Seit 1949 verheiratet

Schwabbrucker Eheleute feiern 70. Hochzeitstag

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Zenta und Josef Mayrock (sitzend) freuen sich, dass die drei Söhne Josef, Wilhelm und Helmut (stehend von links) dabei sind. Bürgermeister Norbert Essich (stehend rechts) übergab ein Geschenk des Bayrischen Ministerpräsidenten.

Schwabbruck – Es war ein ganz besonderer Anlass, zu dem Schwabbrucks Bürgermeister Norbert Essich am vergangenen Freitag zum Ehepaar Mayrock unterwegs war. Beide hatten bereits am vorangegangenen Tag, den 14. November, ihren 70. Hochzeitstag und damit die Gnadenhochzeit begehen dürfen.

Neben einem großen Präsentkorb der Gemeinde hatte der Bürgermeister auch einen Brief des Bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder dabei, der gratulierte und ein Porzellanbecherset mit dem bayrischen Wappen beigefügt hatte. Im Beisein Essichs erzählten die beiden in ihrem heimeligen Wohnzimmer mit den vielen Bildern an der Wand, die einiges über die gemeinsamen Jahrzehnte berichten, aus ihrem Leben.

Kreszenz, genannt Zenta, 91 Jahre alt und der bald 94-jährige Josef Mayrock sind beide in Schwabbruck groß geworden und kennen sich schon von der Schule her. Am 15. August 1948, Mariä Himmelfahrt, begleitete der 23-jährige Josef die 20-jährige Zenta von der ehemaligen Gaststätte „Heiland“, in der sich die jungen Einwohner des Dorfes immer trafen, nach Hause. Dabei funkte es.

Am 7. September 1949 starb Josefs Mutter und noch im gleichen Jahr, am 14. November, wurde geheiratet. Wie das früher so war: Man brauchte eine Frau auf dem eigenen Hof. Hätte Zenta nicht eine Mandelentzündung bekommen, wäre die Hochzeit schon eine Woche früher gewesen. Der damalige Traupfarrer Max Ostheimer war genau in dieser Zeit nach Oberstaufen umgezogen, kehrte aber extra nochmals zurück.

Die Geburt der beiden 1951 und 1952 zur Welt gekommenen Söhne Wilhelm und Helmut durfte der wenige Jahre nach seiner Frau im Jahr 1954 verstorbene Vater von Josef noch miterleben. 1955 wurde mit Josef Junior das Söhnetrio komplettiert. Inzwischen darf sich das Jubelpaar auch an sechs Enkelkindern und sechs Urenkeln erfreuen und da die Söhne Wilhelm und Josef dem Heimatort die Treue gehalten haben, sind nahezu alle nahe bei ihren Groß- und Urgroßeltern daheim. Nur Helmut hatte es in die Ferne gezogen. Er war aus seiner jetzigen Heimat in Spanien angereist. Mit seiner aus Argentinien stammenden Ehefrau bringt er ein Stück Internationalität in die Familie.

Nachdem sich Josef Mayrock 1965 vom erlernten Beruf des Landwirts zurückgezogen hatte, wandte er sich 38 Jahre lang bis zu seinem Renteneintritt 1984 ganz seiner bereits vorher betriebenen Mitarbeit bei der Raiffeisenbank zu. Stolze 24 Jahre war er im örtlichen Gemeinderat tätig. Von 1969 bis 1984 war er Stellvertreter des damaligen Bürgermeisters Hans Sporer. Neben vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten war er 40 Jahre als Trommler aktiv bei der Musikkapelle. Überhaupt die Musik: Auch Zenta schenkte 40 Jahre lang ihre Singstimme dem Kirchenchor. Der klassischen Musik gilt ihr beiderseitiges Interesse. Diese Gemeinsamkeit führte sie schon häufig ins Münchner Opernhaus und sogar über die Alpen hinweg nach Verona.

Rezepte für lange Ehe

„Man streitet viel untereinander, aber man geht auch wieder beieinander“ weiß Zenta als Erfolgsrezept für eine lange Ehe zu berichten. Ganz wichtig sei auch, dass man nicht streitend auseinandergeht. Und vor allem brauche jeder seinen eigenen Freiraum. Und all das leben sie auch heute noch vor. Jubilar Josef ist nahezu täglich in Sachen Stammtisch in seiner Stammgaststätte. Leider gebe es dort niemanden in seinem Alter mehr, führt er an. Auch Zenta pflegt nach wie vor ihre Damenkränzchen im Ort. Besondere Wünsche haben die beiden nicht. Trotz der Tatsache, dass vieles nicht mehr so gut geht, wie man es gerne hätte, sind beide zufrieden mit allem wie es ist.

Dabei standen die Zeichen dafür, dass beide diesen besonderen Tag in ihrem Leben überhaupt begehen durften, am 31. März 1945, einem Karsamstag wenige Wochen vor Kriegsende, ganz und gar nicht gut. Josef, der heute letzte weltkriegsgediente Einwohner Schwabbrucks, wurde mit 17 Jahren von Januar bis Juli 1943 aus seiner elterlichen Landwirtschaft zum Reichsarbeitsdienst nach Frankreich und noch im Monat seiner Rückkehr zur Wehrmacht einberufen. Seine auch von mehreren schweren Krankheiten begleiteten Einsätze im Zweiten Weltkrieg führten ihn bis in die Ukraine.

An diesem Karsamstag 1945 rannte er auf der Suche nach Schutz vor den anrückenden russischen Panzern über ein freies Feld, als ihn im direkten Schuss ein Geschoss traf und ein Bein abriss. Ein Versager, der – wäre diese Panzergranate explodiert – ihm nicht nur das Bein, sondern das Leben gekostet hätte. Dass man auch mit nur einem Bein gut Skifahren und – wenn auch etwas zurückhaltender – sogar Fußball spielen kann, dafür gab Josef Mayrock viele Jahre ein gutes Beispiel ab.

Während Zenta vor zehn Jahren bei der Diamantenen Hochzeit gesundheitlich schlecht beieinander war, durften sich heuer beide bei guter Gesundheit auf den krönenden Samstag freuen. Dieser Tag wurde mit einem von Prälat Hans Fries gehaltenen Gottesdienst eingeleitet und führte das Paar anschließend zum Schäferwirt zum Essen und Feiern. Dort wartete eine Überraschung: Was man beiden noch nicht gesagt hatte, war, dass sie bei der Gaststätte von der Musikkapelle Schwabbruck dem Anlass gebührend musikalisch empfangen wurden.

mel

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