Landesamt für Denkmalpflege hat entschieden

Grünes Licht für Abriss der Haindl-Häuser

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Um das Nadelöhr UPM-Einfahrt künftig umzugestalten, gilt die Entscheidung der Fachbehörde, die Haindl-Wohnblöcke nicht als erhaltenswert einzustufen, als richtungsweisend.

Schongau – Rückt eine Verbesserung der Verkehrssituation rund um die UPM-Einfahrt an der Peitinger Straße näher? Mittlerweile steht das Ergebnis der monatelangen Untersuchung fest, die das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege angestellt hatte. Aufgabe der Fachbehörde war es zu klären, ob die alten Haindl-Wohnblöcke oder sogar Teile des Werksgeländes unter Denkmalschutz zu stellen seien. Mittlerweile ist klar: Keines der Gebäude wird als erhaltenswert klassifiziert.

Für UPM dürfte es eine große Erleichterung sein: Weil die Verkehrssituation an der Peitinger Straße angespannt ist, wird immer wieder der politische Ruf nach einer baulichen Lösung laut. Vor allem die Einfahrt zum Werksgelände mit der dazugehörigen Ampelanlage und der scharfen Kurve, die täglich von zahlreichen schweren Lkw frequentiert wird, gilt als wenig zeitgemäß. Nun hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bestätigt, dass es bei einem Abriss der Haindl-Werkswohnungen auf der Südseite der Peitinger Straße keinen Einspruch einlegen würde.

„Ein Denkmal ist eine vom Menschen geschaffene Sache oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, städtebaulichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt“, geht aus Artikel 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes hervor. Trifft das auf die Haindl-Bauten zu oder nicht? Falls ja, hätte ein Nachtrag auf der Denkmalliste Veränderungen beträchtlich erschwert, ein Abriss zugunsten einer veränderten Einfahrt wäre in weite Ferne gerückt.

"Denkmal der Sozialgesinnung"

Die fünf dreigeschossigen Mietshäuser auf der Südseite der Peitinger Straße waren in den Jahren 1921 und 1951 von der damaligen Firma Haindl, die 2001 an UPM ging, errichtet worden, um Wohnplätze für Arbeiter zu schaffen. „Es ist schon so, dass die Häuser typisch für die Schongauer Orts­einfahrt sind“, bewertet Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer. „Sie sind ein Denkmal der Sozialgesinnung der damaligen Unternehmer.“ Doch, und das sei für eine sogenannte Nachqualifizierung in der bayerischen Denkmalliste nun mal entscheidend: „Die notwendigen Standards erfüllen sie nicht.“

„Angesichts der insgesamt bescheidenen baulichen Qualität, der heterogenen Entstehung und der starken baulichen Veränderungen der Anlage ist kein Nachtrag in die Denkmalliste erfolgt“, teilt Dorothee Ott, Pressesprecherin des Landesamts für Denkmalpflege, in einem Schreiben mit. Denn vom ursprünglichen Erscheinungsbild der Wohnblöcke sei zu wenig Substanz erhalten: „Sämtliche Gebäude sind im Inneren und im Hinblick auf die Ausstattung – zum Beispiel Türen und Fenster – immer wieder umgebaut und erneuert worden.“ Das sieht auch Schmidbauer so, der die Häuser im vergangenen Herbst und im frühen Winter gemeinsam mit Dr. Detlef Knipping, beim Landesamt zuständig für Nachqualifizierungen, unter die Lupe genommen hatte.

Experten auf dem Werksgelände

Doch nicht nur die Wohnblöcke standen im Interesse, auch im Inneren des Werksgeländes hatten sich die Fachmänner umgeschaut. Denn schon im Jahr 1887 war in Schongau die damalige „„Holzstoff-Fabrik Friedrich Haindl und Companie“ gegründet worden. Bestand ihre Aufgabe zunächst darin, als Zulieferer für die Haindlschen Papierfabriken in Augsburg zu fungieren, so wurde ab 1905 auch am Schongauer Standort Papier hergestellt.

Die baulichen Zeugnisse dieser langen Geschichte sind teils noch auf dem gesamten Areal zu finden. „Der weiträumige Gebäudekomplex ist in unterschiedlichen Bauphasen entstanden“, hält das Schreiben der Denkmalpfleger fest. Doch immer wieder seien auch starke Veränderungen realisiert worden. Der älteste Teil, die ehemalige Papierfabrikationshalle von 1905, sei nur noch in der Hülle in Teilen erhalten. Bei anderen Gebäuden, hier nennt das Landesamt exemplarisch die Schleiferei, ließen sich ältere Bestandteile lediglich noch in Ansätzen feststellen. Die „starken Überformungen der vergangenen Jahrzehnte“ seien deutlich abzulesen. „Massive bauliche Veränderungen“ hätten auch das zentrale Verwaltungsgebäude aus den 1950er Jahren und die ehemalige Direktorenvilla erfahren.

Insgesamt, so das Fazit, sei ein Nachtrag der Bauten auf dem Werksgelände in die Denkmalliste genauso wenig angezeigt, wie der der alten Wohnblöcke. „Das mag dem ein oder anderen bedauerlich vorkommen, man kann die Vorschriften und Auflagen aber nicht ändern“, findet Kreisheimatpfleger Schmidbauer. 

Rasso Schorer

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