Ortsumfahrung Hohenpeißenberg freigegeben: 

Mehr Ruhe unterm Rigi

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Uwe Fritsch (Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim), Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch, Karl Wiebel (Leiter der Abteilung Straßen- und Brückenbau im Bayerischen Staatsministerium), Bundesminister a.D. Alexander Dobrindt, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Landtags-Abgeordneter Harald Kühn, Bezirksrätin Alexandra Bertl (v. links) sowie Kinder des Kindergartens St. Anna durften das Band durchschneiden und die Ortsumfahrung für den Verkehr freigeben.

Hohenpeißenberg – Ein Straßenbauprojekt mit langer Geschichte hat sein Ende gefunden. Viele Hindernisse standen zwischen dem Spatenstich am 21. Juli 2009 und der Verkehrsfreigabe der Hohenpeißenberger Ortsumfahrung am Montag. Ursprünglich sollte sie schon 2012 eröffnet werden.

Ein Aufatmen und hier und da ein leises „Endlich!“ war von den Gästen zu hören, als das Band durchschnitten wurde und der ehemalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Verkehrsfreigabe verkündete. Böllerschützen bekräftigten seine Worte. 800.000 Kubikmeter Erde mussten bewegt und acht Brücken gebaut werden. 43,3 Millionen Euro hat es gekostet und rund achteinhalb Jahre gedauert, die 5,2 Kilometer lange Umfahrung zu bauen. Immer wieder war es während der Bauarbeiten zu Schwierigkeiten gekommen. Beispielsweise hatte sich 2010 ein Hang in Bewegung gesetzt. Die Bauarbeiten an der Straße mussten sofort gestoppt werden. Ebenfalls sehr aufwändig gestaltete sich die Sohlabdichtung an der Deponie für das Bodenmaterial aus der ehemaligen Berghalde.

Anschluss zur A8

Ursprünglich war einmal der Bau einer Voralpenautobahn A98 geplant, die jedoch in den 1980er Jahren verworfen wurde. Die Bundesstraße 472 wurde daher zur wichtigsten West-Ost-Verbindung im Alpenvorland. Beginnend an der Bundesstraße 12 bei Marktoberdorf verläuft sie über Schongau, Peißenberg, Bad Tölz und Miesbach, wo sie an der Anschlussstelle Irschenberg der A8 endet. Um die an der Strecke liegenden Gemeinden zu entlasten, wurde Schritt für Schritt der Bau von Ortsumgehungen in Angriff genommen – jüngst für das rund 4.000 Bürger starke Hohenpeißenberg.

An diese Vorgeschichte erinnerte Karl Wiebel, Leiter der Abteilung Straßen- und Brückenbau im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, bei der Verkehrsfreigabe am Montagvormittag. Mit der Fertigstellung erhalte die Gemeinde nun ganz andere Möglichkeiten für ihren Ortskern, so Wiebel. Insgesamt 8,5 Milliarden Euro stünden in Deutschland im nächsten Jahr für Straßenbaumaßnahmen zur Verfügung, welche es bestmöglich zu nutzen gelte. Als nächstes steht an der B 472 nun die Ortsumfahrung Huglfing aus.

Der Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim Uwe Fritsch, dem die Begrüßung der geladenen Gäste zufiel, erinnerte sich ebenfalls zurück: „Seit die Idee zu dieser Umgehung in den 1980ern geboren wurde, waren viele an diesem Projekt beteiligt.“ So konnte Fritsch auch beispielsweise drei seiner Amtsvorgänger begrüßen. Froh sei er außerdem darüber, dass man Wort halten und die Straße termingerecht fertig werden konnte.

"Historischer Tag"

„Damit können Sie nur den letztgenannten Termin gemeint haben“, äußerte sich der ehemalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt daraufhin. Schließlich habe es oft Enttäuschungen bei diesem Projekt gegeben, wenn man auf neue Probleme gestoßen war. „Aber Sie alle haben mit Eifer die notwendigen Lösungen gefunden“, sagte Dobrindt in seiner Ansprache. „Das ist ein historischer Tag für Hohenpeißenberg!“ Aber nicht nur eine Entlastung der Bürger sei durch diese Straße möglich, auch mehr Mobilität für die ganze Region bringe diese neue Ost-West-Verbindung mit sich. Und schließlich werde sich die Umgehung auch auf die Lebensqualität für die Gemeinde auswirken. „Die 43,3 Millionen Euro sind wahrlich gut angelegtes Geld“, so der Verkehrsminister a.D.

Dem konnte Bürgermeister Thomas Dorsch nur zustimmen: „Is denn heid schon Weihnachten?“, fragte er sich. Neben der innerörtlichen Entwicklung, die nun möglich seien, stehe vor allem im Vordergrund, dass Ost und West näher zusammenrücken. Der Hohe Peißenberg werde in Zukunft nicht mehr trennend sein, sondern verbindend, so der Bürgermeister. „Aber wir freuen uns trotzdem über Gäste“, versicherte er.

„Viel Ruhe“ wünschte hingegen Landrätin Andrea Jochner-Weiß den Hohenpeißenbergern. Aber nicht nur die, sondern auch die Pendler und alle Anwesenden würden von diesem „Meilenstein“ profitieren. Wegen der Kälte und den vielen zitternden Gästen, verzichtete Jochner-Weiß auf eine längere Rede. Im Anschluss an die Verkehrsfreigabe ging es dann zum Imbiss ins gut eingeheizte Haus der Vereine.

Nächstes Jahr muss dich Umgehung allerdings noch einmal für ein paar Wochen gesperrt werden. Denn auf etwa einem Drittel der Strecke fehlt noch die letzte Deckschicht mit lärm­armen Asphalt. Um diese auftragen zu können, benötigt man mindestens 24 Stunden Temperaturen um die 15 Grad (wir berichteten). Auch die Deponie zwischen Straße und Bahn muss noch abgeschlossen werden. Für Bürgermeister Thomas Dorsch aber kein Problem: „Hauptsache, sie ist jetzt erstmal offen.“

Astrid Neumann

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