So weit die Kerne fliegen – Neigungswinkel und Luftausstoß entschieden beim Kirschkernweitspucken

Hias Linder hielt mit 9,62 Metern lange die Bestmarke, wurde dann aber von Daniel Gramberg um 45 Zentimeter geschlagen. Foto: Herold

Citius, altius, fortius oder zu deutsch: Schneller, höher, weiter. Das ist seit Generationen das unumstrittene Motto der Olympischen Spiele. Ein Teil dieses olympischen Gedankens hat beim Gartenfest der Gemeinde Schwabsoien mitgespielt: Weiter. Nicht etwa laufen oder springen, nein – spucken war für diesen besonderen Wettkampf angesagt.

Dass ein spannender Wettbewerb mit wenigen finanziellen Mitteln organisiert werden kann, hat das Spiele-Team der örtlichen Blaskapelle beim diesjährigen Gartenfest bewiesen. Zwölf Meter Papiertischdecke, vier Dachlatten, eine Bierbank und acht Kilogramm fruchtige Herzkirschen sorgten für Hochstimmung und Höchstleistungen neben dem Gemeindehaus. Es wurde derjenige gesucht, der einen Kirschkern am weitesten spucken kann. Die Spielregeln, von Spielleiterin und Tenorhornspielerin Simone Linder ausgegeben, waren kurz und verständlich. „In der Bahn bleiben, nicht übertreten, Aufschlagpunkt zählt!“ Dirigent Gerhard Schmid hatte die Idee zu dieser Disziplin. War es im letzten Jahr das „Maßkrugschieben“, welches zum Leidwesen der örtlichen Burschen ein Schwabbrucker für sich entscheiden konnte, sollten in diesem Jahr die Kirschkerne fliegen. Möglichst in einem optimalen Winkel und einer sehr langen Flugbahn. Der Preis der Begierde: Ein 30 Liter Fass Bier. Dirigent Gerhard Schmid setzte die erste Marke, an der sich die anderen orientieren konnten. Während Flöte und Posaune zwischen vier und fünf Meter pendelten, spuckte der Dirigent mit 8,65 Meter über einen Meter an der Tuba vorbei. Weitere Versuche entpuppten sich als Blindgänger, er griff lieber wieder zum Dirigentenstab. Eine weitere Bestmarke setzte Hias Linder, der sich als total unmusikalisch bezeichnete. Aber blasen, oder besser gesagt spucken, kann er. Bei 9,62 Meter schlug sein Kern ein, Klarinettenspieler Andreas Hartmann zeichnete schnell das Kreuz des Einschlagpunktes auf das weiße Tischtuch. Den Kern sicherte Georg Pröbstl, stilvoll mit weißen OP-Gummihandschuhen ausstaffiert. „Zur späteren Genkontrolle“, wie er es scherzend nannte. Scherzend ging auch Trachtler und Feuerwehrvorstand Fritz Linder an den Start. Lang befreite er im Mund den Kern vom Fruchtfleisch, immer dabei erklärend den passenden Kommentar auf den Lippen. Sein Versuch, beim Spucken auch die passenden Worte zu finden, scheiterte kläglich. Fritz holte Luft, untermalt durch seinen verbalen Beitrag und – verschluckte den Kern vor jolender Menge. Linders trockener Kommentar bleibt nicht aus: „Das ist meine Sportart. Ich hab gedacht, den verschluck ich, dann weiß ich, was ich hab.“ Stefan Huber war es, der den bis dahin führenden Hias Linder überspuckte. Einiges musste er dafür investieren, schließlich wurde eine Kirsche für einen Euro an den Mann gegeben. Oder auch an die Frau: Ida Schleich trat stilvoll im Dirndl an und spuckte sich auf gute 6,50 Meter. Damit hatte sie locker die Flöte und Posaune der Männer gepackt. Die Tuba steckte Simone Linder in die Tasche. Zehn Zentimeter mehr brachten ihr die stolze Weite von 7,30 Meter. Damit stellt sie unter Beweis, dass ein weibliches Tenorhorn mehr Luft hat, als eine männliche Tuba, zumindest in der Schwabsoier Blaskapelle. Den Schneiderpreis bei den Frauen erhielt Resi Ranz, bei der das Fruchtfleisch noch ihre Schuhspitzen traf. Die Männer steigerten ihre Leistungen. Während Andreas Echtler bei einem Versuch gleich Hut und Brille verlor und damit im weiteren Versuch ohne Brille neben die Bahn spuckt, sorgte Fabian Sepp für einen Aufhorcher. Mit 9,83 Meter überflügelte er um acht Zentimeter den Stefan Huber. Bürgermeister Konrad Sepp sah sich schon als Mitbesitzer der 30 Liter Fasses, als Daniel Gramberg seinen Jahrhundertspuck hinausfetzte. „Zehn Meter null sieben“ schrie Andreas Hartmann der Menge zu, der Gerstensaft hatte seinen würdigen Besitzer gefunden.

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