Bernbeurer Schnitzerstadel

Sprachlos in München

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Im Oktober 2017 rückte schon einmal eine Abrissbirne am Schnitzerstadel an – allerdings nur für die dortige Demo. Dass die Bernbeurer nun Ernst machen und damit gegen geltendes Recht verstoßen könnten, ist ihnen vergangene Woche unterstellt worden.

Bernbeuren – Die vergangene Woche, sie war die turbulenteste, seit die Bernbeurer den alten Schnitz-Stadel durch einen Feneberg-Neubau ersetzt sehen wollen. Das sagt Bürgermeister Martin Hinterbrandner. Überraschend war die Petition der Auerberg-Gemeinde schon für Mittwoch vergangener Woche auf der Tagesordnung des Wissenschaftsausschusses im Landtag gelandet. Und dort verschlug es dem Gemeindeoberhaupt vorübergehend richtiggehend die Sprache. Die Angelegenheit geht in die nächste Runde, ein neuerliches Gespräch binnen der nächsten drei Wochen ist das nächste Kapitel der Causa Schnitzerstadel.

Rund zwei Jahre dauert die Hängepartie bereits an, doch am Dienstag sollte es ganz schnell gehen: Da erfuhr Hinterbrandner, dass die Bernbeurer Petition schon tags darauf Gegenstand der Wissenschaftsausschusssitzung sein sollte. Bis dahin hatte der 26. September als Termin gegolten, doch kurzfristig kam alles ganz anders.

Politisches Kalkül? Diese Frage stellt sich zumindest das Gemeindeoberhaupt. „Wir wollten mit einem Bus und 50 Leuten nach München“, sagt Hinterbrandner, der sich vorab auch gern mit dem ein oder anderen Abgeordneten persönlich ausgetauscht hätte. Zu beweisen sei es freilich nicht, dass man – das Landesdenkmalamt – den Bern­beurern willentlich die Möglichkeit genommen habe, zahlreich zu erscheinen und sich nochmals vorab zu äußern. „Zu widerlegen ist es aber auch nicht“, sagt der Bürgermeister. „Ein Geschmäckle bleibt.“ Und er stellt die Frage: „Was wäre gewesen, wenn ich nicht vor Ort hätte sein können?“ In dem Fall hätte der Ausschuss das Bernbeurer Anliegen abgelehnt, ist er sich sicher.

Der Grund für diese Vermutung ist derselbe, der auch für die vorverlegte Besprechung der Angelegenheit ursächlich ist: Ausschussmitglied Thomas Goppel meldete „Gefahr im Verzug“. Das Gerücht, die Bagger stünden am Stadel schon bereit, um widerrechtlich Fakten zu schaffen, war gestreut worden. Von wem, weiß Hinterbrandner nicht. „Ich bin nicht schüchtern“, sagt er. Doch angesichts dieser „Unverschämtheit“ habe es ihm die Sprache verschlagen.

„Wir akzeptieren geltendes Recht“, stellt der Bürgermeister entschieden klar. Dagegen zu verstoßen, sei niemals angedacht gewesen. „Das wäre ja auch bescheuert“, echauffiert sich Hinterbrandner. Seit zwei Jahren bemühe man sich, den korrekten Weg zu beschreiten. „Das hätten wir uns dann ja komplett sparen können.“ Zumal so kurz vor dem lange ersehnten Termin vor dem Wissenschaftsausschuss. „Wir wollen Recht, weil wir Recht haben“, sagt Hinterbrandner. Zum im Raum stehenden Vorwurf durfte er, der im Zuhörerbereich Platz genommen hatte, sich äußern. Ansonsten war ihm – so ist es üblich – Stillschweigen auferlegt.

Was Prof. Mathias Pfeil erläuterte, sei Hinterbranders Ansicht nach aber „kommentierungswürdig gewesen“. Der Generalkonservator des Landesdenkmalamts führte aus, das Ensemble aus Wirtshaus und Stadel sei ortsbildprägend, der Status des seit 2017 auch als Einzeldenkmal eingestuften Stadels berechtigt. Eine Umnutzung des Gebäudes sah er als möglich – doch genau daran scheiden sich seit zwei Jahren die Geister, weil Feneberg und Gemeinde die Wirtschaftlichkeit eines Verbrauchermarkts im alten Stadel für nicht gegeben halten. „Manches, was Prof. Pfeil gesagt hat, sehen wir anders und halten es für seine eigene Interpretation“, so Hinterbrandner.

Er wundert sich, dass zwei Gutachten der Gemeinde kein Gehör fanden. „Die habe ich den Fraktionen vorab zukommen lassen“, sagt Hinterbrandner. Sonst, so seine Vermutung, seien sie den Ausschussmitgliedern wohl unbekannt geblieben. „Aber ist das meine Aufgabe?“, fragt der Rathauschef. Das Denkmalamt rede viel über, aber selten mit Bernbeuren.

Gelegenheit, selbst nochmals Gehör zu fingen, bietet sich in Kürze. Der Wissenschaftsausschuss sprach sich für ein weiteres Vor-Ort-Gespräch aus. „Führen wir‘s“, seufzt Hinterbrandner, der nicht glaubt, dass dabei weitere Erkenntnisse zutage treten. Binnen der nächsten drei Wochen soll der Termin nicht-öffentlich über die Bühne gehen. Zur Entscheidung auf die Tagesordnung des Wissenschaftsausschusses kommt die Angelegenheit aber vor der Landtagswahl am 14. Oktober nicht mehr. Es bleibt Geduld gefragt.

ras

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