"Ich kann noch einiges bewegen"

Warum Martin Hinterbrandner sich in Bernbeuren nochmals zur Bürgermeisterwahl stellt

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Die UWG wollte ihn nicht mehr zu ihrem Kandidaten machen. Nach längerer Bedenkzeit tritt Martin Hinterbrandner aber wieder an, nun für die SPD.

Bernbeuren – Jener Tag im Oktober glich einem Paukenschlag: Die Fraktion des amtierenden Rathauschefs, die Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), gab Josef Köpf den Vorzug für die anstehende Bürgermeisterwahl. Was folgte, sei eine sehr emotionale Zeit gewesen, erklärte Martin Hinterbrandner. Und machte klar, warum er trotzdem nochmals ins Rennen um das Amt geht.

Noch vor einem Jahr, so Hinterbrandner sei er davon ausgegangen, dass er nach einer erfolgreichen Amtszeit „wieder antritt“. Mit einem Mal aber, vor drei Monaten, „war es für mich nicht mehr so selbstverständlich, dass das so kommt“. Er steht allein vor seinem Pu­blikum, um die 200 Bernbeurer sind der Einladung in die Auerberhalle gefolgt; Menschen, so Hinterbrandner, die sich Zeit genommen haben, um von ihm persönlich zu erfahren, was ihn bewegt habe, vor allem aber warum er wieder antritt – als Kandidat der SPD. Hinterbrandner wirkt wie ein Sportler, der sein Comeback verkündet nach einem Kampf. Siegreich und doch geschlagen.

Nach der Nominierungsversammlung habe er sich Zeit verordnet: „Was will ich jetzt eigentlich, welche Möglichkeiten, vor allem Alternativen habe ich?“. Er habe die letzten sechs Jahre nochmals bewertet. Besonders habe er sich eine Frage gestellt, die er dann im Laufe des Abends auch versucht zu beantworten: „Was bring ich eigentlich mehr mit, was kann ich besser vorantreiben als Bürgermeister in Bernbeuren als andere?“

Erfolgreiche Amtszeit

Seine Antwort, mit der „Rückendeckung“ seiner Familie und Freunde, sei: „Ja, die letzten sechs Jahre waren eine erfolgreiche Amtszeit, da ist durchaus was passiert“. Und „es gibt so viel, was wir zusammen mit dem Gemeinderat vorbereitet haben, was anpackt‘ is und was auf den Weg gebracht ist, dass das auch so weitergehen kann“.

Seine Gedanken, die auch um die emotionale Dimension, um die menschliche Seite oder die „unsachlichen Themen“ kreisten, mündeten in zwei Fragen: „Muss ich wieder kandidieren?“ und „Will ich wieder kandidieren?“.

Er müsse, um die einfachere Frage zu beantworten, nicht Bürgermeister bleiben. Vor sechs Jahren sei er angetreten mit dem Wissen, sich 2020 eventuell etwas Neues suchen zu müssen. Doch wer als Bürgermeister abgewählt wird und anschließend keinen neuen Job findet, den habe man zu Recht abgewählt. Er habe Alternativen.

In der Region treten einige Bürgermeister ab, viele müssen neu gewählt werden. So gehe viel Wissen verloren. Er selbst lasse sich nicht drängen, niemand habe ihn vorgeschoben oder überredet. Und ohne es auszusprechen meint er damit wohl auch die Umstände seiner gescheiterten Nominierung für die UWG im Oktober. Er sei vor sechs Jahren angetreten und gewählt worden, weil er es so gewollt habe und weil er der Überzeugung war, dass „es für mein Heimatdorf das Richtige ist“.

Nicht alles gefallen lassen

Nur gefallen lassen müsse er sich nicht alles, sagt Hinterbrandner, der ebenso wie seine Familie, vor allem seine Töchter, nicht nur in den sozialen Medien Opfer unschöner Kommentare geworden ist. Dieser fehlende Respekt sei ihm durchaus auf den Magen geschlagen, insbesondere, wenn man ihn attackiere ohne zu sagen, um was es geht.

In seiner Amtszeit sei sicher nicht alles richtig gewesen und elegant gelöst worden. Richtig sei, dass er als Bürgermeister in der öffentlichen Wahrnehmung der Verantwortliche ist, egal wie die eine oder andere Entscheidung zustande gekommen ist. Übel aber sei gewesen, dass plötzlich von anonymen Hinweisen die Rede gewesen war. „Das ist illoyal, vor allem gegenüber dem Gemeinderat“, fasst Hinterbrandner seine Sicht auf Indiskretionen zusammen.

Am Ende all dieser Überlegungen habe die Familie entschieden: „Dann trete ich an, weil ich noch einiges zu tun habe“. Er lasse sich nicht den Schneid abkaufen, möchte die Dinge zu Ende bringen. Vor allem wolle er sich nicht madig machen lassen, was er gemeinsam mit seinem Gemeinderat erreicht habe. „Da war etliches dabei, was wir geschafft haben.“

Er wisse, was auf den Ort zu- und worauf es ankommt, und wo und wie man Unterstützung kriege. Vieles habe Fahrt aufgenommen, diesen Schwung müsse man nutzen, meint Hinterbrandner. „Ich bin überzeugt, dass ich noch etwas bewegen kann in Bernbeuren“. Dafür spreche nicht nur seine Erfahrung sondern auch das Netzwerk, auf das er zurückgreifen könne.

Mit der Entscheidung anzutreten sei aber auch die Frage verbunden gewesen: „Wie komme ich auf den Stimmzettel?“. Es sei gut, wenn es eine Auswahl gebe, und wichtig, dass die Kandidaten für sich werben müssten. Nur so erkenne man, ob Überzeugung dahinter steckt.

Dass Hinterbrandner nun für die SPD auf dem Wahlzettel steht, habe ihm Zeit für die Entscheidung verschafft und für die Nominierung. Und dass er ein „Sozi“ sei, dürfte wohl kein Geheimnis sein, das habe man an seiner Einstellung erkennen können. Aber er habe sein Amt immer politisch neutral ausgeübt, betont Hinterbrandner zum Abschluss seines „Vorworts“ an diesem Abend.

Oliver Sommer

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