Tag des Museums

Schatzsuche in der Schongauer Altstadt

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Noch bis 25. Juni im Schongauer Stadtmuseum zu sehen: der Münzschatz "Schongau I".

Schongau – Für bare Münze zu nehmen ist dieser Schatzfund in Schongau: Nein, es geht weder um einen Goldklumpen noch um einen Silbertaler. Gemeint ist vielmehr der Münzschatz „Schongau I“, der im Stadel des Bezirksamtes 1923 entdeckt wurde, aber durch Aufteilen unter Bauarbeitern mit Ausnahme weniger Exemplare in Privatbesitz überging und bis vor drei Jahren als verschollen galt.

Erst 2014 tauchte ein Teil des Schatzes mit 503 Münzen wieder auf. Er konnte aus dem Nachlass Steidele erworben werden. Das ehemalige Bauunternehmen war 1923 mit den Arbeiten am Stadel des Bezirksamtes (heute Landrats­amts-Büros an der Bauerngasse) betraut. Dort wurden – ähnlich wie im Obergeschoss des damals neuen Rathauses – Zimmer errichtet. Denn die Wohnungsnot war groß.

Aus der Mitte des 14. Jahrhunderts

Franz Grundner vom Stadtmuseum spricht vom Münzschatz „Schongau I“. Diese Formulierung rührt daher, dass 1979 schon vor dem Anwesen Feiler in der Münzstraße ein Fund zu Tage kam – Münzschatz „Schongau II“. Beide Entdeckungsorte liegen in der unteren Altstadt nur gut 100 Meter Luftlinie voneinander entfernt. Und bei beiden wird die „Verbergungszeit“ auf die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert.

Der Münzschatz „Schongau I“ ist am Tag des Museums der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Er befindet sich hinter der Eingangstür in einer Glasvitrine. Darin steht auch eine Ansicht, die den Fundort an der Bauerngasse zeigt. Zu sehen noch bis einschließlich Sonntag, 25. Juni, während der Öffnungszeiten des Stadtmuseums. Danach soll „Schongau I“ zwei Stockwerke weiter nach oben gelangen – in den Dachboden über der Apsis der ehemaligen Erasmuskirche (jetzt Museum). Innerhalb des Historischen Vereins ist die Arbeitsgemeinschaft Stadtmuseum damit befasst, die Münzsammlung einzurichten. Im Juli soll es so weit sein.

Mit zirka 500 Exemplaren setzt sich die Münzmenge größtenteils aus dem Schwäbisch Haller Pfennig aus dem 13. und 14. Jahrhundert zusammen. Dieser zeigt vorne eine Hand und auf der Rückseite ein Kreuz. Doch sind auch Münzen dabei, die aus anderen Städten mit Prägerecht stammen. Dabei handelt es sich etwa um einen Augsburger Hohlpfennig, um einen Frankfurter Heller oder einen Heller aus Speyer. Eben die Datierung der Münzen aus der pfälzischen Domstadt weist auf eine Verbergungszeit um 1350 herum hin. Doch wer versuchte damals, sein Vermögen in Sicherheit zu bringen und warum?

Zu der Zeit, als sich die Pest ausbreitete

Franz Grundner von der Arge Stadtmuseum schlussfolgert, dass die Ausbreitung der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts und damit einhergehende Progrome mit der Vergrabung der Münzschätze durchaus in Zusammenhang gebracht werden können. Angenommen wird, dass beides zu einer Häufung plötzlicher Todesfälle, Flucht, Vertreibung und Enteignung führte.

Möglicherweise waren zu diesen unruhigen Zeiten auch Juden in Schongau ansässig, die Handel und Geldverleih betrieben und sich bedroht sahen. Hundertprozentig lasse sich das aber nicht belegen. Für bare Münze zu nehmen ist aber: Das Gebäude an der Bauerngasse, wo der Münzschatz aus dem Keller entdeckt wurde, ging um das Jahr 1500 an den Vogt (Landesherrn) über. Zuvor war es in Privatbesitz.

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