Zenetti-Laden am Steingadener Hauptplatz

Zuerst der "Weihnachtsladen"

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Am Freitag eröffnet der „Siebensachen“-Weihnachtsladen im Zenetti-Haus.

Steingaden – Es soll ein Raum für Kreativität, Kultur, Genuss und Gespräche werden. Am kommenden Freitag eröffnet der kleine Zenetti-Laden am Steingadener Hauptplatz. Damit ist ein erster Meilenstein zur Wiederbelebung des ehrwürdigen Weinstadels und Bekleidungsgeschäftes getan. Im Moment sind vor allem die Schaufenster das Aushängeschild, in dem sich sieben Kommunen aus dem Auerberg­land präsentieren, die ähnliche Probleme bei der Innenbelebung ihrer Gemeinden haben.

Erst vor einiger Zeit trafen sich die Bürgermeister von sieben Auerbergland-Gemeinden in Bernbeuren um ihre Projekte vorzustellen, mit deren Hilfe der jeweilige Ortskern wiederbelebt bzw. notwendige Nahversorger in die Kommunen geholt werden sollen. Neben Ingenried, wo der kleine Dorfladen schon große Fortschritte gemacht hat (siehe Seite 5), ist vor allem das Zenetti-Haus am Steingadener Hauptplatz ein herausragendes Projekt, allein wegen der Lage und Größe des früheren Weinstadels. Nun beginnt die Wiederbelebung des Gebäudes, das seit mehr als fünf Jahren leer steht. Im Frühjahr noch hatte Bürgermeister Xaver Wörle seine Ideen, einen Erlebnisladen mit regionalen Produkten zu schaffen, mit Erfolg im Rahmen des LEADER-Projektes vorgestellt. Das Konzept des Bürgermeisters basiert, wie er seinerzeit dem Kreisboten gegenüber erläuterte, auf vier Säulen: Verlagerung der Touristinformation ins Zenetti-Haus, Einrichtung einer Confiserie mit Fair-Trade-Produkten, ein Regional-Marktladen und nicht zuletzt ein Kultur-Café. Und weiter: „Warum nicht am Marktplatz, den E-Bike-Verleih der Touristinformation ansiedeln, einen Car-Sharing-Punkt aufbauen und die Führungen zu Wies, Welfenmünster oder Klostergarten starten“, erklärte Wörle damals.

Mittlerweile sind Annegret Michler und Dr. Stefan Leuninger von einem Architekten- und Stadtentwicklerbüro aus Kaufbeuren involviert, die nun an der Umsetzung der Ideen Wörles mitarbeiten. So sollen auch Fördermittel abgerufen werden können. Die Frage, die man sich zunächst habe stellen müssen, so die Regierungsrätin und Architektin Annegret Michler, sei gewesen: „Was mache ich mit dem Laden?“. Das frühere Geschäft hat eine Fläche von mehr als 120 Quadratmetern – zu groß für die einen und zu klein für andere Mieter. Selbst größere Kommunen oder Städte hätten mittlerweile Probleme, leerstehende Ladengeschäfte wieder an den Mann zu bringen; zu groß ist mittlerweile die Konkurrenz aus dem Internet, zu gering die Laufkundschaft. Daher sei die Idee Wörles, eine Kombination aus Treffpunkt, Infrastruktur für den Tourismus, einem kleinen Café und Laden für regionale Produkte, ideal.

So stellt der kleine Sieben-Sachen-Laden im Zenetti-Haus, in dem früher der Uhrmacher beheimatet war, einen Testballon dar, erklärt Michler. Der Zustand des großen Ladengeschäftes habe es nicht zugelassen, dass man dessen Reaktivierung sofort hätte angehen könne, daher das kleine Ladengeschäft, das nur gut ein Zehntel so groß ist. Nun hoffe man auf die Bürgerbeteiligung und weitere Ideen, um den großen Laden wieder zu reaktivieren. Klar ist jetzt schon, dass neben dem integrativen Treffpunktcafé, das insbesondere ältere und jüngere Bürger in das Geschäft holen soll, vor allem ein Verkauf regionaler Produkte im Vordergrund stehen wird. Dadurch sollen regionale Wirtschaftskreisläufe imitiert und gestärkt werden, vor allem aber auch die Vernetzung der Händler und Produzenten wachsen. Für die Leitung des integrativen Cafés konnte man seitens der „Stadtentwickler“, wie das Büro Michler und Leuninger heißt, die Langau mit ihrem Leiter Peter Barbian gewinnen. Dadurch ergeben sich auch Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Man starte behutsam, so Michler, insbesondere, nachdem man als Stadtplaner auch kein Händler sei bzw. nicht deren Kenntnisse und Erfahrungen besitze. Daher auch als erster von drei Schritten das Schaufensterprojekt.

Mit im Team weiß Michler auch die Firma TwoBex, die aus dem kommunalen Bereich kommt und zum Beispiel in München entsprechende Erfahrungen mit dem Betrieb von Ladengeschäften vorweisen kann. Wichtig ist es Michler im Gespräch auch zu betonten, dass man keine Konkurrenz zu bestehenden Geschäften, etwa den Bäckereien werden möchte.

So sollen als erstes nun mit dem „Weihnachtsladen“ Erfahrungen gesammelt werden. Etwa, „wer kommt in den Laden und zu welcher Uhrzeit“, so Annegret Michler. Und man hoffe auf die Ideen der Bürger. „Sie dürfen sich gerne einbringen. Wir wollen wissen, was braucht‘s noch?“. Doch dazu muss der Laden eben sichtbar werden, ehe man in die Planungen einsteige. Außerdem brauche es Fördermittel und einen Betreiber.

Wünschenswert wäre natürlich, schon 2019 den großen Laden eröffnen zu können, realistisch aber rechnet Michler mit einer Eröffnung nicht vor 2020. „Wir brauchen schließlich ja noch Handwerker, die uns das Geschäft umbauen. Auch die müssen erst einmal Zeit finden“. 

Oliver Sommer

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