Knappe Entscheidung

Wohnung statt Geschäft: Tabubruch in der Münzstraße

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Wo bislang massiert wird, will künftig die Besitzerin des Hauses wohnen.

Schongau – Es ist eine Entscheidung mit möglicherweise weitreichenden Folgen: Erstmals hat der Bauausschuss dem Wunsch einer Immobilienbesitzerin stattgegeben, eine Gewerbeeinheit im Erdgeschoss an der Münzstraße zur Wohnung umzubauen. Die zentrale Achse der Altstadt galt für derartige Ansinnen bislang als tabu.

Konkret geht es um das Haus mit der Nummer 49 am nördlichen Ende der Münzstraße. Aktuell wird das Erdgeschoss von einem Anbieter für Wellness-Behandlungen genutzt. Der Mietvertrag laufe noch bis Februar 2018, berichtete Michael Wölfle im Gremium. Die Hausbesitzerin habe nun angefragt, ob es möglich wäre, die Gewerbeeinheit in eine Wohnung umzuwandeln, um diese selbst zu nutzen. Denn derzeit wohne die Eigentümerin im ersten Stock, würde aber gerne ins Erdgeschoss ziehen, erklärte Wölfle.

Das Problem: In der Vergangenheit hatte die Stadt derartigen Nutzungsänderungen in der Altstadt zwar schon des öfteren zugestimmt, allerdings noch nie an den Hauptachsen. Zu wertvoll seien die dortigen Ladenflächen, als sie für Wohnungen zu opfern, so der Tenor bislang. Man habe der Besitzerin als Kompromiss vorgeschlagen, im vorderen Teil zur Straße Büros oder eine kleine Gewerbeeinheit vorzusehen und nur den hinteren Bereich zur Wohnung umzufunktionieren. „Das hat sie abgelehnt“, berichtete Wölfe, der riet, am bislang verfolgten Grundsatz Gewerbe vor Wohnung festzuhalten. Der Stadtbauamtsmitarbeiter verwies dabei auch auf die gegenüberliegende Seite der Münzstraße. Dort hatte der Bauausschuss einen ähnlichen Umbau vor Jahren mit Verweis auf die gewünschte Gewerbenutzung untersagt.

Damals habe man die gleiche Diskussion gehabt, erinnerte Paul Huber (CSU). Mit dem Erfolg, dass der Eigentümer die Schaufenster vernagelt habe und das Erdgeschoss seit Jahren leer stehe. „Ich hätte auch lieber Gewerbe, aber wenn die Besitzerin nicht will, ist es schwierig. Da ist mir eine Wohnung lieber.“

Ähnlich hin- und hergerissen zeigten sich die übrigen Gremiumsmitglieder. Ilona Böse etwa sah sich in einem „großen Zwiespalt“. Bei einer etwaigen Nutzungsänderung sorgte sich die SPD-Fraktionschefin um das Außenbild und die Ästhetik, schließlich sei das Gebäude das erste, auf dass man zufahre, wenn man in die Altstadt komme. „Einfach einen Schabracken-Vorhang vor das Schaufenster ist keine Lösung.“ Zwar sei die Denkmalschutzbehörde im Boot, „aber wir können die Besitzerin nicht zwingen, die Schaufenster auszubauen“, wies Wölfle hin.

Auch Bettina Buresch (ALS) betonte, dass sich die Wohnung ins Ensemble der Altstadt einfügen müsse. Es sei schwierig, zu entscheiden, ohne einen konkreten Plan zu sehen, bemängelte sie. Bekommen wir den Bauantrag nochmal vorgelegt?“, wollte Kornelia Funke (CSU) wissen. „In so einem Fall schon“, sicherte Wölfle zu. Passen musste er allerdings bei der Frage von Ralf Schnabel (UWV) nach dem Alter der Eigentümerin, die dieser wohl im Hinblick auf die Vorteile einer barrierefreien Erdgeschoss-Wohnung stellte. „Wir prüfen weder Alter, Geschlecht noch Rasse.“

Leicht fiel auch Bürgermeister Falk Sluyterman die Entscheidung nicht. Er werde zustimmen, wenngleich „mit Bedenken“, sagte er. Sein Votum war schließlich ausschlaggebend. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 5:4 Stimmen wurde das Einvernehmen für die Bauvoranfrage erteilt. 

Für die Inhaberin der Wellness-Oase „Spa Nok“ kommt die Nachricht von einer möglichen neuen Nutzung überraschend. Sie habe bislang weder eine Kündigung erhalten, noch selbst gekündigt, erklärte Orrachon Hacker am Mittwoch im Gespräch mit dem Kreisboten und verspricht: „Ich werde auf alle Fälle in Schongau bleiben. Ich habe hier viele Kunden.“

Christoph Peters

*Wir haben den Bericht um die Aussage der Mieterin ergänzt.

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