Wahlnachlese

Im Schongauer Stadtrat hat sich einiges getan

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So sieht die Sitzverteilung im Schongauer Stadtrat aus.

Schongau – Noch ist unklar, wer neuer Schongauer Bürgermeister wird. Am 30. März fällt die Entscheidung in der Stichwahl zwischen Falk Sluyterman (SPD) und Tobias Kalbitzer (Karl-Heinz Rumgedisse). Es war nicht die einzige Überraschung am Wahlsonntag. Auch im Stadtrat wirbelte Kalbitzer die Sitzordnung kräftig durcheinander.

CSU 

Für die Christsozialen war es ein Wahlabend zum Vergessen. Robert Stöhr verfehlt die Stichwahl ums Bürgermeisteramt mit 22,3 Prozent deutlich (schlechtester Wert aller bisherigen CSU-Bürgermeisterkandidaten), im Stadtrat verliert die Partei 4,7 Prozent und damit einen Sitz. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagt Michael Eberle, auch wenn man stärkste Fraktion bleibe. Dass auch SPD und UWV je einen Sitz an die aufstrebende ALS abgeben müssen, ist da nur ein schwacher Trost. Stöhr habe einen guten Wahlkampf geführt, aber mit seiner zurückhaltenden Art nicht wie andere für Schlagzeilen gesorgt, versucht sich der Ortsvorsitzende an einer Erklärung. Eberle selbst scheinen die CSU-Anhänger weiter zu vertrauen. Trotz Listenplatz im Mittelfeld bekam er die meisten Stimmen, auch Paul Huber wurde trotz Platz 24 wieder ins Gremium gewählt. Überhaupt ist die CSU-Mannschaft nahezu unverändert. Robert Stöhr, der laut Eberle sein Stadtratsmandat annehmen will, ist der einzige Neue. Verjüngung sieht anders aus. „Anscheinend vertrauen die Leute denen, die sie kennen.“

SPD 

Im Gegensatz zur CSU kann die SPD mit der Bürgermeisterwahl bislang zufrieden sein, schließlich hat es ihr Kandidat in die Stichwahl geschafft. Auch wenn Sluyterman mit rund fünf Prozent Vorsprung in die entscheidende Abstimmung geht, haben die Sozialdemokraten gehörigen Respekt vor dem Gegner. „Wir werden Kalbitzer keinesfalls unterschätzen“, betont Stefan Konrad. Der kommissarische Ortsvorsitzende ist neben Martin Schwarz, der von Listenplatz 13 den Einzug schaffte, ebenfalls ein neues Gesicht in der SPD-Stadtratsfraktion. Leidtragender ist der bisherige Fraktionssprecher Max Martin, der die Wiederwahl ebenso verpasste wie Urgestein Peter Huber. Letzterer würde jedoch für Friedrich Zeller nachrücken, sollte dem Landrat die Wiederwahl in der Stichwahl gelingen. Dass er sein Stadtratsmandat im Falle einer Niederlage annehmen werde, habe er zugesichert, erklärt Konrad. Weniger schön aus Sicht der SPD: Auch sie muss in der neuen Wahlperiode auf einen Platz im Gremium verzichten. „Es ist natürlich schade, wenn man kurz vor Schluss noch einen Sitz verliert“, blickt der Ortsvorsitzende auf den knappen Wahlausgang zurück. Das Gesamtergebnis macht eine Blockadehaltung der großen Parteien schwerer, was Konrad jedoch begrüßt. „Mehr Miteinander war ja auch der Wählerwille.“ 

ALS

Die einzige Gruppierung, die am Sonntag die Sektkorken knallen lassen konnte, hieß Alternative Liste Schongau. Mit fünf Sitzen holte sie gleich drei mehr als noch vor sechs Jahren. „Das war schon schwer zu realisieren“, sagt der Ortsvorsitzende Gregor Schuppe, der selbst erstmalig ins Gremium einzog. Bedanken konnte sich seine Gruppierung bei den Wählern von Tobias Kalbitzer. 5656 Stimmen standen für den Bürgermeisterkandidaten zu Buche – Rekord in der Geschichte des Stadtrats. „Aber auch ohne ihn hätten wir unser Ziel, einen Sitz mehr als bisher zu holen, erreicht“, betont Schuppe. Neben Schuppe, den bisherigen Stadträtinnen Nina Konstantin und Bettina Buresch und Tobias Kalbitzer, schenkten die Wähler auch dem ALS-Urgestein Siegfried Müller wieder ihr Vertrauen. „Das zeigt, wie ihn die Schongauer schätzen“, sagt der Ortsvorsitzende. „Mit seiner Erfahrung ist er sehr wichtig für uns.“ Von einer Koalition mit der SPD will Schuppe nichts wissen. „Das ist Quatsch. Uns ist wichtig, das Lagerdenken aufzubrechen. Das ist auch der Auftrag der Wähler.“ 

UWV

Für die UWV war die Wahl am Sonntag doppelt bitter. Erst blieb Ralf Schnabel bei der Bürgermeisterwahl mit 14,6 Prozent weit hinter den Erwar-tungen zurück, dann verlor die unabhängige Wählervereingung auch noch einen Sitz im Stadtrat an die ALS, die den Hauch von 176 Stimmen mehr auf sich vereinte. Der Fraktionschef Stephan Hild macht denn auch aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Wir sind mit Ralf Schnabel angetreten, um zu gewinnen.“ Der Bürger aber habe anders entschieden. Warum, das müsse man jetzt kritisch hinterfragen. „Das Ergeb-nis akzeptieren wir natürlich“, betont Hild. Der Verlust des Stadtratsitzes sei schmerzlich (der langjährige Stadtrat Michael Motz hat deswegen den Sprung ins Gremium verpasst), mit der Anzahl der Stimmen bewege man sich aber auf dem Niveau der letzten Wahl. Bei der UWV ist man nun gespannt, wer das Rennen um das Bürgermeisteramt für sich entscheidet – Sluyterman oder Kalbitzer. Eine Wahlempfehlung werde es nicht geben, sagt Hild. „Am Ende ist doch egal, wer vorne sitzt. Wichtig ist, dass es konstruktiv weitergeht.“

Christoph Peters

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