so schwierigen Zeit haben Sie sich entschieden, für unser Land und unsere Werte einzustehen“. Den jungen Soldaten, die eine so wichtige Aufgabe übernehmen, sei mit „Respekt und Anerkennung“ zu begegnen. Alsdann ging er auf die zahlreichen positiven Verbindungen der Garnisonsgemeinde Altenstadt, der Stadt Schongau sowie der umliegenden Gemeinden und des gesamten Landkreises mit der Bundeswehr ein. „Dieses Miteinander wird tagtäglich gelebt.“ Auch wenn dies auf nicht absehbare Zeit der letzte öffentliche Vereidigungsappell sei, werde der Bundeswehrstandort Altenstadt und dessen Entwicklung auch künftig unterstützt. Zur aktuellen sicherheitspolitischen Lage meinte er, „die Situation in Europa und in der Welt, insbesondere der dreckige Krieg in der Ukraine, führt uns deutlich vor Augen, wir leben in sehr, sehr schwierigen Zeiten.“ Der Friede sei nach dem Fall der Mauer „leider nicht selbstverständlich geworden“.

„Teil der Bundeswehr“

Der aus Rheinland-Pfalz stammende 20-jährige Rekrutensprecher Nicolas Groß hatte sich dem eigenen Bekunden nach schon früh für die Freiwillige Feuerwehr und den Schützenverein begeistert. Mit dem Ziel „einmal ein Teil der Deutschen Bundeswehr zu werden“ begann er 2018 eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, was ihm nach dem diesjährigen erfolgreichen Berufsabschluss einen Einstieg im Dienstgrad Stabsunteroffizier ermöglicht habe. Mit dem Ziel vor Augen, Feldwebel zu werden, hofft er im Rahmen seiner Ausbildung darauf, für sich persönliche und fachliche Entwicklungsmöglichkeiten erschließen zu können.

Er sei nach den anfänglich so vielen neuen Eindrücken überrascht gewesen, „wie schnell man mit den Kameradinnen und Kameraden zu einer Familie zusammenwächst“. Neben bereits Erlerntem bekomme man in den nächsten Monaten noch viel mehr beigebracht. Dazu gehören auch das Schießen und die Gefechtsausbildung. Wenn einige bisweilen körperlich am Ende gewesen seien, hätten es Kameraden und Ausbilder immer wieder geschafft, zu motivieren. Er hob hervor, dass Disziplin, Kameradschaft und Fitness in der Bundeswehr als für ihn selbst einen hohen Stellenwert hätten. An die anderen Rekruten gerichtet stellte er fest: „Wir wissen um die Härte dieses Berufes.“

Sven Tillery sprach die aktuell angespannten Zeiten mit wieder steigenden Coronazahlen, einer ansteigenden Inflation und stark steigenden Energiepreisen als auch den seit über fünf Monaten tobenden Ukrainekrieg an, „von dem niemand mit Gewissheit sagen kann, wie lange er noch dauern wird“. Dann wandte er sich direkt an die Rekruten, die wenige Minuten später ihren Diensteid ablegen sollten. „Dieser Eid beinhaltet ein mutiges Versprechen“, sagte er. Die jungen Menschen verpflichteten sich, für Recht und Freiheit des deutschen Volkes einzutreten, „und das bis hin zur letzten Konsequenz, dem Einsatz von Gesundheit und Leben“. Zwar wolle niemand zur Waffe greifen, gleichwohl gebe es Situationen, in denen es nicht anders geht und „in denen unsere Sicherheit und unsere Werte notfalls auch mit robustem, vom Parlament vergebenen Mandat verteidigt werden müssen“.

Um so wichtiger sei die Devise „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“. Für künftige militärische Führer sei es wichtig, dass sie lernen, die Zähne zusammenzubeißen wenn es anstrengend wird. Dass sie sich körperlich fit halten und von Anfang an lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich bei Lehrgängen trauen, sich in der Führung von Soldaten zu üben. „Sie werden hervorragend ausgebildet und auf ihre künftige Rolle als militärischer Führer vorbereitet“, versicherte der Kommandeur.

Hernach legten die jungen Soldaten mit den Worten „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ ihren Treueeid ab. Dieser kann zwar auch ohne die Worte „so wahr mir Gott helfe“ geleistet werden, der Lautstärke nach zu urteilen dürften nahezu alle auch diesen Teil der Eidesformel nachgesprochen haben.

Danach wurde das Treuebekenntnis mit den sechs zur Truppenfahne vorgetretenen Soldaten von Oberstleutnant Sven Tillery, MdL Harald Kühn, Bürgermeister Falk Sluyterman, dem Kompaniechef der 1. Kompanie Hauptmann Raik Ebel und Kompaniefeldwebel Oberstabsfeldwebel Heiko Weber symbolisch per Handschlag bekräftigt. Zum Ende spielte das Gebirgsmusikkorps vor dem Ausmarsch die Bayern- und die Nationalhymne.

Die Commander‘s Coin

Beim Empfang im Ballenhaus hatte Oberstleutnant Tillery für Rekrutensprecher Stabsunteroffizier FA Nicolas Groß eine Commander’s Coin dabei. Diese kann von Kommandeuren an die ihnen unterstellten Soldaten als Erinnerungsstück und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls verliehen werden.

Auch Bürgermeister Falk Sluyterman bekam ein Geschenk für die tatkräftige Unterstützung bei der Realisierung des Vorhabens. Dabei betonte dieser, dass die Stadt „geschlossen hinter der Bundeswehr“ stehe. Für ihn war der aktuelle Appell der vierte in seiner Amtszeit als Bürgermeister. Der erste davon habe im Jahr 2015 stattgefunden und sei damals nicht so friedlich und einträchtig wie dieser verlaufen.

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