Bürger-Ideen zum Stadtmauerumfeld gefragt:

Konstruktives Brainstorming

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Wie lässt sich die Stadtmauer und ihr Umfeld attraktiver gestalten? Das untersuchen 15 Stadtplanungsteams.

Schongau – Wie lässt sich das Stadtmauerumfeld mit seinem Grüngürtel attraktiver gestalten? Dieser Frage sollten vergangene Woche Schongaus Bürger im Ballenhaus auf den Grund gehen und konkrete Lösungsvorschläge anbringen. Anlass dazu war der „Städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb“, in dessen Rahmen 15 Planungsteams Konzepte zur Verschönerung des Stadtmauerumfeldes ausarbeiten.

„Schon seit meiner Amtseinführung beschäftigt mich der Grüngürtel um die Stadtmauer“, ließ Falk Sluyterman zu Beginn der Veranstaltung durchblicken. Insbesondere touristisch solle der Bereich um die historischen Altstadt-Mauern künftig besser erschlossen werden. Für das entsprechende Konzept hatte er zuletzt einen Wettbewerb ausgelobt, in dem 15 Planungsteams bestehend aus Landschaftsplanern und Architekten gegeneinander antreten – sieben Teilnehmer werden Büros sein, mit denen sich die Zusammenarbeit in der Vergangenheit bewährt hat; acht weitere werden aus einer europaweiten Ausschreibung ausgelost. Mit Beginn des Wettstreits erarbeiten sämtliche Teams bis Ende Juli ein Maßnahmen-Konzept zum Schongauer Stadtmauerumfeld, ehe im Oktober die beste Arbeit gekürt wird.

Stadtbaumeister Ulrich Knecht fordert von den Teilnehmern „ein einheitliches Konzept“. Besonders wünscht er, den Lech besser ans Stadtmauerumfeld anzubinden und die Wegeverbindung „erlebbarer zu machen“. Potential sei schließlich vorhanden: „Aus dem Naherholungsbereich kann man viel machen.“ Gleichzeitig riet Knecht von zu viel Veränderung ab: „Manchmal ist weniger mehr.“

In dasselbe Horn – mit Fokus auf den Grüngürtel – stieß Burgenforscher Joachim ­Zeune, seit geraumer Zeit von der Stadt mit dem Stadtmauer-Inwertsetzungskonzept betraut: Vor einem Kahlschlag müssten sich die Bürger keinesfalls fürchten. Teile der Flora würden jedoch der Bausubstanz des Walles zusetzen und müssten deshalb entfernt werden.

Betreut wird das gesamte Verfahren vom Münchner Büro ­AKFU-Architekten und Stadtplaner. Deren für das Projekt zuständiger Stadtplaner Till Fischer betonte die Nachhaltigkeit seiner Aufgabe in der Lechstadt: „Wir wollen durch den Wettbewerb einen Rahmenplan erarbeiten, der sich auf lange Sicht entfalten soll.“ Besonders auf vier Vertiefungsbereiche sei das Augenmerk zu legen: den nördlichen Stadteingang,den Bereich oberhalb der Köhler-Villa sowie die Abschnitte vom Sonnengraben bis zum Frauenberg und vom Bahnberg bis zum Kasselturm. Aber nicht nur auf dem Papier gelte es, diese Vertiefungsbereiche anzupacken – der Gesamtsieger des Wettbewerbs erhält im Anschluss, sofern er auch in den finalen Gesprächen überzeugt, den Planungsauftrag für die danach umzusetzenden Bauvorhaben.

Ideen ohne Denkverbote

Was genau an den besagten Stadtmauer-Bereichen entstehen soll und wie sie touristisch besser genutzt werden könnten, dazu haben einige Bürger bereits konkrete Ideen: Geht es nach Kornelia Funke (CSU), solle vor allem das Mittelalter und die Henkersgeschichte thematisiert werden – beispielsweise mit einem Barfußpfad oder dem Einbezug des ehemaligen Gerberviertels. Auch jedes der Stadttore könne als Station für ein mittelalterliches Thema fungieren. Ferner regte Funke ein Podest mit Fernrohr in Richtung des Hohen Peißenberges an.

ALS-Stadträtin Bettina Buresch dagegen warnte davor, die Mauer zu sehr freizustellen. Diese sei zwar „ein prominentes Bauwerk.“ Wer aber dort spazieren gehe, müsse Verkehr und Hangfuß nicht unbedingt sehen. „Spaziergänger wollen eine Wohlfühlatmosphäre.“

Das Verhältnis zwischen einer freien Sicht auf die Mauer und der Bepflanzung sei ein nur schwer lösbarer Konflikt, vermutet Rathaus-Chef Sluyterman. Bekräftigt wurde er in dieser Einschätzung von Stadtplaner Fischer: „Es gibt immer widerstrebende Aspekte in so einem Prozess.“ Aufgabe sei deshalb, unter Abwägung aller Gesichtspunkte die bestmögliche Lösung zu finden. „Und für die wird das Preisgericht dann auch gerade stehen müssen“, so Fischer. Denkverbote wolle er den Bürgern keine setzen. Neben der Beleuchtung der Mauer und der Innenstadt-Attraktivierung für Radfahrer wurde von einer Bürgerin auch in den Raum gestellt, Übernachtungen in den Mauertürmen anzubieten. Ob der Nutzen dabei aber höher sei als die Kosten, hinterfragte Burgenforscher Zeune.

Die weitere Entwicklung des Stadtmauerumfeldes sei mit dem Wettbewerbsergebnis aber keinesfalls in Stein gemeißelt. „Bis gebaut wird, ist noch viel möglich“, weiß Fischer. Das finale Konzept werde schließlich noch weiterentwickelt, das Ideen-Brainstorming mit den Bürgern sei lediglich die erste Etappe gewesen.

Marco Tobisch

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