Diatonisch-blecherner Saitenrausch

Wamba Brass Club und TAIN lassen Wände im Schwabbrucker Kuhstall wackeln

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Mit dem Lechroaner Entertainer Andi Nöß an der Ziach: Wamba Brass Club.

Schwabbruck – Doppelkonzert im Kuhstall: TAIN und Wamba Brass Club lassen im Kuhstall mit Herz und Postpunk die Wände wackeln.

Ein Konzert im Kuhstall in Schwabbruck gleicht manchmal einer Wundertüte. Auch Wirt Stephan Kögl ist überrascht, wie ihm mit TAIN und Wamba Brass Club zwei junge regionale Bands die Bude voll zaubern: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen“.

TAINs Sänger und Gitarrist Uli Weber – schnell als melodisches Herz identifiziert – wirkt wie der große Melancholiker mit Wurzeln im US-Bluesrock und -folk. Irgendwo zwischen The Band und Tom Petty daheim, erweckt er sogar seidigen Neil Young-Sound mit seiner Bluesharp zur Slideguitar von Stefan Kuttig. Und wenn er mit seiner schier metallischen Stimme singt, fragt man sich: „Hey, wa­rum nicht öfter?“. Jürgen Müller, gesanglich präsenter, hat vielleicht nicht denselben Schmelz, bringt aber Melodik à la

Beatles mit – und Druck: Schadet nicht, denn das Rhythmuspaket Jessica „Bel“ Binder/Luzi Kirchner hat mehr drauf. Und wenn es funkig-soulig wird, kommen die Mädels gut in Fahrt.

Mit Wamba Brass Club geht es in eine andere Dimension: die des diatonisch-blechernen Saitenrauschs. Zwölf Stücke der neuen CD „Willkommen“ haben sie mitgebracht, mehr gibt’s noch nicht. Der Bandname könnte zur Annahme verleiten, es handle sich hier um Abklatsch von Brass Banda – grundfalsch. Sänger und ­Ziachspieler Andi Nöß sowie seine Männer haben zwar eine ähnliche Besetzung. Sind aber weniger im Polkarock, sondern im Postpunk unterwegs. „Mit­nand“ und „Andersch“ sind dicke Bretter mit Sozialkritik, die Bad Religion gut gestanden wären. Federleicht antreibender Roots Ska liegt ihnen, das zeigen die Songs wie „Frei“. Und Obacht: Mit „Oma“ und „Jojo“ hat Nöß zwei Songs mit Gemütsschwere geschrieben.

Respekt für den 17 Jahre alten Ersatzmann Martin Strauß an der Trompete und Benno Daxer am Bass. Aber sich dem Charme von Frontman Nöß zu entziehen geht nicht. Er liefert in Songs und Ansagen unverstelltes Entertainment mit viel Witz. Vielleicht seine größte Leistung: Den Einsatz des Lechroanerischen etablieren. Der klingt gesprochen bisweilen hart. Gesungen kann das, wie Nöß mit warmer Stimme demonstriert, aber überaus erwärmend sein. Überraschend anders als der vielstrapazierte oberbayrische Dialekt, der allzu leicht ins Klischee schwappt. 

Klaus Mergel

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