Vortrag beim Schongauer Seniorenbeirat

Wer bringt den Müll runter – von der Welt?

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Wüssten Sie es? Was gehört hier in den Gelben Sack – und was nicht?

Schongau – Wohin mit dem ganzen Plastikmüll? Diese Frage ist eine sehr aktuelle, neu ist sie aber nicht: Dass der Gelbe Sack, der seit mehr als 20 Jahren im Landkreis zu einer geordneten Entsorgung beitragen soll, immer noch ein „Mysterium“ ist, stellt Claudia Knopp fest. „Was gehört überhaupt hinein?“ und „was passiert danach mit dem Müll?“ – Beim Kenntnisstand der Landkreisbürger lasse sich da noch Luft nach oben erkennen. In der jüngsten Sitzung des Schongauer Seniorenbeirats gab die Expertin von der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft mbH (EVA) Auskunft.

Die Vorstellung wirkt skurril. Weil Ende der Achtziger die Mülldeponien überquollen und die Verbrennungsöfen nicht mehr hinterher kamen, musste die Politik handeln: Die Hersteller wurden gezwungen, Verpackungen zurückzunehmen. Also: Joghurt essen, Becher schnappen und ab damit zur Molkerei.

Weil das wenig durchführbar ist und war, wurde eine Ausnahme geschaffen – das duale System mit Gelber Tonne beziehungsweise Gelbem Sack. In Abstimmung mit den Landkreisen wurde dieses duale System ausgeschrieben – mittlerweile gibt es neun davon, die untereinander auch konkurrieren.

Fein raus waren und sind die Hersteller damit aber nicht. „Sie müssen sich beteiligen und Menge und Material ihrer Verpackungen melden“, erklärt Knopp. Die Finanzierung trägt auch der, der die Ware kauft – über deren Preis. „Deshalb hat der Gelbe Sack auch nichts mit Müllgebühren zu tun.“

Hersteller, deren Produkte ein großes Müllaufkommen bedingen, müssen also mehr zahlen. Das hat erfreuliche Entwicklungen angestoßen: Verpackungen wurden optimiert, Flaschen beispielsweise dünnwandiger. Doch Müll wird immer mehr als Problem erkannt – und ist es schon lange. Gerade einmal 49,7 Prozent der Kunststoffverpackungen in Deutschland werden recycelt, der Rest verbrannt – Kunststoff basiert wohlgemerkt zu weiten Teilen auf Erdöl – oder exportiert. 700.000 Tonnen Kunststoffmüll lud Deutschland auf diesem Weg zuletzt pro Jahr anderweitig ab. „Wir haben durchaus unseren Anteil am Meeres-Plastik“ rechnet Knopp vor.

Dabei kann der Bürger selbst durchaus Einfluss nehmen, wie viel unrecycelten Plastikmüll er mitverantwortet. Denn auch wenn viele Verpackungen seit Einführung des dualen Systems verbessert wurden: Seit 1997 ist die Menge an Kunststoff-Verpackungsabfällen in Deutschland um 100 Prozent gestiegen (Karton-Verpackungsabfälle um 48 Prozent). Die Bundesrepublik produziert die meisten Verpackungsmengen in der EU.

Knopp benennt einige Gründe. Der Distanzhandel nimmt zu, der Anteil vorportionierter Lebensmittel, verpackter Scheibenware wie Wurst und Käse, vorgepackter Thekenware und von Convenience Food steigt ebenso, wie der Außer-Haus-Konsum „to go“. Weil durchschnittlich immer weniger Personen pro Haushalt zusammenleben, reagiert der Handel mit kleineren Füllgrößen. Einweg-Kunststoff ersetzt häufig Mehrweg-Verpackungen und Materialien wie Glas und Papier. Früher langlebigere Güter wie Elektrogeräte und Möbel werden häufiger durch Neuanschaffungen ersetzt.

Die Müllproblematik schon in die Kaufentscheidung einzubeziehen, dazu ruft Knopp auf. „Wir haben als Verbraucher durchaus Macht“, sagt die Expertin und verweist auf das Beispiel Zahnpasta: Nachdem bekannt geworden war, dass Mikroplastik hierin ein nicht seltener Bestandteil sei, reagierten die Hersteller. „Zahnpasta ist mittlerweile mikroplastikfrei“, so Knopp.

