»Bayerische Bisons« in der Sperberau

Landkreisübergreifendes Beweidungsprojekt bei Birkland

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Ungewohnter Anblick: Im Schatten einiger Kiefern und Fichten ruhen sich zwei Murnau-Werdenfelser Kühe aus. Als „Landschaftspfleger auf vier Beinen“ helfen sie neuerdings, den lichten Wald in der Sperberau als Lebensraum von bedrohten Arten zu erhalten.

Birkland – In Zusammenarbeit mit Kommunen, Fachbehörden und Landwirtschaft hat der Verein Lebensraum Lechtal ein neues Beweidungsprojekt in der Lechaue bei Birkland gestartet. Noch vor wenigen Jahren drohten hier übermäßig aufkommende Fichten und Gräser gefährdete lichtliebende Tier- und Pflanzenarten zu verdrängen. Jetzt entsteht ein neuer Trittstein für den Biotopverbund am Lech. Das Besondere: Erstmals findet so ein Projekt grenzüberschreitend zwischen zwei Landkreisen – Weilheim-Schongau und Landsberg – am Lech statt.

Die Sperberau ist ein abgeschiedener Uferabschnitt des Lechs, den nur wenige Naturliebhaber und Fischer kennen. Benannt ist die Aue nach dem nahe gelegenen Sperber-Hof auf Birklander Gemarkung. Neuerdings hört man hier Kuhglocken läuten und ein Elektrozaun spannt sich über den Uferpfad.

Gebietsbetreuer Stephan Jüstl vom Lebensraum Lechtal erklärt, was es damit auf sich hat: „In der Sperberau konnte sich kleinflächig ein wenig ursprüngliche Lech-Natur erhalten. Hier gibt es seltene Orchideen wie das Knabenkraut und Schmetterlinge wie den Mohrenfalter, die ein Erbe der ehemaligen Wildflusslandschaft sind.“ Doch nach Zähmung des Lechs durch den Staustufenbau und Aufgabe alter Nutzungsformen wie der bis zum Krieg üblichen Waldweide hat sich die Landschaft stark geändert. Fichten und dichtes Gras wuchsen auf und nahmen den lichtliebenden Tier- und Pflanzenarten sukzessive den Lebensraum weg.

„Wir haben bereits vor sechs Jahren erste Entbuschungsarbeiten als Erste-Hilfe-Maßnahme für die bedrohten Arten durchgeführt“, erläutert Jüstl. „Auch das Wasserwirtschaftsamt als Grundeigentümer hat uns Gott sei Dank unterstützt. Die Flussmeisterstelle hat mehrfach in den letzten Jahren mit schwerem Gerät ausgeholzt und so die letzten Wacholder und Lech-Kiefern davor bewahrt, von Fichten verdrängt zu werden.“ Weil auch nach Auflichtung und Entbuschung aber das Problem dicht aufwachsender Gräser nicht gelöst ist, musste eine Lösung her. Gute Erfahrungen hatte man mit einer naturschutz­orientierten Beweidung ähnlicher Flächen bei Gründl und Burggen gemacht. Auch Naturschutz- und Forstbehörden stimmten einem entsprechenden Vorschlag des Vereins zu. Ebenso mit den örtlichen Fischern, Jägern und der Schongauer Papierfabrik als Eigentümerin von Teilflächen wurde das Vorgehen besprochen.

Das Besondere: Die schützenswerte Biotop-Fläche ist zwar nur wenige Hektar groß, liegt aber auf drei verschiedenen Gemarkungen – Peiting, Hohenfurch und Kinsau – und sogar in zwei Landkreisen. Deswegen mussten entsprechend mehr Behördenvertreter eingebunden werden, wie sich der Gebietsbetreuer erinnert: „Da wir jedoch eh im ganzen Lechtal aktiv sind und die Kollegen der Wasserwirtschafts-, der Forst- und der Naturschutzverwaltung auch jeweils in unserem Fachbeirat tätig sind, kennt man sich gut. Die Zusammenarbeit lief toll, alle haben an einem Strang gezogen!“ Federführend beteiligt war in fachlichen Fragen und auch durch Bereitstellung der benötigten Gelder die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Weilheim-Schongau.

Nach längerem Suchen wurde auch ein Landwirt als Partner für die zukünftige Pflege der Fläche gefunden: Die Familie Pröbstl vom Sperber-Hof führt einen großen Milchviehbetrieb und knüpft mit dem Beweidungsprojekt in der Sperberau an alte Familientradition an: „Schon meine Vorfahren haben ihr Vieh in die Lechaue getrieben“, so Markus Pröbstl. Ein Einsatz seiner Milchkühe auf den mageren Kiesböden kam für ihn jedoch nicht in Frage: „Da braucht‘s robuste Tiere, die auch mit schwierigem Gelände und zäher Kost zurecht kommen.“ Der junge Landwirt hat sich deswegen kurzerhand entschieden, ein paar Murnau-Werdenfelser Rinder zu kaufen. „Diese ‚Bayerischen Bisons‘ sind urige Viecher, gute Fresser und wie gemacht für den Einsatz in der Landschaftspflege“, freut sich Jüstl. Besondere Tiere also für ein besonderes Naturschutzprojekt.

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