Viel vor in Sachen Energiewende

Solarauto SION erstmals in Schongau vorgestellt

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Stargast bei der „Woche der Sonne“ im Schongauer Bauhof war der SION eines regionalen Start-up-Unternehmens.

Schongau – Der Slogan stammte zwar von einem Erdöl verarbeitenden Konzern, doch für die Energiewende darf man ihn sicher ausborgen: Es gibt noch viel zu tun. Die Ladeinfrastruktur für Elektroautos muss, ebenso wie die Zahl der Photovoltaik- und Solarthermieanlagen, noch ausgebaut und Gebäude weiter thermisch ertüchtigt werden, damit die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen abnimmt. Beim Thema Elektromobilität ist man da schon einen Schritt weiter, ein Start-up-Unternehmen aus der Region zeigte jetzt anlässlich der bundesweiten „Woche der Sonne“ den fast schon produktionsreifen SonoMotors SION.

Reichlich unspektakulär wirkt der Stargast auf dem Bauhof der Stadt Schongau zwischen den beiden Stromern der Lechwerke. Dabei hat der ganz in schwarz gehaltene SION den anderen Elektroautos viel voraus: Er ist ein „Allzweckauto“, besitze eine Anhängerkupplung und Steckdosen, die ihn zur Ladestation machen. Und er produziert den Strom für sich selbst, mit Hilfe von gut acht Quadratmetern Solarpanele, die die Energie der Sonne in Strom verwandeln. Und er ist – im Gegensatz zu den meisten bisherigen Sonnen-Elektroautos – nicht nur ein Viertürer, sondern auch vollwertiger Viersitzer mit Kofferraum.

Nicht zuletzt deshalb freut sich die Familie Kleinknecht aus Ingenried, den Sion endlich einmal live sehen und anfassen zu können. Denn der Arzt gehört zu den ersten, die eines der rund 16.000 Euro günstigen Elektroautos bestellt haben und kaufen wollen. Noch gibt es nur diesen Prototypen, der auch noch keine Straßenzulassung besitzt. Dafür aber kann man schon einmal eine Runde auf dem Bauhofgelände drehen und mit jedem Meter, den Annette und Hans Kleinknecht unter Anleitung von Julius Zimmer, einem der beiden Vertreter von SonoMotors, machen, wächst die Begeisterung. „Wir wollen die Idee unterstützen“, so Dr. Kleinknecht, der über einen Zeitungsartikel auf das Münchner Unternehmen aufmerksam geworden war.

Nach ihrem Abitur 2012 ändert ein Telefonat und Gespräch über den Ressourcenverbrauch das Leben von Laurin Hahn und Jona Christians entscheidend. Ein alter Twingo wird für die Idee, die sie haben, mit einem Elektromotor und PV-Modulen ausgestattet. Vier Jahre werkeln die beiden quasi im Hinterhof, ehe sie auf die Designstudentin Navina Pernsteiner treffen, mit der zusammen die Idee zum Konzept wird und das Start-up, dank Crowdfunding, Gestalt annimmt. Es ist auch diese Community, die die Entwickler bei SonoMotors, mittlerweile arbeiten sogar namhafte Ingenieure und der frühere Nissan-Chef für das Start-up, befragen und wissen wollen, was sich die Käufer des Sion – 5.700 sind bereits reserviert – wünschen.

Und das ist weder ein Taglicht oder Einparkhilfe oder andere Gadgets, sondern ein gutes Allzweckauto, so Valentin Isert, einer der Projektleiter bei SonoMotors. Etwa, dass man Power­sharing betreiben kann, also beispielsweise ein E-Bike oder einen anderen Akku mit Hilfe des Autos laden kann. Auch das Thema Car-Ride-Sharing mittels App wird diskutiert, also das Mitnehmen von Menschen, die die gleiche Wegstrecke vor sich haben. Dabei kommen die kleinen Besonderheiten im Auto selbst auch nicht zu kurz, wie etwa die mit Moos gefüllte Belüftung, die für ein frisches Klima sorgen soll. Basis des Sion sind frei verkäufliche Autoteile, sozusagen ein Opensource-Auto, wobei die Software, Linux-basiert, nicht freigegeben werden soll. „Wir sind quasi unser eigener Chassishersteller“, so Zimmer und nutze carry-over-parts.

Nur in Schwarz

Derzeit hat der Sion, den es nur in Schwarz und nur in einer Ausführung geben wird – dafür können die Käufer ihn nach Gusto und auf eigene Kosten individualisieren, also umrüsten oder lackieren lassen – aber noch einiges vor sich. Anfang 2019 soll es den finalen Sion geben, versprechen Zimmer und Isert, dann muss das Fahrzeug alle für die Zulassung notwendigen Tests, inklusive der Crashversuche, absolvieren, ehe es dann, voraussichtlich Ende 2019, in den Verkauf gehen wird. Zuvor allerdings muss noch festgelegt werden, welche Batterie im Auto zum Einsatz kommen wird, die in den 16.000 Euro Grundpreis nicht enthalten ist.

Noch viel zu tun haben aber auch noch andere Hersteller und Anbieter im Landkreis. Beim Treffen auf dem Bauhof fragte Andreas Scharli von der Energiewende Oberland den aktuellen Stand der Dinge ab. Und die Anwesenden erfuhren, dass man gerade dabei sei, die Zahl der Ladesäulen für Elektroautos auszubauen. Dabei schließen sich die Lechwerke dem Innogyverbund an, der deutschlandweit mittlerweile mehr als 2.400 entsprechende Ladesäulen anbietet. Kritik gab es allerdings an der Bezahlweise, da weder Bargeld noch EC-Karte akzeptiert werden; dafür aber mit einem für jeden Ladesäulenanbieter eigenem System, etwa über Smartphoneapps. Dann müsse jeder, der einen Dienstwagen nutzen wolle, ein Diensthandy erhalten, kritisierte etwa ein Mitarbeiter aus der Herzogsägmühle das Verfahren.

Sieht man die Pläne, wird aber schnell klar, dass es weiterhin weiße Flecken auf der Landkarte, vor allem im ländlichen Raum zwischen Lech, Wertach und Günz, geben wird. Für die Stadt und den westlichen Landkreis übernahm es Friedrich Zeller, den Fortschritt bei der Energiewende zu skizzieren. Dabei seien momentan die Ressourcen des Bauhofes an den Umbau des Schulzentrum gebunden,;man sei aber dabei, eine Öl- gegen eine Hackschnitzelheizung auszutauschen, wobei ein Blick auf die Gebäude des Bauhofes deutlich macht, wo die Prioritäten liegen. Auch der Ausbau von Radwegen schreitet voran sowie der für die schon vorhandene Nahwärmeversorgung in der Lechstadt. Hier wird gerade an einem Masterplan gearbeitet.

gau

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