Daneben obliegt es dem Verbraucher, seinen Müll auch richtig zu sortieren. Denn in den Gelben Sack gehören nur Verpackungen. „Anders als bei Altpapier, Biomüll oder Glas ist hier nicht das Material, sondern die Funktion entscheidend“, betont Knopp. Und da fällt die Unterscheidung bisweilen schwer: Blumen-Übertopf, Teebeutel, Wursthaut, Kleiderbügel, CD-Hüllen – was gilt als Verpackung, was nicht? Gesetzlich ist dies genau vorgegeben. Doch diese Fülle an Bestimmungen überblickt der Bürger kaum in ihrer ganzen Breite.

„Wir müssen uns wieder Gedanken und es uns hier und da ein bisschen unbequemer machen“, appelliert Knopp. Dass alles sauber und umweltverträglich geregelt ist, sei ein Trugschluss, „auf dem wir Verbraucher uns zu lange ausgeruht haben“. Die Politik agiere zu konzernfreundlich. „Es gibt zu wenige Vorgaben, hier sollte mehr verboten werden.“

Denn auch, wenn es vor der eigenen Haustür oft angenehm sauber scheint: „Die Kunststoffproduktion sorgt für zehn bis 15 Prozent der Klimagase“. Dass der Müll aus den Augen und aus dem Sinn verschwindet, geht hier nicht mehr auf: Spätestens mit dem Klimawandel kehrt die Problematik auch wieder ins Schongauer Land zurück.

Schon längst in der hiesigen Umwelt angekommen ist auch das Mikroplastik. Größte Quelle ist der Abrieb von Reifen. Und abermals ist der Bürger gefragt: Großes Auto, große Reifen – braucht es das wirklich? 

Tipps zum Recycling

So lässt sich Ihr Müll besser recyceln:

• Den Gelben Sack locker befüllen und nicht zusammendrücken

• Verpackungen nicht ineinander stapeln

• Aluminium zum Beispiel vom Joghurtbecher abziehen und nicht knüllen

• Getränkekartons kann man flachdrücken, muss man aber nicht

• Joghurtbecher mit Banderole: Banderole entfernen und ins Altpapier

• Dosen in den Gelben Sack oder in den Dosencontainer

• Verpackungen müssen nicht ausgewaschen werden: löffelrein, tropffrei oder pinselrein ist genug

• Bei Tiefkühlkostverpackungen abwägen: Reine Pappe oder Pappe-Folien-Verbund?

Stofflich recycelbare Verpackungen:

Folien, PE-Flaschen, Getränkekartons/Tetra-Pak, Metalle (Aluminium und Weißblechdosen), Becher etc. aus PP oder PS (Joghurt, Sahne, Quark, etc.), helle und transparente PET-Verpackungen, Pappe

Energetisch recycelbare Verpackungen (zu verbrennen):

Schwarze oder dunkle PET-Verpackungen, Multilayer-Verpackungen (z.B. für Fleisch, Wurst, Käse), Tüten mit Trockensuppen (diese Verbunde lassen sich nicht trennen), kleinste Verpackungen

Tipps zum Einkaufsverhalten

• Je länger und öfter verwendbar, desto besser (z.B. Thermobecher, Brotzeitdosen, Einkaufstaschen, Klappkisten, Körbe, Trinkflaschen, Obstnetze, nachhaltige Textilien , Second Hand, Kleidertausch)

• Mehrweg statt Einweg (umsetzbar z.B. bei Joghurt, Sahne, Getränken)

• Leitungswasser statt Einwegwasser

• Je einfacher und weniger verpackt, desto besser (Produkte lose einkaufen; Kleinstverpackungen vermeiden)

• Frische Produkte kaufen (keine Fertiggerichte und Convenience)

• Regionale Produkte vor Ort kaufen (saisonal; geringerer Transportaufwand und weniger Verpackung)

• Fest statt flüssig (z.B. Shampoo, Duschgel, Deo, Seife, Waschmittel)

• Karton statt Kunststoff

• Effizienter, sparsamer Verbrauch (z.B. weniger Reiniger, Waschmittel, Shampoo, Duschgel etc. verwenden beziehungsweise dosieren)

• Gläser als Verpackung verwenden (auch zum Einfrieren geeignet)

• Do it yourself – mal selber machen (Lebensmittel, Kosmetik, Putzmittel)

• Produkte ohne Mikroplastik benutzen

ras

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