Militär gegen jugendliche Maskenmuffel?

Vorschnelle Empörung bei Kommunikation zwischen Stadt und Schulen

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Der ein oder andere Schüler sollte dazu angehalten werden, die Corona-Regeln gewissenhafter einzuhalten. So sieht man es seitens der Stadt.

Schongau – Wie die Stadt darauf reagieren könnte, dass einige Schüler auf dem Gelände des Schulzentrums gegen Corona-Regeln verstoßen, das sollte Gegenstand eines Austauschs werden, zu dem die Verwaltung die Leiter der ansässigen Schulen bat. Weil die interne Mail aber umgehend an Elternschaft und Presse durchgesteckt wurden, war die Aufregung rasch groß. Uniformierte, gar bewaffnete Soldaten am Schulzentrum? Eine völlig überzogene Befürchtung, die sich hätte verhindern lassen, heißt es aus dem Rathaus.

Rund 1.500 Kinder und Jugendliche führt ihr täglicher Weg zum und über das Schulgelände. Sie alle dazu zu bringen, Abstand und Mund sowie Nase wo nötig bedeckt zu halten, ist derzeit Aufgabe einer Kraft, die sich sonst in der Mittagsbetreuung der Mittelschule einbringt. Allein aufgrund des Zahlenverhältnisses eine kaum zu bewerkstelligende Aufgabe – und eine unangenehme noch dazu: „Sie wird nicht ernst genommen, teilweise beleidigt“, schildert Bettina Schade, Geschäftsleiterin der Stadtverwaltung, den Missstand, der auch einem Vater auffiel.

Dieser, selbst bei der Bundeswehr beschäftigt, wandte sich an mehrere Stadträte und brachte einen Vorschlag: Bei seinem Arbeitgeber lasse sich in derlei Fällen ein Antrag auf personelle Unterstützung stellen.

Auf diesem Weg erreichte die Anregung die Verwaltung. „Wir wollten von Anfang an die Schulleiter im Boot haben“, schildert Schade, wie es dazu kam, dass diese per interner Mail um eine Einschätzung gebeten wurden. Eine Besprechung im kleinen Kreis sei das Ziel gewesen. Der Sachverhalt sei bis dahin weder geprüft, noch vorangetrieben gewesen. „Wir hatten noch keinen Kontakt zur Bundeswehr“, erklärt Schade wenige Tage später, am Donnerstag, auf Nachfrage des Kreisboten. Ob diese die Aufgabe überhaupt übernehmen würde – unklar.

Das Problem: Während die Verwaltung auf erste Meinungen wartete, erreichte die Mail bereits die Elternschaft. „Innerhalb von zwei Stunden sind besorgte Anrufe gekommen“, so Schade. Auch die Presse bekam davon Wind, in der Tageszeitung kamen die Schulleiter am Mittwoch zu Wort.

Vor allem Realschulleiter Armin Eder positionierte sich als Gegner der Bundeswehr-Idee. „Man stelle sich das vor, das Panzerrohr eines Leopards an der Bushaltestelle auf die Schüler gerichtet, die das Maskentragen verweigern“, ließ er sich zitieren. Übertrieben, aber: Schon der Ansatz, die Bundeswehr „gegen unsere Schüler einzusetzen“, sei daneben.

Sie sei schockiert von dem Bild, das da gezeichnet werde, sagt Schade. „Da fehlen mir die Worte.“ Überhaupt gehe es lediglich darum – wenn überhaupt – ein oder zwei Soldaten in Zivilkleidung einsetzen zu lassen.

Wie geht es jetzt weiter? „Die Reaktion von Herrn Eder war nicht so erfreulich“, hält Esther Laue, Sachbearbeiterin im Kinder- und Jugendwesen fest. Bernhard O‘Connor, Leiter des Welfen-Gymnasiums, habe sich noch nicht direkt auf die Mail zurückgemeldet (Stand: Donnerstagmittag). Für die Stadt als Sachaufwandsträger der Grund- und Mittelschule gelte es, vor allem für diese beiden eine Lösung zu finden, so Schade. Deren Rückmeldungen auf die interne Mail seien eher neutral gewesen, schildert Laue. „Wir setzen uns gegebenenfalls zusammen“, blickt Schade voraus.Zu einem bizarren Zwischenfall kam es davon losgelöst indes am Montag auf dem Schulzentrum.

ras

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